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Donald Trump: Der Goldhamster

Er sammelt Geld und schöne Frauen. Er liebt Prunk und Macht. Und er hat kein Problem, damit anzugeben: der Immobilien-Milliardär Donald Trump. Ein Besuch beim König von New York.

Herbstsonne über dem Central Park. Der Terminkalender zwar gefüllt, aber halbwegs überschaubar, es hätte ein guter Tag werden können. Dann das: Im Staate New York sollen Spielcasinos eröffnet werden. Und die gehören nicht ihm. Was schon eine verdammte Schande ist. Wo ihm doch eigentlich alles gehört, auch und natürlich die Casinos von Atlantic City drüben in New Jersey. Schlechte Nachrichten für Donald Trump. Weshalb nun, »sorry folks«, das Telefon klingelt in seinem gewaltigen Büro, 26. Stock im, klar, Trump-Tower. Den man gar nicht verfehlen kann, weil draußen in riesigen goldenen Buchstaben TRUMP dran steht. Und wo Trump dran steht, ist Trump auch drin.

Der 55-Jährige versinkt hinter seinem Schreibtisch. Irgendein Jack oder Joe ist in der Leitung, und der Boss erkundigt sich nach den Auswirkungen der miesen Nachrichten auf seine Spieltische. Murmelt etwas Unverständliches, hat dann eine Idee, »I tell you!«. Wird's denen schon zeigen. Wird gewiss nicht verhungern, der Donald, mit rund zwei Milliarden Dollar auf dem Konto. Und verdursten auch nicht. »Noooormaaaa«, ruft der Milliardär, »Cola mit Eis.« Es ist zehn. Keine halbe Minute später erscheint Norma Foederer, seine Vorzimmerdame, und bringt den Becher und eine kleine Mahnung. Abends ist dies Essen, ausgerichtet von Ivana, seiner Ex. Es wird gesammelt für die Opfer des 11. Septembers, »nicht vergessen«. Wie könnte er? Ivana schickte ihm 1991 die Rechnung für 13 Jahre Ehe, 25 Millionen Dollar. Unvergesslich. Und erst der 11. September ...

»Nur eine Woche vorher sah ich im Fernsehen eine Dokumentation über den amerikanischen Bürgerkrieg und dachte: Hey, was für ein Glück, dass wir hier seitdem keinen Krieg mehr hatten. Dann kam der 11. September. Wir kannten das hier nicht. Ihr in Europa, ihr seid an den Krieg gewöhnt. Und nun haben wir auch eine kleine Dosis abbekommen. Ich hoffe, es bleibt eine kleine Dosis. Vielleicht werden wir irgendwann wieder zur Tagesordnung übergehen. Und dann passiert wieder was. Die freie Welt muss sich daran gewöhnen und die unfreie Welt auch.«

Es ist November, zwei Monate sind vergangen seit den Attacken auf das World Trade Center. Donald Trump macht, was er seit jeher macht: Geschäfte. Heißt: morgens um halb sechs raus aus dem Bett und dann rund um die Uhr tough, tough, tough. Donald Trump, Sohn des Fred C. Trump, Enkel des deutschen Einwanderers Friedrich Drumpf, Kallstadt Pfalz, der aus dem »D« ein »T« machte und das »F« streichen ließ aus dem Namen, auf dass er nicht mehr so deutsch klingen möge, weil: eher geschäftsschädigend. Donald Trump, Milliardär, Hasardeur, Playboy, Narzisst und Goldmund. Trump symbolisiert die USA, wie es die Türme des World Trade Center taten. Er steht für Macht und Gier und Wachstum, Eitelkeit, Exzess und, tja, auch Glanz. Er steht für das, was Osama bin Laden und seine Gefolgschaft an diesem Land verabscheuen.

Haben Sie Angst, Mister Trump?

»Nein, ich hatte nie Angst. Und habe auch jetzt keine. Ich bin Fatalist. Wenn etwas passiert, dann passiert es.«

Ivana taufte ihn »The Donald«, den einzig Wahren. Der Donald redet laut und klar, die blauen Augen fixieren den Gesprächspartner und seine Uhr, »go ahead!« Go ahead, vorwärts, das ist Trumps Credo. Die Haare, rötlich, sitzen derart fest auf seinem Schädel, als wasche er sie mit Alleskleber. Sein Büro? Ein Schrein der Selbstverliebtheit. Pokale, Widmungen, Titelbilder von Magazinen, Fotos, ein Baseballschläger.

Trump, Trump, Trump. Es kann nur einen geben, »The Donald«. Trump schreibt er sogar auf sein Privatflugzeug in Gold und auf die meisten seiner Gebäude, von denen er nicht sagen kann, »wie viele ich besitze«. Stattdessen reicht er ein Faltblatt mit der Liste der 200 führenden Privatunternehmer New Yorks, er an Nummer zwei, gelb abgesetzt. »Wir müssen tougher sein, noch tougher.« Das gilt für Menschen und für Häuser. So ein Flugzeug, sagt der Donald, hätte in sein Empire State Building rasen können, »und das wäre nicht zusammengefallen«, weil das solide ist und tough. Die Türme waren eben nicht tough genug. Waren halt keine Trump-Tower. Und erst recht waren sie keine große architektonische Kunst, aber hoch und deshalb Ikonen, im Nachhinein. »New York«, sagt er, »ist stark. Und vergesst nicht: Wir haben diesen Schlag stellvertretend für den Rest der Welt eingesteckt. Der Rest der Welt sollte sagen: Thank you very much, New York.«An solche Sätze glaubt er. Die klingen so kräftig, so amerikanisch.

Auf Ground Zero arbeiten 200 seiner Leute, und die sehen Dinge, die aus Horrorfilmen rausgeschnitten würden. Er spricht oft mit ihnen. Mit den Arbeitern, mit den Taxifahrern, sagt er, kann er am besten. Besser als mit den Reichen und Superreichen, die in ihm vor allem einen geschmacksbereinigten Aufschneider sehen, den im Wesentlichen nur drei Dinge interessieren: Geld, Macht und Frauen. Von allem hat und hatte er jede Menge. 98 Prozent aller Amerikaner kennen Donald Trump, das ist ein Wert, den höchstens noch George W. Bush erreicht, neuerdings ...

»... Aber kaum jemand kennt mich richtig.«

Wie sind Sie denn richtig, Mister Trump?

»Ich glaube, ich bin viel netter, als die Öffentlichkeit denkt. Wenn Leute mich kennen, mögen sie mich auch. Was ich mache, mache ich gut. Ich liebe es zu arbeiten. Arbeit ist mein Luxus. Ich brauche auch nicht das große Appartement, das ich besitze. Alles, was ich brauche, ist ein Ein-Zimmer-Apartment irgendwo mit Fernseher drin und Licht. Würde mir reichen. Luxus ist für mich Gesundheit und mit jemandem zusammen zu sein, den man liebt.«

Amen.

Donald Trump kann in ziemlich kurzer Zeit ziemlich viel Unfug erzählen. Das aber höchst professionell. Vor zwei Jahren wollte er für das Amt des Präsidenten kandidieren. Das machte Schlagzeilen, und die sind immer gut fürs Geschäft. Als genug Schlagzeilen gedruckt waren, beschloss er, weiter Häuser zu bauen.

Alan steht plötzlich in der Tür. Alan ist einer von 22 000 Trump-Mitarbeitern und weiß genau, was er dem Chef sagen muss an diesem Morgen mit den miesen Spielcasino-Nachrichten. Das heißt: Trump fragt, und Alan macht Männchen.

»Hast du's gesehen? Wie war ich?«

»Ich muss sagen: fabelhaft, großartige Rede, fabelhaft.«

Am Abend vorher war Donald Gastgeber bei einer Fernsehshow des Senders VH-1. Elton John war da und Mick Jagger, vor allem aber: der Boss, der Donald, »fabelhaft, tolle Rede«. So mag er das. Alan kann jetzt wieder gehen.

Der Boss schaut auf die Uhr. Nächster Termin, »go ahead«. »Noooormaaa!«, und Norma Foederer stellt das Gespräch hinauf in den anderen Turm nebenan, wo er residiert, 66. bis 68. Stock, zusammen mit Honey. »Heute Abend, halb acht, Honey, bekommen wir Besuch aus Deutschland. Okay, Honey? Love you, Honey.«

Die Zeiten waren nicht immer honigsüß für Donald. Anfang der Neunziger hätte er beinahe eine veritable Pleite hingelegt. Trump musste seine Segelyacht verkaufen und ständig zum Rapport bei den Banken antreten. Er bekam Schadenfreude zu spüren und fühlte diese Blicke, die sagten: »Geschieht diesem Arschloch recht«. Und eines Tages rief auch noch Ivana an und fragte: »Wo bleibt mein Geld?« Es sah nicht gut aus für »The Donald«, aber dann:

»Das Guinness-Buch der Rekorde hat später über mich geschrieben, es wäre das größte finanzielle Comeback aller Zeiten gewesen. Aber ich habe das nie als Comeback empfunden. Ich ging ins Büro wie immer, nur noch früher. Und heute ist meine Firma größer und mächtiger als je zuvor.«

Haben Sie Freunde?

»Ich habe gute Freunde, aber ich hatte auch Leute, die gerade in dieser Zeit nicht loyal waren. Die hatte ich reich gemacht. Und danach habe ich alles Mögliche unternommen, um sie zu zerstören.«

Donald Trump ist ein Jäger. Er liebt das Jagen nach Besitz. Die Jagd, sagt er, ist spannender als der Besitz selbst. Das gilt für Häuser. Und für Menschen. Er hat reichlich Beute gemacht im Laufe seines Lebens. War immer umgeben von schönen Frauen, aber nicht immer von schlauen. Heiratete die Tschechin Ivana und gab mit ihr 13 Jahre lang ein grausig-schönes Pärchen auf jeder Party. Trennte sich von ihr oder umgekehrt, wegen einer Frau namens Marla Maples, Vorläuferin aller Blondinenwitze. Heiratete sie. Ließ sich scheiden. Sie kriegte nur eine Million, weil Donald gelernt hatte aus dem Rosenkrieg mit Ivana. Stieg später ein ins Model-Business, »aus Spaß anfangs«. Frauen! Und aus dem Spaß wurde, natürlich, Business. Trump richtet nunmehr die Wahl zur Miss Universum aus und die zur Miss World. Er raucht nicht, er trinkt nicht. Er liebt die Frauen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Seit zwei Jahren gönnt sich der Donald Melania Knauss.

Halb acht. Donald Trump öffnet die Tür zu seinem Appartement, 66. bis 68. Stock. Ein Albtraum in Gold. Alles ist aus Gold und Marmor und Kitsch. Der Palast über drei Etagen ist der Beweis, dass man alles, alles, alles kaufen kann für Geld. Nur keinen Geschmack. »Was wie Gold aussieht, ist auch Gold.« Aha, ahnte man schon. Trump dimmt das Licht, und die Skyline von Manhattan leuchtet, er gockelt an die Fensterfront, schusssicher, und deutet auf drei, vier Hochhäuser: »Das ist meins, das ist meins und das da hinten auch.«

Und nun, Licht an, Donald Trump proudly presents sein Goldstück: Melania, geboren in Slowenien. Sie kommt die Treppe herunter, goldenes Geländer, und hat auf Geheiß ihres Meisters etwas übergestreift, was man im Deutschen am ehesten mit »kleines Schwarzes« übersetzen würde. Es ist ein sehr, sehr, sehr kleines Schwarzes, und sehr, sehr, sehr passend zur aktuellen Haarfarbe des langbeinigen Models. Das freut den Donald sehr. »Honey«, zärtelt er, »komm, setz dich hierher.« Was sich ein bisschen, aber nur ein bisschen so anhört, als würde Herrchen nach seinem Dackel rufen. Honey kann gucken wie ein Dackel.

Was reimt sich noch mal auf Honey? Bewundernd schaut Honey-Melania den Donald an, der alles hat. Money, massenweise, Gold, kiloweise, Bodyguards, Helikopter, Villa, Häuser, die er nicht mehr zählen kann. Einen Golfplatz, ach was, den Supergolfplatz, den Trump National Golf Club in Briarcliff Manor, New York. Den besten in Amerika, vielleicht der Welt. Und Macht.

Was mögen die Frauen an Ihnen?

»Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es der Erfolg, die Ehrlichkeit, vielleicht, weil ich gut aussehe. Ich liebe die Frauen. Ich liebe europäische Frauen, sie sind außergewöhnlich. Was nicht heißt, dass ich nicht auch amerikanische Frauen liebe. Das muss ich schon sagen, damit ich keinen Ärger kriege. Ich glaube im Übrigen, dass jemand mit Sex-Drive auch bessere Geschäfte macht. Ich habe das jedenfalls im Laufe der Jahre immer wieder festgestellt.«

Der Donald macht prima Geschäfte. Nur die Hotels laufen nicht mehr so seit dem 11. September. Honey lauscht aufmerksam. Es ist ja nicht so, sagt der Donald, »dass ich nur noch die ganz jungen Frauen treffe«. Er ist 55, Melania immerhin schon 27, und sie spricht, Donnerwetter, vier Sprachen mindestens. Also kein Dummchen. Herrje, was für ein schönes Thema in diesen Zeiten - Frauen!. Aber dummerweise pressiert's, weil Ivana unten in Downtown im berühmten Tribeca-Grill wartet. Und Feuerwehrleute da sein werden und Polizisten, und Geld gesammelt wird für die Opfer des Crashs. Donald muss da hin und das tun, was er am meisten hasst, außer Verlusten: Hände schütteln.

Donald Trump mag keine Hände schütteln, was nichts zu tun hat mit Anthrax und Angst. Er mag es einfach nicht, wenn ihm Menschen zu nahe kommen, abgesehen von hübschen Frauen. Einmal saß er bei Larry King, CNN-Ikone, und dem sagte er formvollendet: »Es stört Sie hoffentlich nicht, wenn ich mich ein Stück zurücksetze. Sie haben so schlechten Atem.« In solchen Momenten kann Donald Trump richtig sympathisch sein.

Zum Abschied kommt »The Donald« auf einen zu und reicht die Hand. Man hebt an und sagt: »Moment, das verabscheuen Sie doch.« Und er sagt: »Sie kommen doch aus Deutschland. Und ich dachte, Deutsche sind sauber.«

Text: Michael Streck

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