Santa Maria Tag X in "Jackson-Ville"


Im kalifornischen Santa Maria ist Schluss mit der Kleinstadtidylle. Ob Cafébesitzer, Hotelier oder der Mann von der Imbissbude, sie alle hoffen durch den Jackson-Prozess auf den schnellen Dollar.

Die Barrikaden und Maschendrahtzäune vor dem Gericht im kalifornischen Santa Maria sind aufgestellt und fest im Boden verankert, um dem Ansturm der Presse und Fans standzuhalten. Für den strategisch besten Kamerablick auf Michael Jackson wurden Tribünen und Gerüste in der gewöhnlich ruhigen Miller-Street aufgebaut. Von diesem Montag an muss sich der "King of Pop" in einem Missbrauchs-Prozess verantworten, der das Interesse der Weltöffentlichkeit auf sich zieht. Der Sänger hat sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen.

"Ein schrecklicher Zirkus", schimpft die kalifornische Studentin Jenna Beckman über das "Aufrüsten der Reporter". Die 21-jährige Jackson-Anhängerin hatte in den letzten zwölf Stunden vor dem Gerichtsauftritt ihres Idols selbst ein volles Programm: Mahnwachen und Lichterketten, Fans aus anderen Ländern begrüßen und am Montag in den frühen Morgenstunden einen guten Stehplatz ergattern.

Michael Jackson muss persönlich erscheinen

Der "Jahrhundertprozess" gegen den wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Sänger beginnt mit der Auswahl von Geschworenen. Dazu müssen sich Jackson und rund 750 mögliche Juroren persönlich einfinden, so viel steht fest. Über den weiteren Ansturm kann der Gerichtsvorsitzende Darrel Parker nur spekulieren. "Bei früheren Jackson-Auftritten kamen schon über tausend Schaulustige, Fans und Reporter. Vielleicht werden es jetzt dreitausend sein - wir lassen uns überraschen." Ein Chaos wie vor einem Jahr, als sich Jackson tanzend auf dem Dach seines Autos von Fans feiern ließ, wollen die Ordnungshüter diesmal verhindern.

Allein 30 Beamte würden vor dem Eingang zum Gericht Wache schieben, verriet Polizei-Chef Chris Vaughn der "Santa Maria Times". Der Zugang für die Fans werde strikt kontrolliert. "Offenbar wollen sie nicht viele von uns sehen", vermutet Faisal Malik, Fanclub- Organisator aus Los Angeles. Aus anderen US-Staaten und aus Übersee seien aber schon "viele Hundert" nach Santa Maria unterwegs, sagte Malik.

Santa Maria rüstet sich

Sechs Monate könnte der Jackson-Prozess aus Sicht von Rechtsexperten dauern. Die Stadt Santa Maria, die sich gern als "All- American-City" präsentiert, trägt bereits den Spitznamen "Jackson- Ville". Mehr als tausend Journalisten aus allen Teilen der Welt werden die sonst eher verschlafene Stadt in Beschlag nehmen, prophezeit die "Los Angeles Times". Der Kampf um die besten Plätze tobt seit Wochen. Zur Freude von Michael Clayton, dessen Anwaltskanzlei nur einen Katzensprung vom Gerichtsgebäude entfernt liegt, wo Jackson ein und aus gehen wird.

´"20 Fernsehteams werden am Montag auf dem Flachdach meiner Kanzlei stehen", freut sich der Jurist. Für den erstklassigen Schuss-Winkel kassiert er von jedem Team 2500 Dollar. Dafür steht der geschäftstüchtige Jurist am Montag gern in aller Frühe auf. "Ab 6 Uhr werde ich Wache schieben, damit keiner auf das Dach klettert, der nicht dafür bezahlt hat."

Elizabeth Taylor und Macaulay Culkin als Zeugen?

Allein die Auswahl von zwölf Geschworenen und acht Ersatz-Juroren könnte sich über drei bis vier Wochen hinziehen. Richtig spannend werde es dann mit dem Aufmarsch der Zeugen und Prominenten, sagt Clayton. "Wie bei den Emmys oder Oscars", freut sich der Jurist mit Blick auf Gerüchte, dass Hollywoodstars wie Elizabeth Taylor, Macaulay Culkin oder Jacksons Ex-Gattin Lisa-Marie Presley vor Gericht zitiert werden könnten.

Jackson-Fan Jenna Beckman, die im Nachbarort San Luis Obispo Tiermedizin studiert, hat ihren Stundenplan schon auf den Prozess abgestimmt. Ab März, wenn die "heiße Phase" beginnt, belegt sie nur Abendkurse, um tagsüber in Santa Maria den Prozess zu verfolgen. "Ich mache mich auf einige lange Monate gefasst", sagt die Studentin.

Barbara Munker, DPA DPA

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