HOME

Einsatz für 9/11-Helfer: "Ihr solltet euch schämen": So emotional staucht Jon Stewart US-Abgeordnete zusammen

Es war ein Auftritt, der aufwühlte: Der frühere TV-Moderator Jon Stewart hat sich vor dem US-Kongress für erkrankte Ersthelfer des 11. Septembers 2001 eingesetzt - und den Abgeordneten dabei wütend ins Gewissen geredet.

Jon Stewart redet vor US-Kongress

Jon Stewart ist dafür bekannt, die Menschen mit scharfsinnigem Humor zum Lachen zu bringen. Jahrelang moderierte der 56-Jährige mit viel Erfolg die satirische Nachrichtensendung "The Daily Show" im US-Sender Comedy Central. Jetzt hat Stewart einen Auftritt absolviert, der für sein Publikum alles andere als ein Vergnügen war. Vor einem Komitee des Repräsentantenhauses forderte er, die Finanzierung eines Fonds aufrechtzuerhalten, der vor neun Jahren gegründet wurde, um Menschen, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als Ersthelfer vor Ort waren und dadurch schwere Gesundheitsschäden erlitten haben, finanziell zu unterstützen.

Bis heute kämpfen viele der Ersthelfer mit den Folgen ihrer damaligen Einsätze. Manche sind an Krebs erkrankt, andere sogar bereits gestorben. Schuld daran sind unter anderem giftige Dämpfe, denen sie bei der Ersthilfe ausgesetzt waren. Schon kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center, das Pentagon und ein Passagierflugzeug, das in Shanksville im US-Bundesstaat Pennsylvania abstürzte, wurde der "Victim Compensation Fund" für die Ersthelfer eingerichtet, ein Hilfsfonds, der ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung sichern sollte. Doch die Geldmittel sind fast erschöpft und dem Fonds droht das Aus.

Jon Stewart kämpft mit den Tränen

In einem flammenden Appell forderte Stewart, der von zahlreichen Ersthelfern begleitet wurde, den Kongress auf, die weitere Finanzierung des Fonds sicherzustellen. Besonders empört zeigte sich der TV-Star über die geringe Zahl von Abgeordneten, die überhaupt zu der Anhörung erschienen waren: Der Raum sei eine "unfassbare Metapher" für den gesamten Prozess, zu dem der Kampf um Gesundheitsversorgung für die Betroffenen geworden sei, begann Stewart sein Statement. "Hinter mir ein gefüllter Raum mit Ersthelfern des Anschlags und vor mir ein fast leerer Kongress. Krank und sterbend, haben sie sich hierher gemüht", sagte Stewart. Und nun sei niemand da, um ihnen zuzuhören. Das sei beschämend. "Es ist eine Schande für unser Land und ein Schmutzfleck auf dieser Institution. Ihr solltet Euch schämen für diejenigen, die nicht hier sind", rief er den Volksvertretern zu.

Seit 18 Jahren müssten die Ersthelfer kämpfen, kritisierte Stewart. Sie hätten kämpfen müssen, als ihnen niemand geglaubt habe, krank zu sein, als ihnen niemand geglaubt habe, dass ihre Krankheit durch ihren Einsatz verursacht wurde und als niemand der Ansicht war, dass ihre medizinische Versorgung es wert sei, bezahlt zu werden.

Publikum reagiert mit stehenden Ovationen

Während seines Appells wurde Stewart immer wieder laut oder musste mit den Tränen kämpfen. "Es tut mir leid, wenn ich wütend und undiplomatisch klinge", sagte er. "Aber ich bin wütend." Die Gleichgültigkeit der Abgeordneten koste die Männer und Frauen im Saal ihr wertvollstes Gut. "Zeit", rief Stewart mit brechender Stimme. "Es ist die eine Sache, die ihnen ausgeht."

Als Stewart seine Rede beendete, standen die Menschen im Saal auf und applaudierten ihm. Und auch in den sozialen Netzwerken erhielt er viel Beifall. "Dies ist eine der größten 10-minütigen Reden unserer Zeit", schrieb Vasu Kulkarni, Gründer der Webseite krossover.com. Und die US-Schauspielerin Alyssa Milano twitterte einen kurzen Ausschnitt von Stewarts Rede mit dem Kommentar "Jon Stewart is the shit".

Vor 13 Jahren im TV: Die bewegende 09/11-Moderation von Peter Kloeppel