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Prankster Witali Sedjuk: Flitzer ohne wehendes Gemächt

Witali Sedjuk macht Prominenten das Leben schwer. Er vergräbt sich in ihrem Schritt oder schlüpft unter den Rock. Das findet nicht nur Brad Pitt uncool. Höchste Zeit für den guten, alten Flitzer.

Von Jens Maier

Fußball ist toll. Er hat nicht nur Ausnahmeathleten wie Franz Beckenbauer, David Beckham und Cristiano Ronaldo hervorgebracht, sondern ist ein freundlicher Inklusionsapparat für Schulabbrecher, Besserwisser und: Flitzer! Wenn ein nackter Mann über den Rasen rennt, während uniformierte Männer verzweifelt versuchen, ihn daran zu hindern, mag das kein großer Moment für den Sport sein. Aber ein grandioses TV-Ereignis. Spaß (Haha, da rennt einer), Spannung (Hmh, kriegen sie ihn?) und Erotik (Huch, ein nackter Mann) machen den Nudisten zu bester Unterhaltung. Fouls, Elfmeter und Tore vergehen, Flitzer bleiben. Manch einer ist inzwischen sogar berühmter als die Herren im Trikot. Die Fußballzeitschrift "11 Freunde" hat den bekanntesten unter ihnen einen Artikel gewidmet. In der Ode ans "schleudernde Gemächt" kommen Sätze vor wie "hat nicht mal Schuhe an" oder "kämpft er doch mit seinen Sprüngen für Frieden und Verständigung". Grandios.

Der Prankster ist ein angezogener Flitzer

Da aber weder Spieler noch der gemeine Fußballfan den nackten Tatsachen etwas abgewinnen können (dabei kommt es gelegentlich sogar unter Profis zu flatternden Geschlechtsteilen), droht der gemeine Flitzer durch ein angezogenes Pedant ersetzt zu werden: den Prankster. Er provoziert nicht mit seinem Penis, sondern durch bloße Anwesenheit. Einer der berühmtesten unter ihnen ist Jaume Marquet i Cot, der sich Jimmy Jump nennt. Als er sich 2010 auf die Bühne des Eurovision Song Contest schlich, um beim Beitrag des Spaniers Daniel Diges im Hintergrund mitzutanzen, haben das weltweit mehr als 140 Millionen Fernsehzuschauer gesehen. Danach war Jump fast ebenso bekannt wie eine Sängerin aus Hannover, die im gleichen Jahr den ESC gewann: Lena.

Seit einigen Monaten treibt nun ein Ukrainer als Prankster sein Unwesen. Mit Vorliebe hat es Witali Sedjuk auf berühmte Schauspieler abgesehen. Seine Art ist besonders perfide, denn erstens ist der smart aussehende 25-Jährige nicht als Verrückter zu erkennen, zweitens trägt er zur Tarnung einen Smoking. Unauffällig schleicht er sich bei Preisverleihungen an Stars heran, um sie im nächsten Moment mit Knutsch- und Umarmungsversuchen zu belästigten. Schauspielerin America Ferrera kroch er auf dem roten Teppich in Cannes sogar unter den Rock. Die Arme bemerkte den Kopf unter ihrem Kleid erst Sekunden später und wirkte verwirrt, als plötzlich Sicherheitskräfte auf sie zustürmten. Vor Leonardo di Caprio fiel der 25-Jährige auf den Boden und vergrub sein Gesicht in dessen Schritt. So nah kommen Di Caprios Penis sonst wohl nur Models. Die meisten Prominenten sind so überrascht, dass sie im ersten Moment hilflos wirken. Einzig Will Smith wusste sich bei einer Kussattacke zu wehren und schlug Sedjuk ins Gesicht.

Brad Pitt wehrt sich mit perfider Drohung

Was das soll? Sedjuk verfolgt keine politische Botschaft. Der Fernsehjournalist ist ein Selbstdarsteller. Ein neuer Borat, nur weniger originell. Medien berichten über das Ereignis und Sedjuk gelangt zu zweifelhaftem Ruhm. Obwohl er an sich nichts geleistet hat, liefert eine Suchanfrage nach seinem Namen im Internet mehr als 50.000 Treffer. Was also tun? Entweder Sie vergessen das hier geschriebene, seinen Namen oder das Ereignis an sich ganz schnell wieder, oder Sie halten es mit Brad Pitt. Anders als Will Smith will der Sedjuk nicht mit manueller Gewalt, sondern mit Worten in die Flucht schlagen. Seine Methode ist dabei ebenso perfide wie die des Pranksters. "Ich habe nichts gegen Exhibitionisten. Aber wenn der Typ so weitermacht, verdirbt er es den Fans, die den ganzen Abend auf ein Autogramm oder Selfie warten", sagte Pitt, der erst in der vergangenen Woche Opfer des Ukrainers geworden war. Stars würden durch solche Aktionen misstrauischer, sich einer großen Menge zu nähern, orakelte Pitt.

Die indirekte Drohung dürfte ihre Wirkung nicht verfehlen. Nicht überforderte Ordnungshüter, sondern hunderte Fans werden künftig an roten Teppichen darüber wachen, dass Sedjuk da bleibt, wo er hingehört: nicht am Beinkleid oder dem Gemächt von Di Caprio und Co., sondern hinter der Absperrung. Sedjuks Pranksterkarriere steht das Aus bevor. Vielleicht Anlass genug für das Flitzertum weltweit, sich wieder auf alte Tugenden zu besinnen: grünen Rasen, rennende Männer, wogende Penisse. Die Fußball-Weltmeisterschaft steht schließlich kurz bevor.