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Prinz Harry: Krieg vorbei, Clubs tabu

Die Drohungen der Terroristen, Prinz Harry ohne Ohren zurückzuschicken, sind nicht folgenlos geblieben: Der Irak-Einsatz des Royals wurde abgesagt. Da sich Harry nicht im Nachtleben trösten soll, erwägt die Armee nun andere Einsatzorte für den geschassten Prinzen.

Armer Harry. Doch es gibt einen Trost, genauer gesagt eine Trösterin: Die schöne blonde Chelsy Davy (21) hat alle ihre Sommerreisepläne abgesagt. Eigentlich wollte Harrys Freundin um die halbe Welt düsen, während sich der 22-jährige Leutnant im Irak eine Tapferkeitsmedaille verdient. Nun bleibt sie bei ihm in London, hieß es am Freitag in britischen Medien. Für den Prinzen war das die einzige gute Nachricht der zurückliegenden Woche.

Sie begann damit, dass ihn sein Kommandeur im Eliteregiment der "Blues and Royals", Oberstleutnant Edward Smyth-Osbourne, mit ernster Miene zu sich bat. Was dann kam, hatte der Prinz befürchtet: Sein lange geplanter Einsatz im südirakischen Kampfgebiet wurde gestrichen, fünf Tage bevor er beginnen sollte. Harry sei "zutiefst enttäuscht", ließ das Königshaus verlauten, kaum dass Armeechef Sir Richard Dannatt die Entscheidung öffentlich bekannt gegeben hatte.

Verständlich ist der "Notbremsen-Befehl" des Generals durchaus. Im Irak warteten etliche Gruppen von Terroristen auf den Prinzen, der in der britischen Thronfolge nach seinem Vater Prinz Charles und Bruder Prinz William an dritter Stelle steht. "Ohne Ohren", so drohten sie, werde der Enkelsohn der Queen "postwendend an sie zurückgeschickt".

Wenn es zu gefährlich für Harry ist, dann auch für die anderen Soldaten

Doch der Schaden für Harrys Reputation als Offizier war mit dem Hinweis auf die erheblichen Gefahren für ihn und auch für alle Soldaten in seiner Umgebung einfach nicht mehr abzuwenden. "Irak- Harry" war also bloß mal so eine Idee? Viele Briten zeigen zwar Verständnis für den Rückzieher, doch viele andere sind empört, vor allem Eltern von im Irak gefallenen Soldaten.

"Mein Prinz war mein Sohn Phil", sagte die trauernde Mutter Sue Smith. "Er musste in den Irak gehen, ob er wollte oder nicht." Phil war 21, als er bei einem Bombenanschlag in der südirakischen Hafenstadt Basra starb. "Wenn es zu gefährlich für Prinz Harry ist", sagte die Mutter von Gordon Gentle, "dann ist es auch zu gefährlich für all die anderen Jungs". Gordon war erst 19, als ihn eine Bombe in Basra zerriss.

"Für Dich, Harry, ist der Krieg vorbei", titelte die "Sun" mit einer Balkenüberschrift. Doch die Gastwirte der Londoner Edelnachtclubs, in denen Harry sich längst den Ruf eines Umsatz fördernden "Party-Prinzen" ertrunken hat, hatten sich wohl zu früh gefreut. Oberstleutnant Smyth-Osbourne soll nämlich für Harry noch eine weitere schwer zu verkraftende Mitteilung gehabt haben: Das "Boujis" und das "Mahiki", die "Pangaea"-Bar, der "Purple"-Club und alle die anderen Nightlife-Quartiere des fetenfreudigen Prinzen sollen in nächster Zeit tabu sein.

Nicht beim Londoner Nachteinsatz erwischen lassen

Die "Gedanken des Prinzen werden jetzt voll und ganz bei seinen Kameraden im Einsatz sein", hatte der Hof nach der Bekanntgabe des Irak-Verbots erklärt. Für Harry heißt das auch: Hüte Dich in den nächsten sechs Monaten davor, von Paparazzi beim fröhlichen Trinken fotografiert zu werden, während Dein Spähtrupp im Irak ist. Nichts schlimmeres könnte der Königsfamilie passieren, als das der Prinz im Londoner Nachteinsatz erwischt wird, während seine Kameraden unter Beschuss liegen.

Fast schon tragisch ist bei alledem, dass Harry wohl keineswegs die Absicht hatte, sich zu drücken. Bis zuletzt pochte der Leutnant darauf, dass er nichts von einem Interview zurückzunehmen habe, das er zu seinem 21. Geburtstag gegeben hatte: "Ich würde doch nicht zu Hause auf meinem, Verzeihung, Arsch sitzen bleiben, während meine Jungs da draußen für ihr Land kämpfen."

Nun wird in Armeekreisen überlegt, ob der Prinz als Ausgleich auf einen UN-Blauhelmeinsatz geschickt werden kann: In den Kongo, den Sudan, nach Liberia oder Sierra Leone. Doch jeder in den Streitkräften weiß, dass solche Einsätze weit weniger Gefahren bergen als der Dienst im Irak.

Thomas Burmeister/DPA / DPA