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Herzogin von Cambridge "Fast übermenschlich": Kates Selbstbeherrschung überdeckt ihre wahre Persönlichkeit

Herzogin Kate
Herzogin Kate hat geschafft, wovon viele träumen: Sie hat ihren Märchenprinzen geheiratet. Doch dafür kann sie nicht so sein, wie sie wirklich ist
© Daniel Leal-Olivas/Zuma Press / Imago Images
Von der bürgerlichen Tochter eines Piloten und einer Flugbegleiterin zur gefeierten Herzogin und künftigen Königin – Herzogin Kate lebt den Traum vieler Mädchen. Doch der Preis ist hoch: Ihre Persönlichkeit zeigt sie nicht.

Wie tickt die Herzogin von Cambridge? Diese Frage zu beantworten, ist heutzutage quasi unmöglich. Denn Ende Oktober 2010, als Prinz William vor ihr auf die Knie ging, hatte Kate Middleton eine Entscheidung getroffen: sich niemals wirklich zu offenbaren. Stattdessen sieht die Öffentlichkeit seit ihrem ersten offiziellen Auftritt ein Image.

Ein wenig schüchtern lächelt Kate, als sie am 16. November 2010 vor die Kameras tritt. Ihre Augen umrandet dicker schwarzer Eyeliner, ihre Haare sind wellig frisiert. Das Kleid von Issa erlangt Ikonenstatus, ist innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Öffentlichkeit "kennt" die Millionärstochter seit acht Jahren als Freundin von Prinz William. Zum ersten Mal hört sie nun ihre Stimme. Etwas zittrig, leise, mit vielen Denkpausen. Immer wieder sieht Middleton zu ihrem Verlobten. Sie will offenbar nichts Falsches sagen oder tun. Dieser Eindruck setzt sich im Interview mit dem ITN-Reporter Tom Bradby, einem Vertrauten des Prinzen, fort. 

Kate Middleton wird von der britischen Presse verfolgt und verspottet

Ihre Vorsicht ist berechtigt. Denn die britische Boulevardpresse ist bekannt für ihre scharfe Zunge. Kolumnisten der großen Tageszeitungen scheuen sich nicht vor degradierenden Kommentierungen. Herzogin Meghan und Prinz Harry werden Jahre später erzählen, wie sehr sie darunter gelitten haben. Aber auch Kate muss vieles über sich ergehen lassen. In den acht Jahren ihrer Beziehung wird sie "Waity Katy" getauft. Sie wird angeprangert, weil sie nach ihrem Studium in St. Andrews, wo sie William kennenlernte, keine Karriere macht. Stattdessen übernimmt sie eine Teilzeit-Stelle bei dem Mode-Brand Jigsaw, drei Tage die Woche aus einem guten Grund: William. Ihre damalige Chefin erklärt 2008 in einem Interview mit der Zeitung "Standard": "Sie wollte wirklich einen Job, aber sie brauchte Flexibilität, um die Beziehung mit einem sehr exklusiven Mann und ein Leben, das sie nicht bestimmen kann, fortzuführen. Ihr wird gesagt, wann sie gebraucht wird und wann nicht."

Herzogin Kate
An ihrem 25. Geburtstag im Jahr 2007 wird Kate Middleton von Fotografen belagert. Sie rechnen damit, dass Prinz William um ihre Hand anhalten wird
© Andy Grosvenor/Landmark Media/ / Picture Alliance

Nicht nur bittere Spitznamen verfolgen die junge Frau, auch Paparazzi. Ob sie morgens zur Arbeit fährt oder abends einen Club besucht – die Fotografen warten schon auf sie. Die Bilder erinnern stark an die ebenso verfolgte Prinzessin Diana in den 90er Jahren. Kate wirkt schutzlos. Und gleichzeitig stark. Sie schreit nicht. Sie weint nicht. Sie diskutiert nicht. Kopf runter und durch das Blitzlichtgewitter. ARD-Adelsexpertin Leontine Gräfin von Schmettow rechnet Kate diese Leidensfähigkeit hoch an: "Kate hat eine von vielen Menschen unterschätzte innere Stärke. Sie hat bewiesen, dass sie viel ertragen und aussitzen kann. Das haben manche vergessen, weil sie mittlerweile so hochgejubelt wird."

Mit nackter Haut verzauberte Kate Prinz William

Während viele Royal-Fans, Schmettow inklusive, Kate zu Beginn ihrer Ehe als langweilig und dröge empfinden, gibt es Hinweise, wie die Herzogin wirklich tickt. Die größte Abweichung von der heutigen Persona ist wohl ihr Auftritt bei einer Modenschau an der Uni. Die schöne Brünette trägt ein fast komplett durchsichtiges Seidenkleid und stolziert darin über die Bühne. Zu diesem Zeitpunkt sind Prinz William und sie noch kein Paar. Die Legende lautet, dass er seine gute Freundin danach in einem anderen Licht gesehen habe.

Ihre sexy Seite kehrt sie auch dann nach außen, als sie und der Prinz sich 2007 für ein paar Wochen trennen. Denn Kate sitzt nicht etwa weinend zu Hause. Sie schnappt sich Schwester Pippa und ihre Freundinnen und geht feiern. 

Kate Middleton 2007
Während ihrer Trennung von Prinz William zeigt sich Kate Middleton regelmäßig in der Öffentlichkeit. Die Botschaft ist klar: Mir geht es gut
© Zuma Press / Imago Images

Dreieinhalb Jahre später wird sie sich in ihrem Verlobungsinterview an diese Zeit erinnern. Sie sei damals nicht besonders glücklich über die Trennung gewesen, gesteht Kate ein. Aber man werde eben von einer Beziehung stark vereinnahmt, wenn man jünger sei. "Ich schätze diese Zeit – auch wenn ich das damals nicht gedacht habe", sagt sie mit widerwilliger Verwunderung. Dabei sollte vor allem William froh sein, diese Frau an seiner Seite zu haben. Denn für Stefan Blatt, Mitglied der Chefredaktion des Magazins "BUNTE", hat die Bürgerliche den Prinzen gerettet und geheilt. "Sie hat ihm ein geschütztes Umfeld geboten. Nicht nur in ihrer Familie, sondern auch in Bucklebury, ihrer Heimat. Wenn man da mit einem ausländischen Kennzeichen reinfährt, kommt direkt die Polizei und fragt, was man dort will." Nachdem William das Scheitern der Ehe seiner Eltern miterlebt hat, hat ihn die heile Familie der Middletons aufgefangen und gezeigt, was möglich ist. Mit Kate.

Aus dem Partygirl wird die perfekte Prinzessin: Herzogin Kates Verwandlung

Nach der Verlobung und Hochzeit manifestiert Kate ihr Image, das sich einem wichtigen Prinzip unterwirft: immer auf Nummer sicher gehen. Weder in ihren Outfits noch in ihren Aussagen wagt die Herzogin von Cambridge etwas. Selbst ihr Name wird angepasst. Nennt William seine Liebste im Verlobungsinterview noch Kate, heißt sie fortan offiziell "Catherine". Dies ist ihr Geburtsname, den der Palast offenbar royaler findet als die Koseform Kate. 

Und auch sonst wirkt die Herzogin mit jedem Jahr royaler. "Sie ist immer für ein tolles Foto gut, engagiert sich für die richtigen Themen. Sie tritt nie ins Fettnäpfchen", so Adelskenner Stefan Blatt. Er merkt aber auch an, dass Kates Selbstbeherrschung Fragen aufwirft. "Sie hatte noch nie einen Skandal. Harry hat gekifft, William wild gefeiert und sogar bei der Queen gab es schon mal etwas. Kate wirkt da schon fast übermenschlich. Und so weiß man nicht, wie sie in Krisenzeiten reagiert. Bei Meghan hat sie sich rausgehalten, bei Andrew genauso." Er hoffe, dass sich die dreifache Mutter in den kommenden Jahren weiterentwickelt und sich stärker für wichtige Themen einsetzt. "Als Königin muss sie für das Gute, für das sie eintritt, noch ein bisschen mehr Partei ergreifen."

Kate möchte auf gar keinen Fall anecken. Sie hat bei Schwägerin Meghan gesehen, wie die Briten auf eine meinungsstarke, feministische und souverän auftretende Royal-Lady reagieren: nicht gut. Während die Herzogin von Sussex teilweise aktivistisch rüberkam, probiert es Kate vorsichtiger. "Letztes Jahr war Kate inoffiziell bei einer nicht erlaubten Mahnwache für die ermordete Sarah Everard", erinnert sich Leontine von Schmettow. "Dies ist nur ein Beispiel wie die Duchess of Cambridge unaufgeregte Statements setzt – ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. Damit begibt sie sich aber auch auf den schmalen Grat zwischen politischer Parteilosigkeit, die von den Royals erwartet wird,  und politischer Einflussnahme. In dieser Beziehung sehe ich Veränderung in der britischen Monarchie."

Das Königshaus muss in den kommenden Jahrzehnten eine Entwicklung durchmachen, Moderne und Tradition verbinden. Ihr Zugpferd wird Herzogin Kate sein – und das weiß sie. Dass die Institution auf sie setzt und das Volk sie liebt, gibt ihr offenkundig das Selbstbewusstsein, das ihr anfangs fehlte. Heutzutage ist ihre Stimme fester, wenn sie öffentlich spricht. Sie streicht nicht mehr ständig durch ihre Haare bei Auftritten und wirkt weniger nervös. Mit ihrem ausgleichenden Image kann sie eine Königin für alle Briten sein – von den liberalen bis zu den konservativen Bürgern.

Die wichtigste Lektion hat Kate schon gelernt: "Kate hat als Einzelperson keine Bedeutung. Sie hat nur Bedeutung ob der Rolle, die sie durch die Heirat bekommen hat", fasst Leontine von Schmettow zusammen. Und aus diesem Grund ist es schlau gewesen, die private Kate hinter einem öffentlichen Image zu verbergen.


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