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Frischluft Als ich einmal Tucker Carlson traf - den Schoßhund des Präsidenten

Fox-News-Moderator Tucker Carlson mit Kopf von Kolumnist Michael Streck
Bellt manchmal mehr als er spricht: stern-Stimme Michael Streck über seine Begegnung mit "Fox News"-Moderator Tucker Carlson.
© Picture Alliance / stern
Der rechtspopulistische "Fox News"-Moderator Tucker Carlson hechelt von einer Peinlichkeit zur nächsten. Neuerdings verbreitet er auch Verschwörungstheorien über Trump und seine Corona-Infektion. Erinnerungen unseres Autoren Michael Streck an ein denkwürdiges Treffen.

Vor vielen Monden lebten wir für einige Jahre in den USA, der Präsident hieß damals George W. Bush, und damals dachte man, es könne nicht viel schlimmer kommen. Das war einer von vielen Irrtümern.

Etwa ein halbes Jahr nach unserer Ankunft in den Staaten trafen wir in Washington in einem Restaurant zwei Herren, von denen sich einer als Mitarbeiter von Vizepräsident Dick Cheney vorstellte und seinen Kumpanen als den “bekannten konservativen Fernseh-Analytiker Tucker Carlson von CNN“. Herr Carlson trug eine Fliege, war aber nicht mehr in der Lage, sich selbst vorzustellen, weil er den Kanal voll hatte. Alles, was Tucker noch zuwege brachte, war ein Bellen, und am liebsten hätte ich “Platz“ gesagt. Wir kannten Herrn Carlson bis dahin nicht und glaubten erst an einen Scherz, weil bellende Fernseh-Moderatoren eine in Europa zumindest aussterbende Spezies sind. Aber sein vergleichsweise nüchterner Freund und Cheney-Mitarbeiter bestand darauf.

Tucker Carlson bellte wiederholt

Wir stritten ein wenig über Bush und Cheney, Carlson bellte wiederholt, und nach etwa einer Stunde nahm ihn sein Kumpel an die Leine und sie verließen das Etablissement. Anderntags begegnete er uns wieder. Meine Frau rief "Der Hund ist im Fernsehen", und tatsächlich saß Carlson nun brav im Studio von CNN und moderierte die nichtsnutzige Talkshow "Crossfire". Der wunderbare Comedian Jon Stewart erschien einmal in dieser Sendung und fragte, wie ein Mann von damals Mitte dreißig freiwillig eine Fliege tragen und darüber hinaus so viel Stuss von sich geben könne. Das war eine Sternstunde des amerikanischen Fernsehens.

Herr Carlson, das steht fest, war also schon immer sehr speziell – und wurde noch spezieller, seit er von CNN zum ultrakonservativen Rivalen "Fox News" wechselte. Der ist nun seit vier Jahren seine Heimat, das passt. Inzwischen trägt er Krawatte, vielleicht hat Jon Stewart damit zu tun. Stuss verbreitet er immer noch. Er hat offenkundig ein Problem mit Frauen, die er mal primitiv nannte und mit Hunden verglich, die einfach nur still sein sollten. So einer ist Tucker Carlson.

Black Lives Matter? "Sie kommen, um Euch zu holen"

Abends hetzt er in seiner Talkshow "Tucker Carlson Tonight", die Liste der Peinlichkeiten ist lang und wird jeden Abend länger. Vor einigen Wochen verteidigte er den Jugendlichen Kyle Rittenhouse, der auf einer Black-Lives-Matter-Demo zwei Demonstranten erschossen haben soll. Überhaupt, Black Lives Matter: Denen gehe es nicht um das Leben und Wohlergehen der Schwarzen, sagte er. Und kläffte hinterher: "Denkt daran, wenn sie kommen, um Euch zu holen. Und das werden sie tun, wenn das so weitergeht." So einer ist Tucker Carlson.

Manchmal stornieren Kunden ihre Werbung wegen solcher Entgleisungen.

"Ich bin kein Verschwörungstyp"

Nun, zu allem Übel, erkrankte sein Freund und Idol Donald Trump an Corona, und Carlson schwiemelte in seiner Sendung darüber, wie merkwürdig es sei, dass sich Trump ausgerechnet einen Monat vor der Wahl angesteckt habe, obschon das Virus bereits so lange im Land unterwegs sei. "Ich bin kein Verschwörungstyp", sprach er, "ich stelle nur fest". Er insinuierte, dass Trump womöglich absichtlich infiziert worden sei. Kaum stiefelte Trump aus dem Krankenhaus, speichelte Carlson sichtbar ergriffen, das Virus sei offenbar "nicht so bedrohlich, wie Sie euch weismachen wollen".

Es hat sich eigentlich nichts geändert seit unserem ersten Treffen vor vielen Monden in Washington, als George W. Bush noch Präsident war und man dachte, es könne schlimmer kaum kommen. Carlson bellt jetzt nüchtern und hat seine Berufung gefunden: Schoßhund des Präsidenten. Zumindest bis zum 3. November.

In diesem Sinne: Platz, Tucker!


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