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Zeuge im Lohfink-Prozess: "Wir hatten zu dritt Spaß" - die Aussagen des fragwürdigen Herrn Pinto

"Ich habe mit 500 Frauen geschlafen, und sie bringen die drei hier an, die sich beschwert haben." Sebastian Castillo Pinto sagte am Montag im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink aus. Ein zweifelhafter Zeuge.

Sebastian Castillo Pinto

Einer der beiden Männer aus dem Sexvideo: Sebastian Castillo Pinto am Montagmorgen am Berliner Amtsgerichten Tiergarten. Der 32-Jährige ist als Zeuge geladen.

Auf Facebook präsentiert er sich gerne mit Berliner Prominenten. Er sitzt auf dem Schoß von Udo Walz, macht Selfies mit Kay One oder Kool Savas und posiert mit Momo Abou Chaker aus dem berüchtigten Abou-Chaker-Clan. Sebastian Castillo Pinto liebt die Selbstdarstellung, würde sich gerne als einer unter den ganz Großen sehen. Ein Angeber.

Das stellte Pinto auch am Montag vor Gericht unter Beweis. Der 33-Jährige ist einer der beiden Männer, die auf dem Sexvideo mit Gina-Lisa Lohfink zu sehen sind. 2012 wurde er vom Vorwurf der Vergewaltigung gegen das Model freigesprochen. Jetzt soll er im Prozess gegen Lohfink aussagen. Ein wichtiger, aber auch ein fragwürdiger Zeuge.

Pinto war seit Monaten nicht auffindbar

Monatelang war Pinto für die Berliner Justiz nicht auffindbar. Vorladungen konnten ihm nicht zugestellt werden. Sein ehemaliger Arbeitgeber, ein Berliner Club, in dem er als Gästebetreuer arbeitete und auch Lohfink kennenlernte, konnte über seinen Verbleib nichts sagen. Dann, in der vergangenen Woche, meldete er sich über die Medien zu Wort.

Im Sat1-Frühstücksfernsehen gab er ein Interview zu den Vorwürfen von Gina-Lisa Lohfink. Die behauptete, er und ein anderer Mann hätten ihr K.o.-Tropfen verabreicht und sie anschließend zum Sex in seiner Wohnung gezwungen. Den Beweis dafür sollte ein von ihm gedrehtes Sexvideo liefern, in dem Lohfink mehrfach den Satz "Hör auf" wiederholt.

Castillo Pinto

Von der Staatsanwaltschaft nicht auffindbar: Auf Facebook postete Castillo Pinto fleißig Fotos.

Pintos Version dieser Geschichte ist eine andere. Vor vier Jahren, als er wegen Vergewaltigung angeklagt war, hatte er zu den Vorwürfen geschwiegen. Jetzt, im Prozess gegen Lohfink wegen falscher Verdächtigung, wiederholt er das, was er in der vergangenen Woche bereits im Fernsehen gesagt hat.

Lohfink sei freiwillig mitgekommen. "Es waren keine Drogen im Spiel und es hat auch keine Vergewaltigung gegeben", sagte er. Das "Hör auf" habe sich nicht auf den Sex bezogen, sondern auf das Video. Angeblich habe Lohfink nicht gewollt, dass er so nah mit der Kamera herankomme. "Es ging von vornherein darum, Spaß zu haben. Wir hatten zu dritt Spaß", sagt er.

Gina-Lisa Lohfink verlässt den Saal

Pinto wirkt bei seiner Aussage vor Gericht fahrig und aufgekratzt. Er sitzt mit einem türkisfarbenen Hemd, unter dem seine Tätowierungen hervor luken, im Zeugenstand. Der Berliner trägt ein riesiges Kreuztattoo auf der Brust, darüber steht "Get rich or die tryin" - werde reich oder sterbe beim Versuch dabei. Das passt zu einem Mann, der offenbar unter Minderwertigkeitskomplexen leidet.

Als Pinto in den Zeugenstand kommt, hat Gina-Lisa Lohfink den Saal bereits verlassen. Am Morgen musste sie sich zusammen mit Richterin, Staatsanwältin und ihren Verteidigern das Video aus der Sexnacht ansehen, verlor völlig die Fassung. Sie weinte und schrie. Die Begegnung mit Pinto will ihr das Gericht nun ersparen.

"Only god can judge me", gibt Pinto auf Facebook als sein Lieblingszitat an. Nur Gott kann mich richten. Das sieht Richterin Antje Ebner anders. Immer wieder wird er von ihr ermahnt, wenn er ungefragt dazwischen redet. Pinto sieht sich selbst als Opfer. Er habe seine Arbeit verloren, bekomme auch keine mehr. Selbstmitleid, ja. Doch Reue, die ist Pintos Aussage kaum erkennbar.


Pinto: "Ich habe mit 500 Frauen geschlafen"

Lohfinks Anwälte haben sich auf diesen Zeugen gut vorbereitet. Burkhard Benecken konfrontiert Pinto mit Äußerungen dreier Frauen. Die beschuldigen ihn verschiedener Gewaltakte, darunter eine Vergewaltigung. "Ich habe mit 500 Frauen geschlafen, und sie bringen die drei hier an, die sich beschwert haben", kontert Pinto in Berliner Dialekt. Schnoddrig. Wüst. Respektlos.

Benecken versucht, Pinto als möglichst unglaubwürdig darzustellen. Durch seine fahrige und ungeschickte Art macht er es ihm einfach. Auf Nachfrage muss Pinto einräumen, schon einmal gemeinsam mit Pardis F. - dem anderen Mann aus dem Video - mit zwei anderen Frauen Sex gehabt zu haben. Auch mit Drogen bringen ihn Lohfinks Anwälte in Verbindung. Geschickt schlagen sie einen Drogentest vor, den der Zeuge verweigert.

Pinto muss sich vor Gericht nicht selbst belasten. Das weiß er. Einen Gefallen hat sich der Vater einer Tochter, der seit dem vergangenen Jahr verlobt ist, mit seiner Aussage trotzdem nicht getan. Er wird dem Gericht als der fragwürdige Herr Pinto in Erinnerung bleiben.