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Edouard Michelin: Der Tod kam beim Angelausflug

Der Chef des weltgrößten Reifenherstellers Michelin, Edouard Michelin, ist bei einem Angelausflug vor der bretonischen Küste ertrunken. Beim Formel 1-Wochenende werden die Michelin-Mitarbeiter Trauerflor tragen.

Der Tod des Firmenerben Edouard Michelin löste in Frankreich Trauer und Bestürzung aus. Präsident Jacques Chirac würdigte den Gestorbenen ebenso wie zahlreiche Vertreter von Verbänden. Bei der Formel-1 in Monaco, wo Michelin das Weltmeister-Team von Renault sowie McLaren-Mercedes, Honda, Red Bull, BMW-Sauber und Scuderia Toro Rosso ausstattet, tragen die Mitarbeiter am Sonntag Trauerflor. Das Unternehmen mit 130.000 Mitarbeitern wird vorerst vom zweiten Vorsitzenden Michel Rollier allein geführt, teilte die Groupe Michelin mit.

Boot und Freund weiter vermisst

Michelin war am Freitagmorgen mit dem Präsidenten des Fischerverbands von Audierne, Guillaume Normant, in einem 8,50 Meter langen Boot zum Angeln ausgefahren. Am Nachmittag wurde seine Leiche etwa zehn Kilometer nördlich der Insel Sein aus dem Meer geborgen. Nach Normant und dem Wrack des Bootes wurde am Samstag weiter gesucht. Das Meeresgebiet gilt wegen seiner Riffe und unberechenbaren Strömungen als tückisch. Zur Zeit des Unglücks war die See ruhig, doch es herrschte dichter Nebel.

Der Automobil-Weltverband FIA sprach am Samstag Michelins Angehörigen, Freunden und Mitarbeitern sein Beileid aus. Der Große Preis von Monaco startet am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere). Am Saisonende steigt der Konzern nach sechs Jahren aus der Formel 1 aus, so dass 2007 der japanische Konkurrent Bridgestone alleiniger Reifenlieferant für die elf Formel-1-Teams ist. Grund für den Rückzug war die Ankündigung der FIA, ab 2008 nur noch einen Reifenhersteller zuzulassen. Das Bewerbungsverfahren der FIA läuft bis zum 23. Juni.

Ausbildung von der Pike auf

Michelin war mit 22 Jahren in das Unternehmen seines Vaters eingetreten und hatte gemäß der Familientradition zuerst am Band gestanden, bevor er Managementpositionen übernahm. Nach 21 Positionen wurde er 1999 als Nachfolger seines Vaters Vorstandschef. Der Vater von sechs Kindern beherrschte mit seinem in 170 Staaten tätigen Unternehmen 20 Prozent des weltweiten Reifenmarktes. Im ersten Quartal 2006 stieg der Umsatz um gut zehn Prozent auf vier Milliarden Euro. 2005 setzte Michelin 15,6 Milliarden Euro um und verdiente netto 889 Millionen Euro. Pro Jahr fertigt Michelin 180 Millionen Reifen. Der Konzern ist auch für seine Straßenkarten und Gourmet-Führer bekannt.

AP/DPA / AP / DPA