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Leah Reminis Buch über Scientology: "Ich wurde bestraft für Dinge, die mir normal und harmlos erschienen"

US-Schauspielerin Leah Remini verließ nach 30 Jahren Mitgliedschaft die Sekte Scientology. In ihrem Buch "Troublemaker", das jetzt auf Deutsch erscheint, beschreibt sie die Jahre voller Unterdrückung und Bevormundung.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Scientology-Sekte: Das bizarre Geschäft mit den Stars

Das Enthüllungsbuch "Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte" der Schauspielerin Leah Remini schaffte es nach seiner Veröffentlichung im November 2015 in den USA sofort in die Bestsellerlisten. Das Thema Scientology wird nach vielen Jahren der Ignoranz nun auch in Amerika kontroverser beleuchtet. Ehemalige Mitglieder wie der Oscar-gekrönte Regisseur Paul Haggis ("Crash") und nun Leah Remini trotzen den Drohungen der Sekte und berichten als Aussteiger von den verschrobenen Philosophien von Scientology. Reminis Enthüllungsbuch ist nun auch auf Deutsch erschienen.

Die vieldiskutierte Dokumentation "Going Clear" gab ebenfalls tiefgreifende Einblicke in die Machenschaften hinter den Kulissen und berichtet von psychischem Missbrauch und einem totalitärem System das auf Einschüchterung, Bedrohung und Bestrafung von ungehorsamen Mitgliedern basiert. All das bestätigt Leah Remini in ihrem Buch - und mehr. Die Schauspielerin, bekannt aus der Serie "King of Queens", beschreibt nicht nur offenherzig die Qualen während ihrer 30-jährigen Mitgliedschaft, sondern auch wie sie noch heute, drei Jahre nach dem Ausstieg, darunter leiden muss, dass sie Scientology öffentlich an den Pranger stellt.

Leah Remini wurde bestraft, weil sie bei der Geburt ihrer Tochter Schmerzmittel bekam

In einem Interview mit dem Sender ABC erklärte Remini die Gründe für ihren Ausstieg bei Scientology. Der Entschluss, gemeinsam mit ihrem Ehemann Angelo Pagán die von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Religionsgemeinschaft zu verlassen, war ein schleichender Prozess. "Ich wurde mehrfach bestraft für Dinge, die mir völlig normal und gänzlich harmlos erschienen", sagt sie. Unter anderem weil sie während der Geburt ihrer Tochter Sofia im Jahr 2004 entgegen den Richtlinien von Scientology Medikamente gegen die Schmerzen einnahm. Und auch, weil sie dem frischverliebten und knutschenden Paar Tom Cruise und Katie Holmes im Spaß eher salopp empfahl, sich in ein Schlafzimmer zurück zu ziehen.

Leah Remini

Leah Remini

"Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte"

mvg Verlag

Hardcover, 280 Seiten

ISBN: 978-3-86882-693-7

19,99 Euro

Überhaupt geriet Remini wegen dem Scientology-Steckenpferd Tom Cruise gleich mehrfach in Schwierigkeiten. Als sie sich darüber beschwerte, dass sie bei der Hochzeit von Cruise und Holmes nicht am gleichen Tisch wie ihre gute Freundin Jennifer Lopez saß, die Remini überhaupt erst im Auftrag von Scientology eingeladen hatte, wurde sie mit den gefürchteten Auditing-Programmen zur Überprüfung des Seelenzustandes bestraft.

Den endgültigen Ausschlag für den Bruch mit der Glaubensgemeinschaft, der die heute 46-jährige Remini seit dem neunten Lebensjahr angehörte, gab jedoch die Einsicht, dass sie viel zu wenig Zeit für die eigene Familie hatte. "Was die Leute oft nicht wissen: Man muss sich jeden Tag, sieben Tage pro Woche, mindestens dreieinhalb Stunden in einer der Kirchen mit den Lehren von Scientology beschäftigen. Als berufstätige Frau merkte ich bald, dass ich gar nicht mitbekam, wie mein eigenes Kind aufwächst. Das brachte mich ins Grübeln," beschreibt Remini den Moment, als sie begann ihren Ausstieg zu planen.

Leah Remini wird noch immer von Scientology überwacht

Die Folgen ihres Entschlusses waren Remini klar: "Ich kenne die Methoden und wusste, wie Aussteiger behandelt werden, die sich öffentlich gegen die Kirche stellen." Sie tat es dennoch. Die Konsequenz: Selbst ehemalige engste Freunde wendeten sich von Remini ab - so will es Scientology in seinen Statuten. Selbst ein Patenkind und deren Scientology-Eltern wollen heute nichts mehr von ihr wissen.

Scientology bezeichnet Reminin als "arme Person, die Aufmerksamkeit sucht" und Schauspielkollegin Kirstie Alley, seit 1979 eingefleischtes Scientology-Mitglied, beschimpft sie in einem Interview als "intolerant" und sieht in ihr "nur noch einen Feind". Noch heute wird Remini von Scientology-Mitarbeitern überwacht, die in verdunkelten Autos vor ihrer Tür stehen. "Der übliche Versuch der Einschüchterung", sagt Remini, die es trotz aller schmerzlichen Erfahrungen keine Sekunde bereute, Scientology den Rücken gekehrt zu haben und ihre Kritik öffentlich zu machen.

Scientology: Diese Promis sind Mitglieder der Sekte
Tom Cruise

Schauspieler Tom Cruise ist der bekannteste prominente Anhänger von Scientology. Der 52-Jährige ist seit 1986 Mitglied und nutzt jede Gelegenheit, um offensiv für die Sekte zu werben.

2008 sorgte ein 2004 enstandenes Video für Wirbel, in dem Cruise Scientology als "Herrscher über den Geist" bezeichnete und von der "Säuberung der Welt" sprach. Scientology versuchte damals die Verbreitung des im Internet aufgetauchten Filmes zu stoppen. Parallel dazu erschien unter dem Titel "Tom Cruise - Der Star und die Scientology-Verschwörung" eine Biografie über den Schauspieler. Verfasser des Buches ist der - nicht unumstrittene - britische Autor Andrew Morton. Er behauptete in dem Buch, Cruise sei der zweite Mann an der Spitze von Scientology, direkt hinter Sektenführer David Miscavige. Der Anwalt des Schauspielers und die Scientology-Organisation wiesen dies zurück. Cruise sei lediglich "Gemeindemitglied".

Zu der nun in den USA ausgestrahlten Dokumentation "Going Clear: Scientology and the Prison of Belief" äußerte sich Cruise bisher nicht.