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Tuberkulose bei Rindern Wie gefährlich ist die Tierseuche?


Die Rindertuberkulose tritt in Deutschland wieder vermehrt auf. Mit den Bakterien können sich auch Menschen infizieren. Welche Gefahr von der Tierseuche ausgeht und was Verbraucher wissen müssen.
Von Lea Wolz

Seit 1997 gilt Deutschland als "amtlich frei von Rindertuberkulose". Tatsächlich war die Tierseuche nie vollständig ausgerottet: Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge trat die Infektion in den vergangenen Jahren bundesweit bereits vereinzelt bei Tieren auf. Aktuell wird TBC wieder vermehrt bei Rindern nachgewiesen, zuerst im Allgäu, nun auch in Niedersachen.

Wer von den aktuellen Fällen liest, denkt schnell an BSE. Doch wie gefährlich ist die Tierseuche TBC? Und sollte man auf Käse, Milch und Rindfleisch besser verzichten? Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist Rindertuberkulose?

Tuberkulose, früher auch als Schwindsucht bezeichnet, ist eine von bestimmten Bakterien - sogenannten Mykobakterien - ausgelöste Infektionskrankheit, die bei Mensch und Tier auftreten kann. Die Erreger befallen vor allem die Lunge, aber auch andere Organe wie etwa der Darm können betroffen sein. Rindertuberkulose ist eine Tierseuche, die gemeldet werden muss. Die Krankheit wurde jahrelang bekämpft, seit 1997 gelten die Rinderbestände in Deutschland als amtlich frei von Tuberkulose.

Wie werden die Erreger auf die Rinder übertragen?

Die Bakterien werden am häufigsten über eine Tröpfcheninfektion übertragen - etwa durch Niesen, durch Atemluft oder über Staub. Dem BfR zufolge ist es aber auch möglich, die Erreger über Futtermittel, Blut und andere Körperflüssigkeiten sowie über Wund- und Schmierinfektionen weiterzugeben. Auch Wildtiere wie Rothirsche oder Wildschweine können ein Reservoir für die Bakterien sein und diese auf Nutztiere übertragen.

Können sich Menschen mit den Erregern infizieren?

Ja. Die beiden Erreger, die für Rindertuberkulose verantwortlich sind (Mycobacterium bovis und Mycobacterium caprae), können auf den Menschen übertragen werden. Umgekehrt können sich auch Tiere mit dem Erreger anstecken, der bei Menschen Tuberkulose auslöst (Mycobacterium tuberculosis). Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Gefährdet sind vor allem Kinder und ältere Menschen sowie solche, deren Immunsystem geschwächt ist. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit rät, bei Verdacht auf Kontakt mit erkrankten Menschen und Tieren einen Arzt aufzusuchen.

Was sind typische Symptome?

Erkrankte Tiere sind geschwächt, magern ab, ihre Leistung lässt nach. "Milchkühe geben zum Beispiel weniger Milch", sagt eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Insituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit. Eine schwerfällige Atmung und ein hartnäckiger Husten sind ebenfalls typische Anzeichen dafür, dass sich Tiere mit TBC angesteckt haben. Häufig verläuft die Krankheit bei Rindern allerdings über lange Zeit ohne äußere Anzeichen. Dass die Tiere sich infiziert haben, wird daher meist erst bei der Fleischkontrolle festgestellt.

Beim Menschen zeigt sich eine Tuberkuloseerkrankung am häufigsten durch einen lang anhaltenden Husten. Aber auch unspezifische Symptome wie leichtes Fieber, Schwitzen in der Nacht, Abgeschlagenheit und eine Gewichtsabnahme können auf eine Infektion hindeuten. Mit Medikamenten ist die Krankheit in den meisten Fällen gut zu behandeln.

Auf was sollten Verbraucher beim Verzehr von Fleisch, Käse und Milch achten?

Milch aus infizierten Rinderbeständen kann mit den Bakterien belastet sein. Wird die Milch hitzebehandelt, werden die Erreger allerdings abgetötet. Für den Menschen besteht dann keine Gesundheitsgefahr mehr, schreibt das BfR. Auch andere Milchprodukte, die aus pasteurisierter Milch hergestellt werden, sind unbedenklich. Bei Rohmilch sollten Verbraucher vorsichtig sein und diese vor dem Verzehr abkochen.

Bei

Rohmilchkäse

ist ebenfalls Vorsicht geboten. Allerdings komme es auf die Käsesorte und die Herstellung an, schreibt das BfR: Bei Rohmilchweichkäse oder Frischkäse sei damit zu rechnen, dass die Bakterien länger überleben als bei Schnitt- oder Hartkäse. Je länger die Reifungsdauer und je höher der Abtrocknungsgrad, desto unwahrscheinlicher sei es, dass sich noch Bakterien im Käse finden. Den Verzehr von Rohmilchhartkäse wie Emmentaler oder Bergkäse, der aus verunreinigter Milch hergestellt wurde, sei daher besonders bei einer langen Reifezeit gering.

Gefährlich kann der Verzehr von rohem

Rindfleisch

- etwa als Rindertartar, Carpaccio oder als blutiges Steak - sein, da die Bakterien so übertragen werden können. Das BfR rät daher, das Fleisch bei einer Kerntemperatur von mindestens 70 Grad Celsius für mindestens zwei Minuten zu garen.

"Infiziertes Fleisch gelangt in Deutschland aber in der Regel nicht in die Verbraucherkette", sagt die FLI-Sprecherin. Befallene Tiere würden gekeult, bei den restlichen werden Intensivtests durchgeführt, um die Gesundheit zu belegen. Zudem würde das Fleisch dieser Tiere auf dem Schlachthof noch einmal getestet.

Eine Tierseuche bei Rindern, das ruft Erinnerungen an BSE wach. Was ist der Unterschied?

"BSE ist eine ganz andere Erkrankung", sagt die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts. BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) brauche lange, um sich im Tier zu entwickeln. Zwischen der Infektion und dem ersten Auftreten von Symptomen liegen meist mehrere Jahre. Ist die Erkrankung ausgebrochen, führt sie innerhalb weniger Wochen zum Tod der Rinder. Auch die vermutlich durch verseuchtes Fleisch ausgelöste neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen ist nicht heilbar. TBC-Erkrankungen lassen sich hingegen mit gängigen Medikamenten gut behandeln.


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