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Los Angeles vor der Trauerfeier: Die Jackson-Pilger kommen

Los Angeles befindet sich im Ausnahmezustand. Die Gedenkfeier für Michael Jackson lockt voraussichtlich mehr als eine Million Fans in die City. Die Innenstadt ist schon jetzt blockiert, die Polizei in Bereitschaft. Nur 17.500 glückliche Anhänger dürfen im Staples Center direkt dabei sein. Die Angst vor einem Chaos ist groß.

Von Frank Siering, Los Angeles

Barbara Ramirez aus South East Los Angeles konnte ihr Glück kaum fassen. "Ich schaute am Sonntagabend in meine E-Mails, und da war tatsächlich die Bestätigung in der Box."­ Ramirez ist eine von 17.500 Gewinnern, die sich über zwei Tickets für die Trauerfeier von Michael Jackson im Staples Center freuen dürfen. Sie darf bei der letzten Ehrung für den Superstar am heutigen Dienstag live dabei sein. Schon am Montag fuhr sie zusammen mit ihrem Ehemann Ralph zum Dodger Stadium, um dort - nach Vorlage von zwei Identifikationsbelegen - ihre Tickets mitsamt zweier goldglänzender Armbänder abzuholen.

Die Eintrittskarten sind ohne die Armbänder nichts wert. Dabei handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, weil der Handel mit Karten auf dem Schwarzmarkt blüht. Auf den Internet-Auktionsplattformen eBay und Craigslist werden die Tickets längst angeboten. Der aufgerufene Preis liegt bei etwa 2000 US-Dollar.

"Ich muss einfach hier sein"

Zuviel für Dreena Gonzalez. Sie hatte weniger Glück als Barbara Ramirez. Wie 1,6 Millionen andere Jackson-Trauernde, die sich für die kostenlosen Eintrittskarten online registriert hatten, ging auch sie leer aus. Aber das hielt die zweifache Mutter aus Denver im US-Bundesstaat Colorado nicht davon ab, ins Auto zu steigen und die 16-stündige Autofahrt Richtung Kalifornien auf sich zu nehmen. "Ich muss einfach hier sein, wenn Michael ein letztes Mal geehrt wird. Das bin ich ihm schuldig", sagt sie mit Tränen in den Augen, als sie vor einer der riesigen MJ-Gedenktafeln am Staples Center ihre letzte Grußbotschaft an den King of Pop hinterlässt. "You will be forever in my dreams", steht da gekritzelt. "Du wirst ewig in meinen Träumen sein." Nur eine von Tausenden Nachrichten an den Verstorbenen.

Los Angeles hat schon viel erlebt - gewalttätige Ausschreitungen, schwere Erdbeben, die Olympischen Spiele. Doch diese Trauerfeier übertrifft alles bisher Dagewesene. Der Verkehr auf den Freeways 405, 101 und 10 - die Hauptschlagadern, die direkt ins Zentrum von L.A. führen - ebbt dieser Tage auch über Nacht nicht mehr ab. Jackson-Anhänger aus der ganzen Welt überziehen Downtown L.A. wie eine Heuschreckenplage - und das trotz der Warnung der Polizei, dass sie ohne Tickets keine Chance haben, auch nur in die Nähe des Staples Centers zu gelangen. Sie zelten zusammen mit den Obdachlosen auf den Gehwegen, sämtliche Hotelzimmer rund um die von einem Schreibwarenhändler gesponsorte Arena sind ausgebucht. Einige Anwohner haben ihre Schlafzimmer an Jackson-Fans vermietet, um ein paar Dollar zusätzlich zu verdienen.

Chris Malatia ist aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia mit seiner Tochter angereist. Eine Eintrittskarte fürs Staples Center hat auch er nicht. "Das ist mir egal. Wir sind hier, weil dies ein historisches Ereignis ist", sagt der Klempner, der für die viertägige Reise nach Kalifornien sogar einen Verdienstausfall in Kauf nimmt.

Letzte Ruhe auf Prominenten-Friedhof

Auch am Forest Lawn Cemetery, dem Friedhof, auf dem Michael Jackson vor der Trauerfeier in einer privaten Zeremonie beigesetzt wird, herrscht ein Menschenauflauf wie auf dem Jahrmarkt. Sicherheitskräfte blocken den Ansturm ab, so gut es eben geht. Bis zur letzten Minute wird die eigentliche Grabstätte von Jackson geheimgehalten. Der Forest Lawn Friedhof ist für seine strikte Diskretion bekannt. Viele Prominente sind hier begraben - darunter der Stummfilm-Komiker Buster Keaton, Stan Laurel, der mit seinem Partner Oliver Hardy hierzulande als "Dick und Doof" berühmt wurde, oder die Sänger-Legende Sammy Davis Jr. Auch Michael Jacksons geliebte Großmutter hat hier ihre letzte Ruhe gefunden. Es wird vermutet, dass der "King of Pop" in der Nähe seiner Oma begraben wird - unter einer der für den Friedhof charakteristischen schlichten Grabplatten, die hier große Grabsteine ersetzen.

Die Beerdigungszeremonie ist für acht Uhr morgens Ortszeit (17 Uhr MESZ) angesetzt. Zwei Stunden später soll im Staples Center eine ganze Riege von Stars das Leben der Poplegende zelebrieren. Stars wie Stevie Wonder, Mariah Carey, Usher, Lionel Richie, Jennifer Hudson und der Basketballspieler Kobe Bryant werden erwartet, um den Superstar noch ein letztes Mal zu würdigen. Mariah Carey wird angeblich "I'll be there" singen, den großen Hit der Jackson Five aus dem Jahr 1970.

Eine der engsten Freundinnen Jacksons aber wird wohl im Staples Center fehlen. Schauspiel-Diva Elizabeth Taylor "twitterte", dass sie an der Veranstaltung nicht teilnehmen werde. Wohl auch deshalb, weil der Schmerz über den Tod Michael Jacksons einfach noch zu tief sitzt, um ihn schon jetzt mit der Welt zu teilen.