Interview Margarethe Schreinemakers "Ich bereue nichts!"


Margarethe Schreinemakers will es noch einmal wissen. Mit einer Call-In-Show hofft die Quoten-Queen der 90er Jahre auf ihr großes TV-Comeback. Im Interview mit stern.de spricht sie über ihre neue Liebe, Schönheitsoperationen und die Nachfolge von Thomas Gottschalk.

Frau Schreinemakers, sind Sie noch die "Heulsuse" von früher?

Ich bin ein entspannter und sehr fröhlicher Mensch. Wem es Spaß macht, der kann mich auch gerne "Heulsuse" nennen. Für das TV-Geschäft braucht man dicke Nerven. Die hat der liebe Gott mir reichlich geschenkt.

Sex, Sozialdramen, Schicksale - das sind wie eh und je die Themen ihrer neuen Show. Haben Sie denn nicht langsam die Schnauze voll vom Leid anderer?

Was heißt denn hier Leid? Das ist immer so die Schublade, in die ich gesteckt werde. Es war ja nicht alles nur Boulevard, was wir gemacht haben. Wir hatten früher das erste Interview nach der Präsidentschaftswahl mit Nelson Mandela. Das will keiner mehr wissen. Hatten wir aber. Wir haben BSE aufgedeckt. Und Bluter und Aids. Da hat noch jeder gesagt, das wäre nur Panikmache für Quote. Aber es war BSE! Also wir haben auch sehr viel investigativen Journalismus gemacht. Wir hatten natürlich auch bizarre Themen. Das war Schreinemakers - eine Wundertüte. Und wenn das alles nur schlecht gewesen wäre, dann hätte die Sendung ja wohl kaum so einen großen Erfolg gehabt.

Also bleiben Sie auch bei Ihrer neuen Sendung bei diesen Themen?

Letztendlich wird das das Publikum entscheiden. Die geben vor, was sie bewegt, worüber wir reden. Es hat sich viel geändert in letzter Zeit. Es geht heute viel mehr um Existenz und Sorgen, die damit verbunden sind. Die Rente rangiert bei den Ängsten der Deutschen inzwischen auf Platz zwei. Ich will nicht das Elend zeigen. Das machen andere, wie der Schuldenberater Peter Zwegat bei RTL. Ich will vielmehr fragen: Wie vermeide ich das? Ein anderes Thema sind Scheidungen. Die Deutschen lassen sich immer mehr scheiden. Ich weiß, wovon ich rede, und auch, was man besser nicht tun sollte.

Sie wurden zweimal geschieden. Jetzt sind Sie wieder frisch verliebt...

Ich habe keinen Mann gesucht. Nicht gesucht heißt, ich brauchte einfach nicht unbedingt einen. Ich glaube, das ist immer der beste Weg, einen Mann zu finden.

In Ihrer neuen Sendung wird es auch eine Video-Singlebörse geben. Hätten Sie bei so etwas auch mitgemacht, wenn Sie ihren Jean-Marie jetzt nicht kennen gelernt hätten?

Wenn ich nicht so bekannt wäre, hätte ich auch so ein Ding gemacht, klar. Gerade bei meinen Lebensumständen: Ich bin 49, habe zwei Kinder, bin mehr oder weniger ans Haus gebunden... Ich hätte es versucht. Mal gucken was kommt. Warum nicht? Ich finde das total reizvoll und spannend.

Ihr neues Projekt haben Sie drei Jahre lang gemeinsam entwickelt. Wie funktioniert es, mit der neuen Liebe zusammenzuarbeiten?

Gibt es ein Geheimrezept? Ich glaube nicht. Auch Wochenendbeziehungen können schiefgehen. Es kann an vielem scheitern.

Aber wer hat denn bei Ihnen im Job die Hosen an?

Jeder in seinem Bereich. Aber dass die Seite final meinen Namen trägt, sagt ja schon viel aus, oder? Da steckt meine Idee dahinter.

Fällt es Ihnen leicht Privates und Berufliches zu trennen oder besprechen Sie berufliche Dinge auch sonntags beim frühstücken?

Ich habe auch früher schon immer sehr viel mit meinem Ex-Mann über meinen Job geredet. Ich denke, das kann man so nicht trennen. Wenn der Partner Probleme im Job hat, dann redet man darüber. Im Job verbringen wir die meiste Zeit. Natürlich nimmt fast jeder etwas davon mit nach Hause. Das muss verarbeitet werden. Und ich bin Job. Ich lebe es, das ist ein Teil von mir. Ich fand es schon immer super, dass ich mit 14 wusste, was ich werden will. Das ist ein Geschenk. Ich wusste, ich möchte Journalistin werden.

Ihre neue Liebe ist zwölf Jahre jünger. Nervt es Sie, darauf angesprochen zu werden?

Es nervt, dass Männer auch oft erheblich jüngere Frauen haben und keinen kümmert's. Wenn ich im Trend der Männer wäre, müsste ich ja jetzt einen 19-Jährigen haben. Ich habe früher auch oft gehört: "Wie schaffen Sie es, Karriere mit Kindern zu verbinden?" Thomas Gottschalk hat auch zwei Söhne. Und der ist so etwas niemals gefragt worden!

Sie werden im Sommer 50. Lassen Sie sich vom Jugendwahn anstecken?

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir nicht auch schon einmal so ein paar Gedanken gemacht hätte. Ich habe aber noch kein überzeugendes Gesicht gefunden. Das heißt, ich habe kein Facelift oder Botoxgesicht gesehen, das mir gefallen hätte. Und diese aufgeblasenen Silikonlippen finde ich ganz furchtbar. Am allerschlimmsten ist aber alles zusammen - Facelift, Botox und die dicken Lippen. Bisher ist das kein Thema für mich. Aber wenn es einer richtig gut kann, dann würde ich es eventuell später mal machen. Und sofort alle anrufen und sagen, wer der Wunderknabe ist. Sofort. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch irrsinnig viele Männer, die das alles hässlich finden. Darum frage ich mich, warum entwickeln wir Frauen uns in eine Richtung, die gar nicht notwendig wäre? Männer finden diese aufgespritzten Lippen schrecklich. Und diese langen, eckigen Fingernägel. Warum tun wir das also?

Vielleicht aus dem gleichen Grund, weshalb sich unsere Bundeskanzlerin kürzlich das "Busen-Kleid" gewagt hat...

Das fand ich übrigens super! Zumal es sich hier um einen mittlerweile sehr seltenen Fall handelte, in dem sich Dekolletee und Geist auf wunderbare Weise trafen. Ich finde die richtig toll. Und sie macht alles zu einer Zeit, in der man es am wenigsten erwartet. Die Frau ist überhaupt nicht kalkulierbar. Das finde ich noch besser. Und wir können ja nicht sagen, dass wir früher Kanzlermodelle hatten, die überragend schön waren. Also die sind nie diskutiert worden. Angie ist der Hammer! Ich finde, wie sie es macht, ist sehr klug. Ich möchte sie nicht zum Gegner haben.

Die öffentliche Rechtfertigung nach ihrem Steuerskandal, der Wechsel zu RTL, die Diät-Sendung bei RTL2... Bereuen Sie irgendwas in Ihrer Karriere?

Nö, überhaupt nicht. Ich bereue nichts! Ich bin nicht der Typ, der sich hinterher hinsetzt und sagt: 'Ach hättest du doch...' Kein Konjunktiv. Es gibt immer nur das Jetzt. Und das gilt für alle Bereiche. Das Leben ist Schicksal. Aus Fehlern lernen ist das eine, aber Jammern, nein danke.

Damals sagten viele, die Steueraffäre hätte Ihren Ruf zerstört...

Fakt ist, dass das Verfahren nach eineinhalb Jahren eingestellt wurde und ich Geld vom deutschen Staat zurückbekam. Aber das war keinem mehr eine Zeile wert. Die andere Geschichte war einfach die schönere. Schade ist, dass im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens immer so getan wird, als wäre bereits ein Urteil gesprochen.

Was würden Sie Kollegin Verona Pooth in Sachen Steuern raten: Klappe halten oder sich verteidigen?

Ich kann mich am Leid Dritter nicht delektieren. Ich kann mir auch nicht anmaßen, etwas dazu zu sagen. Ich bin weder die Stadtsparkasse Düsseldorf noch heiße ich Franjo oder Verona. Ich weiß, dass es extrem schwere Zeiten sind. Auf die, die Erfolg haben, wird mit großer Leidenschaft draufgekloppt. In meinem Fall war es sehr schade. Ich hatte damals hundert wundervolle Kollegen, die alle ihren Job verloren haben. Das war richtig blöde.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, in einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen. Würden Sie einsteigen?

Wenn ich die Garantie hätte, wieder zurückzukommen? Oh ja! Ich würde gerne noch einmal mit diesen wunderbaren Eltern, die ich hatte, klein sein. Für einen Moment noch mal einen Papa und eine Mama haben. Ich hatte eine wunderbare Kindheit. Als meine Mutter vor drei Jahren starb wurde mir klar: Da ist jetzt keiner mehr. Das war ein schwerer Moment. Da starb meine Kindheit.

Wenn Sie "Schreinemakers live" noch einmal genauso machen könnten wie früher. Würden Sie es tun?

Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Zu seiner Zeit war das super, ich habe viele Preise gewonnen. Jetzt habe ich mich aber weiterentwickelt und es geht woanders weiter. Und das finde ich super spannend. Wir werden bestimmt die alten Folgen mal wiederholen: Ich war hochschwanger und habe Robbie Williams interviewt. Da war er 23, mit dicken Pausbacken, und hatte gerade Take That verlassen. Es gab so viele tolle Momente. Aber das war mal. Jetzt ist für mich der Punkt zu fragen: Wer ist auf der anderen Seite? Nicht der tausendste Aufguss von XY. Jetzt kommt für mich was völlig Neues. Ich forme die legendäre Schlagzeile "Du bist Papst" für meine Show um und sage "Du bist Fernsehen". Jetzt sollen die Zuschauer Fernsehen machen. Die Zeit ist reif.

Wenn Sie gefragt werden würden, würden Sie die Nachfolge von Thomas Gottschalk antreten?

(lacht) Niiieeemals. Ich glaube nicht, dass ich jemandem beim ZDF einfallen würde. Vor allem jetzt, wo die Öffentlich-Rechtlichen diese starke Verjüngungsgeschichte durchziehen - im Auftrag der Gebührenzahler. Von Bruce bis... - mit welchem Ziel auch immer. Die haben ja alle Moderatoren, die etwas älter waren, mit der Zeit entsorgt. Ich werde niemals gefragt! Da kann ich sie beruhigen.

Interview: Katharina Miklis

"Schreinemakers 01805 - 100 232" auf www.schreinemakers.de und ab dem 25. April jeden Freitag um 18.45 Uhr nei NeunTV


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