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Commonwealth-Spiele: Der schwule Heldenkuss vor den Augen der Queen

Sogar die Queen ist amused: In Glasgow wurden die Commonwealth-Spiele eröffnet - ein Olympia des britischen Weltreichs. Zu Beginn gab es ein mutiges Signal, das in Sotschi undenkbar gewesen wäre.

He kissed a man and he liked it: Bei der Eröffnungszeremonie der Commonwealth-Spiele in Glasgow gab es ein eindeutiges Zeichen für Toleranz gegenüber Homosexuellen. Moderator John Barrowman küsste während der Show einen Mann und tanzte Hand in Hand mit ihm davon. Die Zuschauer fanden die Einlage amüsant, selbst die Queen lächelte. Doch Barrowman erhält für seinen mutigen Schritt Todesdrohungen.

Der Kuss des offen schwul lebenden schottischen Schauspielers und Sängers vor laufenden Kameras sorgt vor allem in einigen Commonwealth-Ländern für Empörung. Denn während in Großbritannien gleichgeschlechtliche Paare nahezu gleichgestellt sind, steht Homosexualität in 42 der 53 Mitgliedsstaaten des ehemaligen britischen Weltreichs unter Strafe.

Auf Twitter erhält Barrowman Todesdrohungen

Vor allem in karibischen und afrikanischen, aber auch in asiatischen Commonwealth-Ländern werden Schwule gesetzlich verfolgt. In Kenia, ebenfalls Commonwealth-Mitglied, wird Homosexualität nach Angaben der International Gay And Lesbian Organisation (ILGA) mit Gefängnis von mindestens elf Jahren bis hin zu lebenslänglich bestraft. Ähnliches gilt für Jamaika, Malaysia oder Indien. (Hier geht es zu einer Übersichtskarte)

Via Twitter erhielt Barrowman üble Beschimpfungen bis hin zu Todesdrohungen. "Er verdient es zu sterben", "er sollte Selbstmord begehen" oder "hoffentlich bringt ihn jemand um" sind nur einige Auszüge der infamen Hetze. Teile davon retweete der Moderator auf seiner eigenen Twitter-Seite. "Ich will euch zeigen, wie verbittert, böse und negativ einige sind", schrieb er dazu.

Der Kuss, der selbst der Queen die Schau stiehlt

Doch Barrowman erhielt auch Unterstützung. "Es gab viele brillante Momente bei dieser Eröffnung, aber der neue Glasgow-Kuss war der beste", schrieb ein User. Ein anderer meinte: "Heute bin ich stolz, Schotte zu sein." Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty Internationale lobte den Kuss via Twitter als Signal für mehr Gleichberechtigung. "Ein großer Kuss geht an 42 der 53 Commonwealth-Länder, in denen es ein Verbrechen ist, schwul zu sein."

Das größte Kompliment für seine Showeinlage erhielt Barrowman allerdings von einem CNN-Reporter. "Er war flüchtig und kam unverhofft zwischen einer schottischen Extravaganza aus Popsongs, tanzenden Rosinenbrötchen und der Nachbildung eines Seemonsters, aber die Botschaft war unmissverständlich", lobte Paul Gittings den schwulen Kuss. Barrowman habe damit nicht nur dem schottischen Wahrzeichen "Nessie", sondern auch der Queen die Schau gestohlen.

mai