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Monaco versus London: Traumhochzeit zweiter Klasse

Die Hochzeit von William und Kate war vielleicht ein wenig unterkühlt, aber absolut Disney-tauglich. Fürst Albert und Charlene Wittstock haben dagegen keine Chance. Der Vergleich.

Von Sophie Albers

Märchenhochzeit: Spiegelbild tiefliegender romantischer, filmisch-musikalisch-literarisch gepflegter Traditions-Träume. Edler Jüngling verspricht reiner Schönheit "Bis dass der Tod uns scheidet". Ein Schloss, ein Kuss und Blütenregen. London war am 29. April nah dran an der Disney-Magie, als Prinz William Kate Middleton zu seiner Duchess of Cambridge gemacht hat

Am 1. Juli soll es genau so weitergehen, wenn Fürst Albert II. von Monaco die Bürgerliche Charlene Wittstock heiratet. Wieder wird "Märchen" geschrien. Die tote, feengleiche Mutter heißt nun statt Lady Di Gracia Patricia. Und die Frage der Hofberichterstattung, die sich in diesem Jahr endlich gebraucht fühlen darf, lautet: Taugt Charlene Wittstock zur Nachfolgerin für die Märchenfürstin?

Die Antwort ist ein klares "Nein". Denn auch wenn die Zuschreibung "Märchen" so wunderbar verkaufsfördernd wirkt, taugt die Fürstenhochzeit schlicht und ergreifend nicht dazu. Denn: War London der Disneyfilm, ist Monaco die Klatschspalte.

Das Wappen

Zur Bestimmung der Märchentauglichkeit genügt eigentlich schon der Blick aufs Wappen: London bietet einen gekrönten Löwen und ein Einhorn, Monaco zwei schwertschwingende Mönche. Noch Fragen?

Das Paar

Mal ganz oberflächlich betrachtet: Mit Ende 20, nach acht Jahren Beziehung - mit Unterbrechung -, waren William und Kate definitiv ein Märchenbrautpaar mit Bodenhaftung. Doch was sind schon ein paar Fotos vom sonst so braven Rettungspiloten William, der Liebeskummer wegtrinkt, gegen einen 53-Jährigen Mann mit Brille, schwindendem Haar und Bauchansatz, der eine 20 Jahre jüngere Blondine heiratet? Wie viel Märchen steckt in einem "Prinzen", der über Jahrzehnte als Playboy galt und zwei uneheliche Kinder vorzuweisen hat? Das gibt gewaltigen Punktabzug auf der Disney-Märchenhochzeitsskala.

Auch die Braut setzt eher auf Glamour denn auf Traditionen. Während sich Kate Middleton vor dem Schritt ins königliche Leben in Zurückhaltung übte und nicht mal antwortete, wenn sie gefragt wurde, wenn es dem Buckingham Palace nicht gefiel, gibt Charlene Wittstock fröhlich plaudernd Interviews, in denen sie Sätze wie diese sagt: "Es war die größte Herausforderung, meinen Modestil zu finden. Ich dachte damals, ich sähe toll aus, aber rückblickend hätte mein Debüt in der Society von Monaco viel besser sein können!" Und ihr Traum? "Ich will Monaco zu einer der Modehauptstädte der Welt machen."

Die Gäste

Deshalb ist wohl auch Modezar Karl Lagerfeld - eh Freund der Grimaldis - so ein viel wichtigerer Hochzeitsgast als jedes Blaublut. William und Catherine kommen übrigens nicht, sie touren derzeit durch Nordamerika. Immerhin Kronprinz Felipe von Spanien und Letizia reisen an sowie die schwedische Kronprinzessin Victoria, die allerdings ohne Ehemann Daniel Westling.

Also wird der Blutadel ersetzt. Durch den politischen: Als offizieller Vertreter Deutschlands rückt wohl Bundespräsident Christian Wulff samt Gattin Bettina an. Frankreich schickt Präsident Nicolas Sarkozy mit seiner schwangeren Model-Frau Carla Bruni. Womit wir schon wieder beim Glamour-Adel wären: Ex-James-Bond Roger Moore wird erwartet, Demi Moore und Ashton Kutcher, Naomi Campbell, Mel Gibson, Brooke Shields, Wittstocks Schwimmerkollegin Franziska van Almsick und Boris Becker.

Auch wenn der Stadtstaat Monaco gerade mal halb so groß ist wie der Englische Garten in München, sind doppelt so viele Gäste geladen wie im April in London: mehr als 4000 sollen es sein. Im kleinsten Staat der Welt nach dem Vatikan wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Zwei Tage lang wird gefeiert, am 1. Juli wird standesamtlich, am 2. Juli kirchlich geheiratet. Jean Michel Jarre gibt am Abend ein Konzert, fürs Volk soll es Champagner und Eiskrem geben. Und das Fürstenhaus lässt sich die Hochzeit auch noch sponsern: In einem offenen Lexus-Hybrid fährt das Paar nach der Trauung durch die Stadt, BMW stellt eine Flotte von 200 Limousinen für den Rest, der Champagner fließt im Namen von Perrier-Jouët, und die Heiratsurkunde wird mit einem extra angefertigten Montblanc-Füller unterschrieben.

Die Medien

Auch das deutsche Fernsehen scheint wenig überzeugt von der Märchenqualität dieser Paarung. Anstelle der ARD-ZDF-Doppelübertragung wie im April, ist diesmal nur das ZDF live dabei, wenn Albert II. endlich beringt wird. ntv schaltet noch zu. Das war's dann schon. "Mit William ist der letzte aus der europäischen Thronfolgergeneration unter der Haube. Bis eine ähnlich prunkvolle Hochzeit gefeiert wird, wird es noch ein paar Jahrzehnte dauern", sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey dem "Focus". Und er weiß, wo die Latte hängt: Rund zehn Millionen Deutsche haben der britischen Hochzeit zugesehen.

Was bleibt?

Das Fest zu feiern, wie es fällt. Denn Charlene Wittstock hat auch etwas Wahres gesagt: "Diese Hochzeit ist kein Wettkampf."