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Robin Williams: Was hat Paris Hilton mit der Titanic zu tun?

Von seiner Art gibt es keinen zweiten in Hollywood: Robin Williams. Er wagt zu politisieren und scheut sich auch nicht, Sozialkritik zu üben. stern.de hat einen Schauspieler getroffen, der lieber über Paris, Britney und Alkohol plaudert als für seinen neuen Film zu werben.

Von Frank Siering, L.A.

Als Hollywood-Reporter hat man das Glück - oder das Unglück - viele bekannte Menschen treffen zu dürfen. Einige davon sind erinnerungswürdig, dazu gehören Clint Eastwood oder Robert Redford, andere kurz nach dem Verlassen des Interview-Zimmers wieder vergessen, siehe Paris Hilton und Nicole Richie. Einer allerdings ist wie kein Zweiter in Hollywood: Robin Williams. Eine Begegnung mit dem US-Komiker und Oscar-Gewinner ("Good Morning, Vietnam", "Mork and Mindy", "Good Will Hunting") kann am besten mit einem zwanzigminütigem Dauerkitzel-Einsatz verglichen werden. Ein ernstes Interview? Unmöglich.

Williams reißt schon nach dem ersten Satz das Wort an sich, sticht in die aktuellen Themen der Popkultur an wie ein Jongleur Messer gegen eine Holzwand schleudert. Und zählt dabei doch zu jenen Hollywood-Stars, die sich noch trauen zu politisieren. Ein Mann, der mit seinen 55 Jahren oftmals eine gefährliche Gradwanderung zwischen humorvoller Polemik und beißender Sozialkritik wagt. Hier eine kleine Geschmackprobe:

Mr. Williams lässt sich aus

Stichwort Paris Hilton: "Oh, die arme kleine Paris. Sie hat Gott gefunden. Im Knast findest Du immer jemanden. Sie hatte Glück, dass sie nicht Betty hieß. Nehmen wir Paris zu ernst? Sicher, die Welt ist doch nicht sicherer, nur weil die im Gefängnis sitzt. Vielleicht Beverly Hills, weil sie nicht besoffen durch die Gegend knattert. Da sind andere im Bau, um die wir uns kümmern sollten. In Georgia haben sie einen eingebuchtet, weil er einen Blow Job von seiner Freundin bekommen hat. Für den armen Kerl geht keiner auf die Strasse. Willkommen im 21.Jahrundert der Vereinigten Staaten. Kennen Sie den Unterschied zwischen Paris Hilton und der Titanic? Mehr Menschen sind bei Paris abgetaucht als bei der Titanic."

Stichwort Britney Spears: "Die macht auf Entzug, weil es prima in den Lebenslauf passt in Hollywood. Davon kann ich auch ein Liedchen singen (Williams war früher auch Alkoholiker, A.d.Red.). Dann kommt sie raus und geht steil zum Smirnoff. Das ist wie Diät mit Krispy Creme Donuts. Und obendrauf dann noch blanko ziehen im Bentley. Da sehen wir auf einmal Fotos im Internet, bei denen selbst Britneys Gynäkologe noch was Neues lernt."

Stichwort Tour de France (Robin Williams ist ein begeisterter Radfan und Freund von Lance Armstrong): "Ich werde in diesem Jahr nicht nach Frankreich fahren. Zu viele Ärzte sind mit am Start. Aber ich will ja nicht soviel auf die Doping-Sünder schimpfen. Für mich ist ein Drogentest so etwas wie eine Multiple-Choice-Aufgabe. Mr. Williams, welche Drogen nehmen Sie? ¬Hmm, was hätten Sie denn gerne, Vodka, Kokain, Whiskey, Beruhigungsmittel? ¬ Ich habe jetzt auch gehört, dass die Fahrer bei der Tour jetzt Aufputschmittel für Pferde nehmen. Lustiges Image, oder? Die scheißen jetzt beim Fahren, und der Penis hängt in den Speichen, autsch."

Über Alkohol und Religion

Stichwort Alkohol: "Ein fieses Biest. Greift immer wieder nach mir. Bin aber jetzt durch damit. Wenn Du trinkst, dann willst Du nicht drüber sprechen, weil Du glaubst, dass keiner weiß, dass Du trinkst. So wie David Hasselhoff. Übrigens ne tolle Sache, was die Tochter da gemacht hat. Jeder Alki sollte sich auf Video sehen. Das meine ich ganz ernst. Nur so kapierst Du, wie beschissen Du Dich verhältst, wenn Du mal wieder voll bist."

Stichwort Religion: "Ich finde es witzig, dass Mel Gibson vom einzigen jüdischen Polizisten in Malibu angehalten wurde. Da kriegst Du eine ganz gute Idee, wie Gott die Welt sieht. (imitiert Gott im Himmel). Ich habe "Die Passion Christi" gesehen. Hier schicke ich Dir mal einen Juden auf den Hals. Viel Glück, Mel." Religion in Amerika ist ein politisches Machtinstrument, nicht mehr. Die religiöse Rechte wird von Bush zum Lunch in die Kantine eingeladen, schon wandern Millionen von guten Christen am Sonntag in die Kirche und stecken 20 Dollarscheine in den Klingelbeutel." Und dann ist das "Interview" mit Robin Williams auch schon wieder vorbei. Der geniale Clown, der tatsächlich so ist wie er sich auf der Leinwand gibt, steht auf und verabschiedet sich höflich. Über seinen neuen Film "Licence to wed" haben wir nun fast gar nicht gesprochen. Darin spielt er einen Priester. Aber Robin Williams könnte auch ein Stück Rasen spielen und würde in sekundenschnelle das Publikum auf seine Seite ziehen.

  • Frank Siering