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Marcel Remus Luxusmakler erklärt: Darum ist die Lagerfeld-Villa ein Problemfall

Karl Lagerfelds ehemalige Villa in Hamburg
Dorische Säulen, parkähnlicher Garten: 1997 feierte Karl Lagerfeld in seiner "Villa Jako" die Einführung seines gleichnamigen Parfüms
© Kay Nietfeld/ / Picture Alliance
Beste Lage in Blankenese, exklusive Ausstattung und prominenter Vorbesitzer: Trotzdem gilt die Lagerfeld-Villa in Hamburg als Problemimmobilie. Makler Marcel Remus erklärt, warum einige Häuser unverkäuflich sind, was er anders machen würde und warum es sich lohnt, Krisen auszusitzen.

Herr Remus, gibt es Häuser, die fantastisch aussehen, sich aber doch als unverkäuflich erweisen?

Die gibt es definitiv. Die tollste Architektur und die beste Ausstattung nützen nichts, wenn beim Käufer während der Besichtigung der Funke nicht überspringt.

Woran liegt das?

Das lässt sich oftmals gar nicht genau erklären. Viele Käufer haben sehr genaue Vorstellungen von Lage, Qualität, Design und Preis-Leistungs-Verhältnis. Entspricht schon eines der Kriterien nicht den Erwartungen, fällt das Objekt raus. Das wichtigste ist und bleibt aber das Bauchgefühl! Wenn das beim Kunden nicht stimmt, kann das Haus noch so schön sein, dann hat man als Makler keine Chance.

Auch die ehemalige Villa von Karl Lagerfeld in Hamburg gilt als Problemfall. Wieso?  

Ich persönlich glaube, dass die Einrichtung beziehungsweise die Stilrichtung der Villa einfach zu schwer und zu pompös ist. Früher galt: Mehr ist mehr. Heute wollen viele Interessenten bei Architektur und im Innendesign mehr Understatement. Der römische Baustil der Lagerfeld-Villa mit Rundbogenfenstern und Blattgold-Kassetten-Decke entspricht nicht dem Zeitgeist. Die Kunden lieben es eben auch praktisch. Stellen Sie sich vor, Sie müssen ein vier Meter hohes Fenster putzen. Gefragt sind moderne Häuser, meistens im Bauhausstil, die aber von innen trotzdem gemütlich sind.

Würden Sie die Lagerfeld-Villa dennoch in Ihr Portfolio aufnehmen?

Ja, ich liebe Herausforderungen. Und die Lage in Blankenese ist unglaublich gut und extrem gefragt.

Was würden Sie anders machen?

Seit Jahren ist meine Firmenphilosophie: alles anders als alle anderen - meine fünf A. Ich glaube, dass die Lagerfeld-Villa ein Liebhaberobjekt ist. Man muss nur der richtigen finden, der das Haus sieht und sich sofort verliebt. Es braucht also mehr Besichtigungen durch eine besondere Art und Weise der Vermarktung. Genau darin liegt die Kunst des Verkaufens als Immobilienmakler.

Sie arbeiten auf Mallorca. Wie hat sich die Lage dort seit Corona entwickelt?

Besichtigungstermine waren während der Ausgangssperre schwierig. Aber es gibt viele Investoren, die ihr Geld statt an der Börse lieber auf Mallorca anlegen wollen. In Betongold sozusagen. Die Auftragslage ist also trotz Corona gut.

Einen Einbruch der Immobilienpreise befürchten Sie nicht?

Ganz im Gegenteil: Die Nachfrage ist in den vergangenen Wochen extrem gestiegen. Verkäufer im gehobenen Segment haben bestimmte Preisvorstellungen. Wenn sie die nicht erzielen können, warten sie lieber ab. Luxuskunden sitzen die Coronakrise einfach aus, das hat sich auch in der Finanzkrise 2008/2009 schon gezeigt. Deshalb bleiben Luxusimmobilien auf Mallorca im Wert immer stabil. Ein bisschen anders sieht es bei Wohnungen aus. Da werden die Preise sicherlich etwas zurückgehen. Doch ich sehe dem Herbst entspannt entgegen.


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