HOME

Gloria von Thurn und Taxis: Fürstin mit vielen Facetten wird 50

Einst war sie die Punkerin des Hochadels, dann die knallharte Saniererin des Wirtschaftsimperiums, inzwischen macht sie meist mit ihrer katholischen Frömmigkeit Schlagzeilen: Gloria von Thurn und Taxis ist in den vergangenen Jahrzehnten in die verschiedensten Rollen geschlüpft.

Einst war sie die Punkerin des Hochadels, dann die knallharte Saniererin des angeschlagenen fürstlichen Wirtschaftsimperiums, inzwischen macht sie meist mit ihrer katholischen Frömmigkeit Schlagzeilen: Gloria von Thurn und Taxis ist in den vergangenen Jahrzehnten in die verschiedensten Rollen geschlüpft, nicht nur als Nebendarstellerin bei den jährlichen Schlossfestspielen in Regensburg. Am kommenden Dienstag (23. Februar) feiert die dreifache Mutter ihren 50. Geburtstag.

Die schillernde Adelige wurde als Mariae Gloria Ferdinanda Joachima Gräfin von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg in Stuttgart geboren. Bekannt wurde sie als Frau von Johannes von Thurn und Taxis. Durch die Ehe mit dem 34 Jahre älteren Erbprinzen, den sie in einem Münchner Café kennengelernt hatte, war Gloria in den 1980er Jahren mit ihrer extravaganten Garderobe ein gern gesehener Gast in Fernsehshows. Als schrilles, etwas verrücktes Glamour-Girl aus Bayern wurde sie schnell zum Medienstar, ihr damaliger Auftritt mit gewagter Punkfrisur beim ZDF-Straßenfeger "Wetten, dass..?" wurde legendär.

Doch im Jahr 1990 wandelte sich das öffentliche Bild der Fürstin. Denn nur zehn Jahre nach der Hochzeit starb ihr Mann. Aus der Party- Queen wurde so fast über Nacht eine alleinerziehende Mutter dreier Kinder. Daneben wurde nach dem Tod des Familienoberhaupts auch deutlich, dass die Thurn-und-Taxis-Unternehmensgruppe weit weniger solide dastand als angenommen. So musste die junge Witwe als Managerin das angeschlagene Imperium retten.

In der Folge konzentrierte sich das Haus wieder stärker auf die traditionellen Bereiche Forst und Immobilien, die Privatbank und das Brauhaus wurden verkauft. Zudem wurde wertvolle Kunst bei mehreren Versteigerungen zu Geld gemacht. Einen ungewöhnlichen Weg ging Gloria auch, als das finanziell klamme Fürstenhaus noch Erbschaftssteuern in zweistelliger Millionenhöhe zahlen musste. Bayern bekam anstelle von Barem den 2200 Stücke umfassenden Hofschatz im damaligen Wert von 45 Millionen Mark. Der Freistaat gründete später mit der Sammlung ein eigenes Museum im Regensburger Fürstenschloss St. Emmeram.

Das Stammhaus, mit rund 500 Räumen größer als der Buckingham Palast in London, wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten von Gloria auch immer weiter für die Öffentlichkeit geöffnet. Teilweise wurde die noble Immobilie vermietet, zudem finden in dem einst streng abgeschotteten Komplex häufig Veranstaltungen wie Gartenmessen oder Weihnachtsmärkte statt. Allein das Festival im Schlosshof, bei dem Weltstars wie José Carreras oder Liza Minnelli auftreten, lockt jeden Sommer rund 30 000 Besucher an. Gloria selbst sitzt dann oft im festlichen Dirndl in der ersten Reihe, manchmal übernimmt sie bei den Theaterinszenierungen kleine Rollen auf der Bühne.

Nachdem ihre Kinder, Stammhalter Albert (26) und die Töchter Theresia (29) und Elisabeth (27), längst erwachsen sind, lässt Gloria inzwischen kaum eine Gelegenheit aus, mit ihren konservativen Ansichten für die katholische Kirche zu werben. Mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sie sogar ein Buch zu dem Thema verfasst. Wenn Gloria für ihre Kirche wirbt, passiert das allerdings meist mit recht einfachen Rezepten. Das klingt dann mitunter so: "Der Papst und die Bischöfe sind die Garanten unseres Glaubens."

Dabei hat Gloria die Erfahrung gemacht, dass es ein Bumerang werden kann, wenn man bei komplexen Problemen wie Aids allzu simple Antworten parat hat. So brach 2001 nach Äußerungen über die angebliche Vorliebe dunkelhäutiger Menschen für das "Schnackseln" (Sex haben) ein Sturm der Entrüstung über sie herein. In einer TV- Sendung hatte sie gesagt: "In Afrika sterben die Leute an Aids, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne." Etliche Prominente kritisierten Gloria für diese Sätze und die Münchner "Abendzeitung" titelte gar: "Mit Verlaub, Fürstin, sie reden Blödsinn!"

Ulf Vogler, DPA / DPA