Magic Magisches Kartenspiel: Denksport-Weltmeisterschaft in Berlin


In diesen Tagen werden erstmals in Deutschland Magic-Weltmeisterschaften ausgetragen. Fast 400 Teilnehmer aus 59 Ländern spielen bis Sonntag um den Titel.

Die Gesichtszüge sind zum Pokerface erstarrt, Schweißperlen stehen auf der Stirn, jedes Wort ist zu viel. Wenn sich 400 Strategen zum ersten Mal in Deutschland zu ihrer Kartenspiel-Weltmeisterschaft "Magic - The Gathering" in Berlin treffen, ist das kein Sommer-Vergnügen. Es geht um Kampf, Macht, Geld - und vor allem um Denksport. Denn das Fantasy-Kartenspiel aus den USA, das in den vergangenen zehn Jahren auch viele deutsche Schulhöfe erobert hat, ist ein ähnlich kniffeliges Strategiespiel wie Schach. Seine größten Fans sind computerbegeisterte Jungs und ehrgeizige junge Männer.

Studium finanziert sich locker über die Spiele

Der deutsche "Magic"-Meister Kai Budde trägt am ersten Wettkampftag schwarz und starrt angespannt auf seine Karten. Der 23-jährige Wirtschaftsinformatik-Student aus Hamburg führt die internationale Liste der Spieler des Jahres an. Mit seinem Hobby kann er sich locker sein Studium finanzieren. 307.000 Dollar Preisgelder nahm er bisher von Turnieren mit nach Hause, und zum Weltreisenden ist er auch geworden. Sidney, Toronto, Tokio - die ganz wichtigen Wettkämpfe spielen in den Metropolen.

Wenn Kai Budde an diesem Tag überhaupt etwas sagt, dann "3:1". Das bedeutet drei Mal gewonnen, einmal verloren. Das Verlieren war hart für ihn, der Student wirkt angespannt. Seit fünf Jahren fasziniert ihn das "Magic"-Spiel mit seinen Karten voller Fantasy-Figuren, Drachen, Würmern oder Riesen. Beim Ausspielen vernichten sich die Kreaturen gegenseitig und drücken die "Lebenspunkte" ihrer Meister irgendwann auf Null - dann ist das Spiel aus. "Früher hab ich Schach gespielt, das war mir zu statisch. Dieses Spiel verändert sich immer wieder durch neue Karten", schwärmt Budde.

Vor zehn Jahren erdachte US-Spieleautor Richard Garfield die magischen Karten, seitdem haben sie einen Siegeszug um die Welt angetreten. In 52 Ländern wird das Spiel heute verkauft, Russland und China haben es nach Angaben des Hasbro-Spieleverlags bereits als offiziellen Denksport anerkannt. Das Internet schweißt die junge "Magic"-Fangemeinde weltweit zusammen.

Kein Taschengeld-Killer

In Deutschland gibt es allein 20.000 Turnierspieler, weltweit sollen es 600.000 Profis und rund sechs Millionen Fans sein. Das Hobby ist kein Taschengeld-Killer, ein Einsteiger-Set kostet rund 13 Euro. "Es ist nur schade, dass sich so wenig Mädchen dafür begeistern", bedauert Profi Kai Budde. Woran das liegen könnte? "Vielleicht mögen Frauen keine Spiele, bei denen so viel gemordet wird", mutmaßt der Student mit Blick auf all seine Karten-Kreaturen, die an diesem Tag ihr Leben für den Sieg lassen mussten.

"Die Spieler gelten schon als ein bisschen kauzig", sagt Christiano Scibetta vom Hasbro-Marketing über die Wettkämpfer in Berlin. Die blassen jungen Männer an den Spieltischen kämen oft aus der Computer-Szene, Spaß an Strategie und Taktik ließe sie auch zu den Karten greifen. "Vor den Weltmeisterschaften graben sich die Spieler meist zwei Wochen ein und studieren die Taktik ihrer möglichen Gegner", ergänzt Scibetta.

Die besten Superhirne räumen schließlich ab. In Berlin geht es um 400.000 Dollar Preisgeld. An den Turnier-Spieltischen ist nur noch das Rascheln der Kartenstapel beim Mischen zu hören. Bis am Sonntag der Sieger feststeht, geht es um alles.

Ulrike von Leszczynski DPA

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