Moshammer-Prozess Angeklagter voll schuldfähig


Als "eher weich und selbstmitleidig" aber ohne Anzeichen einer krankhaften Störung hat ein Gutachter den Angeklagten im Moshammer-Prozess Herisch A. charakterisiert. Stattdessen skizzierte er andere Motive.

Der mutmaßliche Mörder des Münchner Modemachers Rudolph Moshammer ist nach Einschätzung eines Gutachters voll schuldfähig. Es gebe keine Anzeichen für krankhafte seelische Störungen des angeklagten Irakers zur Tatzeit. Das erläuterte der Aachener Psychiater Prof. Henning Saß am Montag vor dem Landgericht München I. Die Tat trage auch keine Merkmale eines hochgradigen Affekts. Schon an diesem Mittwoch wollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten, das Urteil wird für kommenden Montag erwartet. Der 25 Jahre alte Herisch A. ist angeklagt, den homosexuellen Moshammer in der Nacht zum 14. Januar in dessen Haus mit einem Elektrokabel erdrosselt zu haben.

Nach Darstellung des Angeklagten war ein Streit über die von Moshammer verlangten und von dem Iraker nicht geleisteten sexuellen Dienste vorausgegangen. Herisch A. will zum ersten Mal mit sexuellen Wünschen wie den von Moshammer geäußerten konfrontiert worden sein. Dagegen spricht laut Gutachter aber die Aussage einer Ex-Freundin, der Angeklagte habe ihr von seinen Sexualkontakten zu Männern erzählt. Ein 60-jähriger Zeuge berichtete ferner von mehreren intimen Begegnungen mit dem Iraker. Wenn man von diesen Angaben ausgehe, sei "nicht nachvollziehbar", warum Moshammers Ansinnen einen übermächtigen Ekel in dem Angeklagten ausgelöst haben sollte, sagte Saß. Er entdeckte bei dem Angeklagten "bisexuelle Züge".

Der Gutachter charakterisierte den Iraker als "eher weich und selbstmitleidig". Seine "problematische Persönlichkeit" sei gekennzeichnet von Impulsivität, gelegentlicher Aggressivität, einer gewissen Verführbarkeit und einem Mangel an Durchhaltevermögen. Dies seien Folgen seiner "ungefestigten Lebenssituation". Er habe von ihm "nicht den Eindruck, dass er in einer kriminellen Einstellung verankert ist", sagte der Gutachter.

Der Iraker hatte nach eigenen Angaben als Kind die Ermordung seines Vaters durch das Regime Saddam Husseins miterlebt und war danach einige Jahre bei den Partisanen, bevor er sich 2000 über die Türkei nach Deutschland schleusen ließ. Er absolvierte einen Sprachkurs und bemühte sich um Arbeit. Zuletzt war er als Küchenhelfer in einem Schnellrestaurant tätig.

DPA DPA

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