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Eva Green: Allein unter Männern

Im Kreuzzug-Epos "Königreich der Himmel" spielt die zauberhafte Französin Eva Green die Prinzessin. Für Hollywood ist sie bereits eine.

Da steht sie vor seiner Tür, ein Kerzenlicht in der Hand und ein Nichts von Nachthemd am delikaten Körper. Die Frau ist tabu, weil verheiratet mit einem einflussreichen Mann. Sie lächelt. "Zwischen zwei Menschen steht nichts als ein Licht", sagt sie, pustet die Kerze aus, und es ist klar, was gleich passieren wird: Sex von der Sorte Halleluja-die-Erde-bebt-und-alle-Kirchenglocken-bimmeln! Er ist Balian, ein junger Ritter, gespielt von Orlando Bloom, der in Ridley Scotts Kreuzzug-Epos "Königreich der Himmel" den Helden gibt. Sie ist Sibylla, hehre Prinzessin im Königreich Jerusalem, verkörpert von Eva Green.

Vor allem Männer

, die auch einmal für einen europäischen Autorenfilm ins Kino gehen, werden die 24-Jährige kennen, tanzte sie doch vor anderthalb Jahren mit wenig an und viel Sex-Appeal durch Bernardo Bertoluccis "Die Träumer". Der schwärmte hinterher: "Sie ist so schön, dass es unanständig ist." Inzwischen zählt das "Rolling Stone"-Magazin Eva Green zu den zehn Menschen, auf die man in diesem Jahr achten muss, Giorgio Armani hat sie als Model engagiert, und regelmäßig trifft sie nun in den USA Studiobosse - kurz: Eva Green ist "Hot Shit".

Sie fällt auf im "Königreich der Himmel". Klar, sie ist die einzige Frau im Film. Aber noch etwas hebt sie heraus: die ruhige Selbstgewissheit in diesem unerschrockenen Blick aus wasserklaren Augen. Passt nicht richtig zu einer mittelalterlichen Prinzessin, die man sich eher vorstellt als fremdbestimmtes Hascherl. Dieses Klischee wollte Regisseur Scott nicht bedienen. Er suchte eine Frau, die sich allein unter Männern behaupten kann - und entschied sich für Green. Sie sei zwar erst Anfang zwanzig, schwärmt er, aber sie trage eine alte Seele in sich.

Die "alte Seele"

sitzt an einem himmelblauen Sonntag auf einem Sofa im Ritz-Carlton in Pasadena und sieht ziemlich frisch aus. Die dunklen Haare sind zu einem Pferdeschwanz gebunden, die Augen mit dunkelgrauem Lidschatten eingeraucht. Das macht ihr Sommersprossen-Gesicht noch blasser.

In fast perfektem Englisch, in das sich nur ab und zu ein samtener französischer Akzent stiehlt, sprudelt sie los. "Mit meinem Nachnamen", sagt sie, "habe ich in Hollywood den Vorteil, dass die Studioleute nicht gleich abwinken - obwohl ich Französin bin." Green werde eigentlich "Grinn" ausgesprochen, ihr Vater, ein Zahnarzt, ist Schwede. "Grrrrinn" wiederholt sie und rollt das "r" ganz tief aus der Kehle herauf.

Ihr Talent steckt auch in den Genen. Greens Mutter Marlène Jobert war eine Muse der Nouvelle Vague, des jungen, französischen Kinos der 60er Jahre, drehte damals mit Godard und Chabrol. "Mama sagt dauernd, dieser Beruf sei hart. Immer bist du von den Vorstellungen anderer abhängig, musst ständig was beweisen." Doch die Tochter ließ sich nicht abhalten. Gepackt hat es sie, als sie zehn Wochen in London verbrachte, um ihr Englisch aufzupolieren, und sie an der Schule kleine Stücke aufführten. Zurück in Paris, studierte Eva drei Jahre Schauspiel, versuchte sich danach an kleinen Bühnen, bis Bertolucci sie entdeckte.

Sie lächelt ein bisschen,

ganz gelassen, ohne eine Spur von Überheblichkeit. "Der Erfolg kann morgen wieder vorbei sein." Ihr falle nicht alles zu. Für "Königreich der Himmel" musste sie unzählige Probeaufnahmen machen, "völlig verrückt. Nur um zu beweisen, dass ich die Rolle packe. Die ersten drei Monate am Set dachte ich, gleich feuern die mich". Aber sie blieb. Auch, weil sie allmählich aus der Sex-Ecke herauswill, in die sie nach "Die Träumer" gerückt wurde. Nicht, dass Green die expliziten Szenen bereue. "Wieso?", fragt sie spitz. Es nerve nur, wenn sie zum x-ten Mal hört, "ah, Sie sind Bertoluccis Femme fatale!".

Wenn sie nun als edle Prinzessin in durchsichtigen Gewändern englische Edelleute verführt, mag das mit dem Image-Wandel nicht unbedingt klappen, aber es freut zumindest jene Männer, die auch mal für einen handfesten Historienschinken ins Kino gehen.

Anke Kapels / print