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Oktoberfest-Bilanz Mehr Bierleichen, weniger Besucher


Überschattet von Terrordrohungen hat das Oktoberfest weit weniger Besucher angelockt. Etwa 5,7 Millionen Menschen strömten dieses Jahr auf die Wiesn in München. Aber ihre Trinkfreude ließen sich die Besucher nicht nehmen.

Trotz warmen Spätsommerwetters ohne einen Tag Regen kamen 300.000 Besucher weniger als im Vorjahr. Aber mit 6,5 Millionen Maß verkauften die Wirte so viel Bier wie 2008. Damit habe der Bierkonsum "voll im Rahmen des Gewohnten" gelegen, erklärte Oberbürgermeister Christian Ude am Sonntag bei der Bilanz des 176. Oktoberfestes.

Die Besucherzahl war aber so niedrig wie seit 2001 (5,5 Millionen) nicht mehr, als nach den Anschlägen vom 11. September viele Menschen dem größten Volksfest der Welt fernblieben. Zur diesjährigen Wiesn-Halbzeit hatte die Festleitung bereits 3,3 Millionen Besucher vermeldet. In der zweiten Woche aber kamen nur noch rund 2,4 Millionen Gäste, was Ude auf die Sorge vor Terroranschlägen zurückführte. Nach mehreren islamistischen Drohvideos war am vergangenen Montag rund um die Theresienwiese ein Sicherheitsgürtel mit verschärften Kontrollen eingerichtet worden.

Allein am Tag der Deutschen Einheit strömten aber dennoch 600.000 Besucher auf die Wiesn. Diese könne also immer noch "gigantische" Zahlen vorweisen, freute sich Ude. Er lobte die Arbeit der Polizei und den friedlichen Verlauf der Wiesn. "Wenn man da war, konnte man sich viel sicherer fühlen als anderswo", meinte er. Er werde den Sonntag aber erst am späten Abend loben, fügte er am Sonntagmittag hinzu.

Mehr "Bierleichen" als im Vorjahr

Neben Terrordrohungen drückte den Wiesn-Besuchern auch die Wirtschaftskrise aufs Gemüt. So spürten Souvenirverkäufer und Fahrgeschäfte die Konsumzurückhaltung der Gäste. Auch das traditionelle Wiesn-Hendl war nicht ganz so gefragt. Dafür wurden mit 111 Ochsen sieben mehr verspeist als im Vorjahr. Auch bei den alkoholfreien Getränken verzeichneten die Wirte ein Umsatzplus von zehn Prozent.

Bei schönem Wetter drängten die Besucher an den 16 Wiesn-Tagen nicht nur in die Zelte, sondern löschten auch in den Biergärten davor ihren Durst. Bis Samstagabend hatten es 759 Gäste aber so sehr übertrieben, dass das Rote Kreuz sie als "Bierleichen" abtransportieren musste. Trotz Besucherrückgang zählten die Sanitäter 125 "Bierleichen" mehr. "Bei warmen Temperaturen wird das Wiesn-Bier meist nicht nur mehr, sondern auch schneller getrunken", erklärte der ärztliche Leiter der Wiesn-Sanitätsstation, Kurt Schneider. Insgesamt kümmerte sich das Rote Kreuz um 8.608 Patienten, rund 2000 mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte hatte aber nur kleinere Wehwehchen wie Blasen oder Kopfschmerzen. Die Polizei zählte bis Samstag 2053 Einsätze und damit etwas mehr als im Vorjahr.

Noch viel DM in den Taschen

Das Wiesn-Fundbüro konnte auch in diesem Jahr unter 4100 Fundstücken mit Kuriositäten aufwarten. So wurden ein Zwergpinscher, ein Milchzahn, ein Toaster, eine Angel, eine Schachuhr, ein Ballettröckchen, zwei Absperrpfosten und drei einzelne Krücken abgeliefert. An der Kinderfundstelle wurden 18 "verlorene" Kinder betreut - und von den glücklichen Eltern auch wieder abgeholt. Um sich den Wiesn-Besuch leisten zu können - der Liter Festbier kostete in den großen Bierzelten durchgängig zwischen 8,50 und 8,60 Euro - hatten viele Besucher offenbar auch tief in ihren Schubladen nach Geld gekramt. Denn an der Annahmestelle für D-Mark wurden 100.000 D-Mark in Scheinen sowie etwa 1500 D-Mark-Münzen umgetauscht.


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