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Oscar-Gastgeber: Hollywood zittert vor Jon Stewart

Jon Stewart darf am Sonntag nach einem Jahr Auszeit als Gastgeber der Oscar-Verleihung zurückkehren. Nicht alle in Hollywood freuen sich über den Auftritt des scharfzüngigen Komikers, besonders nicht Schauspieler Tom Cruise.

Von Frank Siering, L.A.

Er macht sich lustig über sein Publikum, hat keine Angst vor politisch unkorrekten Witzen und bekam nach seiner ersten Moderation als Oscar-Gastgeber 2006 eher durchwachsene Kritiken: Jon Stewart, eigentlich heißt er laut Geburtsurkunde Jonathan Stuart Leibowitz, darf am Sonntagabend auf die größte Entertainment-Bühne der Welt zurückkehren. Am 24.Februar wird der 45-jährige Talkshow-Gastgeber die Oscars moderieren. Zur Überraschung und auch zum Unmut vieler geladener Gäste.

Stewart, der in den USA vor allem durch seine Comedy-Sendung "The Daily Show" bekannt ist, hat sich vor zwei Jahren gleich mehrere Feinde gemacht: Er hat die in Hollywood sehr einflussreiche Scientology-Sekte verärgert, weil er sich über die Religion vor einem Millionenpublikum lustig machte, und führte die versammelte Hautevolee der Schauspieler vor, indem er sich über ihre exorbitanten Gehälter lustig machte.

US-Regierung hat Stewart auf dem Kieker

Jon Stewart ist "edgy", er provoziert gerne und geht bis an die Schmerzgrenze des guten Geschmacks. Und er behält dabei eine ernste Miene. So ernst, dass seine Comedy-Show eine Zeit lang vom Weißen Haus als "echte Gefahr für unsere Demokratie" bezeichnet wurde. Stewart ist kein großer Bush-Anhänger und trägt deshalb auch so oft er kann zum Anti-Regierungstrend bei. Mit einem Zwinkern im Auge, versteht sich. So ließ er Sängerin Bjoerk, deren Schwanen-Outfit noch heute Schweißperlen auf die Stirn eines jeden Stylisten treibt, entschuldigen, weil sie leider dem Jagdgewehr von Vize-Präsident Dick Cheney zum Opfer gefallen sei. Cheney hatte vor zwei Jahren bei einem Jagdausflug seinen eigenen Anwalt aus Versehen angeschossen. "Jon polarisiert, keine Frage. Du magst ihn, oder Du magst ihn nicht. Er ist keiner für lauwarme Meinungen", sagt Chris Rock, der ein großer Freund des Komikers ist. Weniger erfreut, dass Stewart auf die Oscar-Bühne zurückkehrt, dürften Joaquin Phoenix oder auch Tom Cruise sein. Hinter vorgehaltener Hand verbreiten sie, dass Stewart eine "ganz schlechte Entscheidung der Academy" sei. Vielleicht haben sie aber auch nur Angst, dass Stewart sie durch den Kakao zieht - Tom Cruise hat dazu ja in den letzten Wochen Steilvorlagen abgeliefert. Stewart wuchs in New Jersey an der Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Als sich die Eltern scheiden ließen, ein Umstand, den Stewart noch heute nutzt, um sich über geschiedene Paare lustig zu machen, entschied sich der nicht praktizierende Jude, einen Abschluss in Psychologie an der Uni anzustreben. "Irgendwie musste ich ja mit dem Dilemma klarkommen. Was ist besser, als kostenlose Therapie-Stunden in einem Psychologie-Seminar", sagt Stewart heute.

Vom Talkshow-Vertreter zur eigenen Sendung

Der begeisterte Fußballspieler hielt sich nach der Uni mit diversen Jobs über Wasser, bevor es ihn 1986 nach New York trieb. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, überhaupt seinen Lebensunterhalt zu verdienen, landete er als Stand-up-Comedian in diversen Clubs. Sein großer Durchbruch gelang ihm, als er für Tom Snyder, einem bekannten Moderator in den USA, als Vertretung in der "The Late, Late Show" einspringen durfte. Stewart beeindruckte mit seinem trockenen Humor und 1999 übernahm er für Craig Kilborn "The Daily Show". Die Sendung, die Stewart zum Star machen sollte.

Wohl auch deshalb, weil er vor allem bei einem jüngeren und somit finanzstärkeren Publikum ankam. Und weil seine Quoten besser waren als die von Jay Leno und David Letterman. Die "Daily Show" ist eine alberne Nachrichtensendung, die aber so clever gemacht ist, dass viele Zuschauer noch heute glauben, dass Stewart ein seriöser Nachrichtensprecher sei. "Was soll ich dazu sagen. Wir ziehen halt die intellektuelle Elite im Land vor den Fernseher", witzelt Stewart. Nun also tritt Jon Stewart erneut bei den Oscars als Gastgeber an. Natürlich freue er sich auf diese Aufgabe, lässt er wissen. Wohl wissend, dass er in einem Wahlkampfjahr mit jeder Menge politisch unkorrekter Witze provozieren kann. Witze, die vor allem auf das Star-Publikum im Kodak Theater in Los Angeles zielen werden. Denn das ist die Stärke von Jon Stewart: Unbequeme Wahrheiten beim Namen nennen - gerne auf Kosten der Promis und Megareichen.