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Egal ob Junge oder Mädchen: Kates Kind wird König

Für die britische Thronfolge gilt bei der Schwangerschaft von Herzogin Kate das Motto: Hauptsache gesund! Denn ein Mädchen kann auch dann den Thron besteigen, wenn es noch Brüder bekommen sollte.

Im Moment sorgt das kleine Etwas im Bauch von Herzogin Kate erst einmal für fortgesetztes Erbrechen bei der werdenden Frau Mama. In vielen Jahren sollen ihm einmal die Massen zujubeln: Kates Kind wird der neue König oder die neue Königin von Großbritannien und Nordirland sowie vermutlich Staatsoberhaupt weiterer 15 Länder sein. Vom Zeitpunkt der Geburt an wird der erste Vertreter der 34. Generation nach William dem Eroberer die Nummer drei der britischen Thronfolge sein - hinter Prinz Charles und seinem eigenen Vater Prinz William und noch vor "Uncle Harry" - Williams jüngerer Bruder wird dann auf Rang vier verdrängt.

Doch so selbstverständlich wie die Thronfolge-Arithmetik klingt, ist sie gar nicht. Im vergangenen Sommer mussten die Regierungschefs von 16 Staaten im australischen Perth dafür erstmal die Köpfe zusammenstecken und sich auf eine neue Regelung einigen - der britische Monarch ist noch immer Staatsoberhaupt von 15 ehemaligen Kolonien, darunter so wichtige Länder wie Kanada oder Australien. Der britische "Act of Settlement" aus dem Jahr 1701 sollte geändert werden. Darin war nicht nur geregelt, dass Thronfolger der seit Heinrich VIII. streng protestantischen britischen Krone keine Katholiken oder Katholikinnen heiraten dürfen. Auch ein Primat für Männer ist darin enthalten.

Mutmaßlichungen zu Mehrlingsgeburt

Ein Mädchen konnte bisher nur dann Königin werden, wenn es - wie im Falle von Königin Elizabeth II. - keine Brüder mehr bekommt. Damit ist seit Perth Schluss. Alle 16 Nationen, in denen die Queen Staatsoberhaupt ist, billigten die Beschlüsse. Das Dumme ist nur: Die Vereinbarungen sind noch längst nicht in nationale Gesetze umgesetzt. Der britische Außenminister William Hague drängt schon zur Eile. "Das muss jetzt schnell getan werden", sagte er. Schließlich muss in einigen der 15 Staaten außerhalb Großbritanniens sogar die Verfassung geändert werden. Da könne einiges dazwischenkommen, warnt Hague.

"Gemach, gemach", sagen andere Experten. Die Parlamentarier in Großbritannien und den sogenannten Realms wie Kanada, Australien oder auch Südsee-Gefilden wie den Salomonen oder Tuvalu haben jetzt erst einmal rund sieben Monate Zeit, bis das Kindlein von Kate geboren ist. Sollte es ein Junge werden, ist das Thema ohnehin erstmal um eine ganze Generation nach hinten verschoben. Sollte es ein Mädchen werden, ist auch noch nichts verloren. Dann läuft aber tatsächlich die Zeit, bis zur Geburt eines möglichen zweiten Kindes von Kate.

Für die Briten ist das ohnehin alles graue Theorie. Denn eine Nicht-Anerkennung einer Königin ist praktisch ausgeschlossen. Einige Rechtsexperten sind sogar der Meinung, nationale Gesetze seien nach der Einigung von Perth gar nicht mehr notwendig. Die Menschen auf der Straße interessiert sowieso vielmehr die Frage, ob Kate jetzt vielleicht sogar Zwillinge zur Welt bringt - bei extremem Brechreiz der werdenden Mutter sollen Mehrlingsgeburten häufig sein.

Auf alle Fälle vorbereitet

Selbst für einen solchen Fall liegen in London schon Regelungen parat. Das erste Kind, das aus dem Mutterleib kommt, wird später Monarch - auch wenn es nur ein paar Minuten früher das Licht der Welt erblickt. Und im Falle eines Kaiserschnittes? Dann wird der operierende Arzt im wahrsten Sinne zum Königsmacher - den Winzling, den er als erstes in die Hand nimmt, setzt er damit praktisch auf den Thron.

Doch die Wartezeit bis zur Thronbesteigung dürfte enorm sein. Die Queen wirkt mit ihren 86 Jahren topfit - kaum jemand zweifelt daran, dass sie noch fünf bis zehn Jahre regieren kann. Dann kommt der heute 64 Jahre alte Prinz Charles an die Reihe. Sein Sohn William dürfte demnach auch schon fast im Rentenalter sein, bis er den Thron besteigen kann. Bis dessen Nachwuchs an der Reihe ist, dürften gut 50 Jahre vergehen. "Wir bekommen immer ältere Könige", sagte die Biografin und Historikerin Kate Williams in der BBC.

Michael Donhauser, DPA / DPA