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Übergabe in Stockholm Mann mit Kapuze: Holte Bob Dylan so seinen Nobelpreis ab?

Bob Dylan
Ein Mann mit Lederjacke, Kapuze und Handschuhen huscht zum Hintereingang der Stockholmer Konzerthalle Waterfront. Es soll sich, schreiben zumindest die Fotoagenturen, um Sänger Bob Dylan halten, der an diesem Wochenende zwei Konzerte in Schweden gibt.
© TT News Agency/Jessica Gow/AP
Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat Bob Dylan seinen Literaturnobelpreis bekommen. Für die Jury geht damit eine peinliche monatelange Hängepartie zu Ende. Bei seinem Konzert in Stockholm verlor der Sänger allerdings kein Wort über den Preis.

Alles musste ganz geheim bleiben. Als der Songschreiber Bob Dylan mit Monaten Verspätung den Literaturnobelpreis entgegennimmt, geschieht das am Samstag hinter verschlossenen Türen. Weder mit dem Ort noch mit dem Zeitpunkt durfte die Schwedische Akademie, die ihm den Preis zuerkannt hatte, vorher herausrücken. So hatte sich der 75-Jährige das gewünscht. Presse? Bloß nicht! Nur Mitglieder der Akademie und Dylan selbst sind bei dem Treffen in Stockholm dabei, und heraus dringt zunächst nur eine knappe Bestätigung mehrerer Juroren gegenüber dem Fernsehsender SVT.

Bob Dylan habe den Preis bekommen und sei sehr froh darüber gewesen, lässt sich Jury-Mitglied Horace Engdahl vor dem Konzert des Rocksängers am Samstagabend entlocken. Bei dem knapp zweistündigen Auftritt in einem Kongresszentrum ist der Sänger in Höchstform.

Bob Dylan
Ein Mann mit Lederjacke, Kapuze und Handschuhen huscht zum Hintereingang der Stockholmer Konzerthalle Waterfront. Es soll sich, schreiben zumindest die Fotoagenturen, um Sänger Bob Dylan halten, der an diesem Wochenende zwei Konzerte in Schweden gibt.
© TT News Agency/Jessica Gow/AP

Bob Dylan erwähnt mit keinem Wort den Nobelpreis

Im weiten schwarzen Anzug und mit einem weißen Hut mit Krempe auf dem Kopf sitzt Dylan mal am Flügel, mal steht er breitbeinig vor dem Mikrofon, den linken Arm locker angewinkelt. Das ganze Konzert über verliert er kein Wort über den Preis und lässt stattdessen seine Lieder für sich sprechen. Als er den Song "Desolation Row" anstimmt, schnellen einige der überwiegend grauhaarigen Fans von ihren Plätzen auf und reißen die Arme in die Luft. In dem elf Minuten langen Versepos legt Dylan sein lyrisches Genie offen.

In der altehrwürdigen Nobelpreis-Jury dürften es einige inzwischen trotzdem bereut haben, den Preis an den berühmten Rockstar vergeben zu haben. Vermutlich hatten die Literaturexperten gehofft, ein wenig von Glanz und Berühmtheit des US-Amerikaners könnte auf das Gremium abstrahlen, als sie ihn im Oktober zum Preisträger kürten.

In den vergangenen Jahren hatten der breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Preisträger wie der französische Schriftsteller Patrick Modiano (2014) und die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch (2015) nicht für sonderlich viel Publicity gesorgt.

Bob Dylan Konzert Stockholm
Sara Danius, die Vorsitzende des Auswahlgremiums für die Vergabe des Literaturnobelpreises, besuchte das Konzert von Bob Dylan in Stockholm
© Johan Nilsson/TT News Agency/DPA

Der offiziellen Preisverleihung blieb Bob Dylan fern

Doch Dylan, selbst Meister des Hinhaltens und der Geheimniskrämerei, schlug die Jury mit ihren eigenen Waffen. Erst ließ er sie wochenlang zappeln, dann sagte er ihnen für die Preisverleihung im Dezember ab und verriet bis vor wenigen Tagen nicht einmal, ob er bei seinem Konzert-Auftritten in Stockholm an diesem Wochenende denn auch den Nobelpreis abholen würde.

Der Jury blieb derweil nichts anderes übrig, als beharrlich klarzustellen: Für uns ist Dylan Preisträger 2016, für seine "poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition", egal, wie die Geschichte nun ausgeht.

Als der Star sich endlich rührte, waren einige Jury-Mitglieder wohl mindestens erleichtert - und andere völlig aus dem Häuschen. Akademie-Chefin Sara Danius gerierte sich wie ein aufgeregter Fan, als sie in ihrem Blog postete: "Auf die Plätze, fertig los. Wir machen uns fertig, um auf Dylans Konzerte zu gehen." Dazu stellte sie ein Bild von sich, strahlend im T-Shirt mit Dylan-Konterfei und der Aufschrift "Literatur 2016". Ob für die Preisträger der letzten Jahre wohl auch solche T-Shirts entworfen wurden?

Bob Dylan spielt nach seinen eigenen Regeln

Für diese und andere Fragen rund um Dylan ist der Sprecher der Akademie in den Tagen vor der Preisverleihung nicht erreichbar. Unklar blieb deshalb zunächst auch, was mit der traditionellen Nobelvorlesung ist. Die Rede müssen alle Preisträger innerhalb eines halben Jahres nach der offiziellen Verleihung am 10. Dezember entweder persönlich halten oder etwa per Video einreichen, um Preisgeld, Medaille und Urkunde behalten zu dürfen.

Im Fall Dylan schrieb Danius dazu nur in ihrem Blog: "Die Akademie hat Grund zu der Annahme, dass eine aufgenommene Version zu einem späteren Zeitpunkt gesendet werden wird." Der Weltstar spielt eben nach seinen eigenen Regeln. Vom Publikum verabschiedet er sich am Samstagabend mit dem Song "Why Try To Change Me Now". Eine kurze Verneigung, und der Literaturnobelpreisträger huscht von der Bühne.

Julia Wäschenbach/DPA

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