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London vor der Hochzeit von William und Kate: Stationen einer Liebe

Fans von Will & Kate können die Route ihrer Liebe ablaufen: vom Juwelier des Verlobungsrings bis zur Bar, wo William kurz seine Freiheit feierte.

Von Sophie Albers, London

Sie kommen aus den USA, Australien, Griechenland, Malaysia, Trinidad und Essex. Und sie wollen wissen, wie das angefangen hat, was am Freitag in "Großbritanniens wichtigster Hochzeit seit 30 Jahren" gipfeln wird. Don Savant, ein junger Mann aus Trinidad, ist ungefähr genauso aufgeregt wie Prinz William, während Tourguide Hana milde lächelnd erklärt, dass wir gerade vor dem Geburtshaus von Queen Elizabeth II. stehen. Mittlerweile wurde es durch ein modernes Geschäftsgebäude ersetzt. Aber wie wir auf der Tour lernen werden, ist hier eh vieles anders, als es scheint.

Für Williams berühmte erste Worte "She's hot" (Sie ist sexy) müssen wir uns kurz knappe 750 Kilometer in den Norden denken. Die fielen im schottischen St. Andrews, wo der Prinz Geografie studierte und Kate Kunstgeschichte. Auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung modelte sie in einem Hauch von Nichts und brachte blaues Blut in Wallung. Das von einer Kommilitonin designte Kleid kostete übrigens in der Herstellung 13 Pfund (knapp 15 Euro) und wurde gerade für 17.000 Pfund (19.000 Euro) versteigert, erzählt Hana. Aber zurück in die Hauptstadt und auf die Liebesroute. Und zwar im Zickzack.

Und dann war Schluss...

Was braucht es für eine Verlobung? Einen Ring. Dessen Geschichte ist traurig und rührend zugleich: Der von 14 Diamanten gesäumte blaue Saphir - von Ex-Hofjuwelier Garrard (1843 bis 2007), unter dessen roter Markise wir nun stehen - war der Verlobungsring von Williams Mutter, Lady Diana. Nach deren tragischem Tod 1997 durften die Söhne sich ein Erinnerungsschmuckstück aussuchen: William entschied sich für die Armbanduhr, Harry für den Ring, erzählt Hana. Als William sich verloben wollte, gab Harry ihm den Ring, damit "Mama beim großen Tag mit dabei ist".

Nächster Stopp: Ein Shop der Klamottenkette Jigsaw, wo Kate Middleton Selbständigkeit beweisen wollte, allerdings nicht lange durchhielt, was die Queen nicht sonderlich erfreute. Von November 2006 bis Oktober 2007 assistierte Middleton drei Mal wöchentlich beim Einkauf für Accessoires. Dramatische Anekdote: Im April 2007 trennte sich William von seiner Freundin, angeblich weil er den Druck nicht mehr aushielt - Woolworth produzierte bereits erste Verlobungs-Souvenirs. Daraufhin sei Kate bei der Arbeit weinend zusammengebrochen, erzählt Hana.

Vom Mahiki-Club ins Clarence House

Womit wir bei der Cocktailbar "Mahiki" wären, in der William der Legende nach zuerst auf einen Tisch sprang und ausrief: "Ich bin frei", um dann seinen Kummer zu ertränken. Zu dieser Zeit machte Kate eine deutlich bessere Figur als ihr Ex-Freund. Sie riss sich zusammen und machte ihren Job, während William die königliche Contenance verlor: 11.000 Pfund soll er im "Mahiki" vertrunken haben.

Kates Fassung-Wahren habe schließlich dazu geführt, dass das Paar wieder zusammenkam, so die Spekulation. William - samt hinter ihm stehende, stieläugige Familie - habe erkannt, dass Kate dem Druck an seiner Seite gewachsen ist. Schon ab dem Sommer trafen sie sich wieder - als "beste Freunde" natürlich. 2008 nahm er sie mit zu öffentlichen Anlässen. Und nach zwei Jahren - in denen Middleton sich den Spitznamen "Waity Katy" (Wartende Katy) verdiente - machte William am 10. Oktober 2010 bei einer Wohltätigkeitsreise in Kenia endlich den Antrag. Besagten Saphirring trug er angeblich tagelang im Rucksack mit sich herum.

Wie im Ministry of Silly Walks

Vorbei geht es an Hut- und Schuhmachern, die das Königshaus ausstatten (ein Paar Lobb-Treter kosten rund 2400 Pfund, die Herstellung dauert ein Jahr). Und plötzlich bleibt Hana vor dem weniger imposanten St. James Palace stehen, der bis 1837 Heim der Monarchen war. Hier und nicht wie sonst behauptet im Clarence House hätten William und Harry die meiste Zeit gewohnt. Auch Prinzen wollen ihre Ruhe. Bis 2009, sagt Hana. Mittlerweile würden Kate und William wohl aber doch im Clarence House wohnen, dem Heim von Charles und Camilla, denn der ist einfach näher dran am Alltag der Königsfamilie. Hier wurde auch am 16. November 2010 die Verlobung bekanntgegeben. Der Zeitpunkt, zu dem sich Kate das erste Mal öffentlich äußern durfte.

Während die Wachsoldaten vor Clarence House Monty Pythons Sketch über das Ministry of Silly Walks alle Ehre machen, mutmaßt Hana, welches Ziel die Hochzeitsreise wohl haben könnte. Das ist natürlich geheim, aber Schottland habe gute Chancen, sagt sie. Und wenn William 2013 seinen Dienst als Rettungspilot der Royal Air Force abgeschlossen hat, weshalb er und Kate, wenn sie gerade nicht heiraten, in einem Landhaus auf der Insel Anglesey in Wales leben, könnte das junge Paar in den Kensington Palace ziehen. Der war zuletzt das Heim von Lady Diana.

"Ich bleibe hier!"

Wir passieren die Guards Chapel, einen unscheinbaren, um ehrlich zu sein, hässlichen Bau, in dem William aber angeblich viel lieber geheiratet hätte als im Westminster Abbey. Aber das ist für einen Prinzen eben einfach nicht drin! Dafür aber eine kleine Party am Ende des großen Tages. Wenn von den 1900 Gästen in der Kirche und 300 beim Dinner im Palast nur noch 100 übrig sein sollen. Dann werde es eine Disco geben, verrät Hana. Wer, wann und wo sei aber natürlich ein großes Geheimnis.

Die Tour endet vor dem Westminster Abbey, wo die ersten Camper ihre Plätze sichern. Don Savant aus Trinidad wird immer aufgeregter. Schließlich dreht er sich zu uns um und sagt: "Wisst ihr was, ich bleibe hier!" Sagt es und setzt sich hin.