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Nach Verleumdungs-Vorwurf Gil Ofarim hat Strafanzeige wegen "falscher Verdächtigung" gestellt

Der Sänger Gil Ofarim
Der Sänger Gil Ofarim
© Tobias Hase / DPA
Der Mitarbeiter eines Hotels in Leipzig soll den Sänger Gil Ofarim antisemitisch beleidigt haben. Der Beschuldigte spricht von Verleumdung. Ofarim wehrt sich. 

Der Musiker Gil Ofarim wehrt sich gegen den Vorwurf eines Hotel-Mitarbeiters, der ihn der Verleumdung beschuldigt. Der 39-Jährige hat Strafanzeige wegen "falscher Verdächtigung" erstattet, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig dem stern bestätigte. Zunächst hatte der "Tagesspiegel" über den Vorgang berichtet. Die Strafanzeige sei laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig bereits im Rahmen von Ofarims Vernehmung vor wenigen Tagen erstattet worden und wurde offenbar erst jetzt publik.

Der Sänger hatte Anfang Oktober in einem Video geschildert, dass ihn ein Mitarbeiter von "The Westin Leipzig" aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Ofarim erstattete daraufhin eine erste Anzeige. Der beschuldigte Hotelangestellte reagierte mit einer Anzeige wegen Verleumdung. Ofarim, Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim (1937-2018), stellte daraufhin eine Strafanzeige wegen "falscher Verdächtigung".

Laut Strafgesetzbuch (§ 164) wird der Tatbestand der falschen Verdächtigung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet.

Ermittlungen dauern an

Der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor. "Unsere Ermittlungen sind von dem Ergebnis der Hoteluntersuchungen unberührt und dauern an", sagte ein Sprecher am Mittwoch. In den vergangenen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft bereits mitgeteilt, dass sie mehrere Videos von Überwachungskameras im Hotel auswerte. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen, daher könne man zum Inhalt keine Angaben machen, hieß es.

Hintergrund sind Medienberichte, wonach Überwachungsvideos möglicherweise Fragen zu dem von Ofarim geschilderten Hergang aufwerfen. Demnach soll die Kette mit dem Davidstern auf den Überwachungskameras des Hotels nicht deutlich sichtbar gewesen sein. Die Medien hatten sich auch auf Ermittlerkreise berufen.

Ofarim selbst hatte selbst immer wieder betont, dass er den Davidstern im Hotel getragen habe. "Ich habe meine Kette angehabt – wie immer. Ich trage sie auch in den sozialen Netzwerken oder bei Auftritten, deshalb wurde ich angefeindet", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Leipziger Hotel beendet Untersuchungen

Das betroffene Leipziger Hotel hat seine eigenen Ermittlungen abgeschlossen und will keine Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter ergreifen. Spezialisierte Rechtsanwälte hätten das Geschehen in der Hotellobby rekonstruiert und seien "unter Berücksichtigung aller verfügbaren Beweismittel" zum Ergebnis gekommen, dass keine "objektivierbaren" Anhaltspunkte vorlägen, die straf- oder arbeitsrechtliche Schritte gegen den Mitarbeiter rechtfertigten. Das teilte die Betreiberin des "The Westin Leipzig", die Hotelgesellschaft Gerberstraße Betriebs GmbH, am Mittwoch mit.

Auf 118 Seiten fasste die Anwaltskanzlei demnach die Untersuchungen zusammen, für die sie Gäste, den beschuldigten Mitarbeiter, weitere Angestellte und Zeugen befragte. Zudem habe die Staatsanwaltschaft Akteneinsicht zu Vernehmungen von Zeugen übermittelt, die nur mit den Ermittlungsbehörden sprechen wollten. Ein spezialisierter Sachverständiger habe ein Gutachten zu Videoaufnahmen erstellt und diese auf etwaige Manipulationen untersucht.

"Wir haben daher entschieden, dass entsprechende Maßnahmen gegen den Mitarbeiter nicht eingeleitet werden", heißt es in einer Erklärung. Da der Mitarbeiter nach wie vor massiven Anfeindungen ausgesetzt sei, werde er "aus Fürsorgegesichtspunkten" zunächst seinen Aufgaben noch nicht wieder vollumfänglich nachkommen.

Weiter will sich das Hotel nicht zu den Vorwürfen äußern. Man habe gegenüber sämtlichen Mitarbeitern die arbeitsrechtliche Weisung erlassen, keine weiteren Erklärungen gegenüber Medien abzugeben.

fs / mit Material der Nachrichtenagentur DPA

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