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Miss USA-Wahl: Die Schönen und das Biest

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im großen Land? Amerika wählt die Miss USA 2008. Eigentlich ist es egal, welche der Damen gewinnt: Sie sehen eh alle gleich aus. Am Ende ist Miss Texas vorn, aber der Sieger des Abends heißt: Donald Trump.

Von Ulrike von Bülow, New York

Man kann von ihn ja halten, was man will, aber eines muss man Donald Trump lassen: Mit dem bierblonden Vogelnest auf seinem Kopf, das er vermutlich als Frisur bezeichnet, sieht der Herr sehr ungewöhnlich aus, ja: einzigartig. Donald Trump, mit Immobilien reich gewordener Selbst-Darsteller, veranstaltet an diesem Abend einen Wettbewerb, bei dem es um Schönheit geht und 51 junge Damen auftreten, aber wenn man diese jungen Damen betrachtet, dann sehnt man sich nach einer Figur wie Donald Trump. Doch Mr. Trump hält sich erstmal im Hintergrund.

Amerika sucht die Superbeauty: Es geht um die Wahl zur "Miss USA", bei der die 50 Bundesstaaten ihre jeweilige "Miss Bundesstaat" ins Rennen schicken, hinzu gesellt sich der "District of Columbia" mit seiner "Miss D.C.". Und von Miss Alabama bis Miss Wyoming sehen die 51 jungen Damen alle gleich aus: Sie haben schön langes Haar, schön große Augen, schön weiße Zähne und ein schön breites Lachen. Vierzig von ihnen sind brünett, elf von ihnen sind blond, und alle dürfen gut aussehen - etwas sagen dürfen sie erstmal nicht.

Bald wird Miss Smith Geschichte sein

Die Wahl zur "Miss USA 2008" findet im "Planet Hollywood Resort and Casino" in Las Vegas statt, der TV-Sender NBC überträgt live, und am Anfang meldet sich die Siegerin des Vorjahres zu Wort, jedenfalls kurz. Rachel Smith aus Tennessee, langes, braunes Haar, weiße Zähne, lächelt breit, dann sagt sie: "Hallo, ich bin Rachel Smith, Miss USA." In zwei Stunden wird Miss Smith Geschichte sein, es ist nur noch die Frage: Wer löst sie ab? Miss Oklahoma vielleicht, die aus deutscher Sicht den schönsten Namen trägt: Kaylee Unverzagt?

Dann laufen Miss Unverzagt und ihre 50 Kolleginnen jeweils einmal durchs Bild, das allein dauert gepflegte sechs Minuten, und dann melden sich die Moderatoren des Abends zu Wort, Maria und Donnie Osmond, und lesen semi-originelle Dialoge vom Teleprompter ab. "Du wartest doch nur auf den Bikini-Wettbewerb!" (Maria) - "Nein, neeiiiin… na gut, du hast Recht!" (Donnie). Und dann folgt die erste Werbepause, in der man sich schnell ein Bier aus dem Kühlschrank holt - vielleicht kann man sich diese Veranstaltung ja schön trinken.

Texas führt die Siegerinnen-Liste an

Die "Miss USA" wurde erstmals 1952 gewählt. Zuvor hieß der Wettbewerb "Miss America", doch dann weigerte sich die 1951 gekürte "Miss America", im Badeanzug zu posieren; das fand ein Bademodenhersteller, der den Wettbewerb sponserte, semi-komisch, darum schied dieser Bademodenhersteller aus der Gruppe der Sponsoren aus, gründete seinen eigenen Wettbewerb und nannte diesen "Miss USA". Seitdem liegt Texas in der Liste der Siegerinnen an der Spitze (acht Misses), vor Kalifornien (fünf), Hawaii und Illinois (je vier).

In der Jury sitzen diesmal: Heather Mills, hauptberuflich Ex-Frau, die kürzlich durch die Scheidung von Paul McCartney sehr reich wurde. Und Amanda Beard, hauptamtlich Ex-Schwimmerin, die einst drei olympische Goldmedaillen für Amerika gewann. Oder Joey Fantone, hauptsächlich Ex-Mitglied der Boygroup "'N Sync", zu dem es mehr als das nicht zu sagen gibt. Und diese Jury schickt nach der ersten Runde 36 Kandidatinnen zurück in ihre Bundesstaaten. Es bleiben übrig: 15 Misses, die beim Bikini-Wettbewerb auftreten, alle in schwarzen Bikinis, sie strecken die Brust heraus und den Po. Dem Bikini-Wettbewerb folgt der Abendkleid-Wettbewerb, und beim Abendkleid-Wettbewerb werden die Kandidatinnen etwas genauer vorgestellt, sie dürfen hier und da ein paar Worte sagen.

Lieblingsbeschäftigung: Lachen

Es geht um ihre Hobbys: Miss Oklahoma gibt unverzagt "Garten-Arbeit" an als ihre Lieblingsbeschäftigung, Miss Indiana "Kochen" und Miss Columbia "Lachen"; hihi - mit diesem Hobby sollte sie prädestiniert sein für diesen Wettbewerb, bei dem all die Damen nichts anderen tun als: Lachen. Doch etwa sieben Werbepausen später, als die "Top Five" benannt werden, ist Miss Columbia raus aus dem Rennen. Es bleiben übrig: Miss New Jersey, Miss Mississippi, Miss Oklahoma, Miss Pennsylvania und Miss Texas, die sich nun einer kleinen Fragerunde unterziehen müssen. "Wenn du jetzt einen berühmten Menschen retten müsstest, wer würde das sein - und wie würdest du ihn retten?", diese Frage soll nun Fräulein Oklahoma beantworten. "Ich würde Britney Spears retten", sagt tapfer Kaylee Unverzagt, "ich würde versuchen, ihr wieder Selbstbewusstsein zu geben!". Diese Antwort ist offenbar richtig, das Publikum in Las Vegas jedenfalls applaudiert, aber was sagt die Jury?

Es gibt noch eine Werbepause, dann fliegen Miss Pennsylvania, Miss Oklahoma, Miss New Jersey raus aus dem Wettbewerb, und Miss Mississippi und Miss Texas halten sich an den Händen, als jetzt die Siegerin verkündet wird. "Miss USA ist: Miss Texas!", sagt Marie Osmond, und Miss Texas - namentlich: Chrystle Stewart - schlägt die Hände vor dem hübschen Gesicht zusammen, sie bekommt ein Krönchen aufgesetzt, dann faltet sie die Hände zum Gebet, bekommt einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt, schluckt, schüttelt den Kopf: Oh! My! God!

Und endlich, irgendwo in Reihe eins, sieht man: Donald Trump. Der Herr mit dem bierblonden Vogelnest auf dem Kopf klatscht, er beklatscht sich und seine Veranstaltung, er sieht nicht wirklich schön aus, an diesem Abend aber: ungewöhnlich interessant.