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Bestsellerautorin Sarah Kuttner bekennt sich erstmals zu ihrer Depression – und hat dafür einen guten Grund

Sarah Kuttner
Sarah Kuttner hat im Podcast von ihren Angststörungen erzählt.
© Jan Woitas / DPA
Mehr als zehn Jahre bestritt sie, dass ihr Bestseller "Mängelexemplar" autobiografisch sei. Nun hat Autorin Sarah Kuttner erstmals die wahren Hintergründe geschildert - und den Grund für ihr langes Schweigen genannt.

Gleich mit ihrem ersten Roman landete Sarah Kuttner einen Bestseller: 2009 veröffentlichte die frühere Viva-Moderatorin "Mängelexemplar". Das Buch erzählt von Karo Herrmann, einer jungen Frau, die unter Angstzuständen und Depressionen leidet. Weil diese Karo einige Ähnlichkeiten mit der Autorin aufwies, glaubten damals viele Leser und Journalisten, Kuttner habe ihre eigene Geschichte aufgeschrieben - was diese in Interviews vehement verneinte.

Bis diese Woche. Da hat die 41-Jährige in dem Podcast "Das kleine Fernsehballett", den sie zusammen mit dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier moderiert, erstmals über die wahren Hintergründe ihres Debüts gesprochen.

Ausgangspunkt war die Sendung "Chez Krömer" mit Thorsten Sträter, in der Gastgeber Kurt Krömer erstmals öffentlich über seine Depression sprach. Kuttner und Niggemeier besprachen die Sendung in ihrem Podcast, als die Berlinerin zu einem überraschenden Monolog ansetzte und ihre eigene Geschichte erzählte.

Sarah Kuttner spricht über ihre Erkrankung

"Vielleicht sollte ich auch zugeben, dass ich seit 2007 eine Angststörung mit mir rumschleppe, die gemischt ist mit einer Depression", sagte Kuttner. "Im Grunde ist 'Mängelexemplar' recht autobiografisch." Dafür, dass sie bislang immer geleugnet habe, dass das Buch viel von ihr enthalte, habe sie sich beim Gucken der Krömer-Sendung geschämt und sich gefragt: "Warum habe ich eigentlich nie gesagt: 'Seit ich Anfang 20 bin läuft es bei mir im Kopf nur so mittelrichtig, ich nehme bis heute Tabletten?'"

Sie gibt gleich die Antwort auf diese Frage: "Weil die Presse so eklig war." Sie habe ihre Erkrankung in den Interviews zum Buch damals nicht zugeben wollen, weil dies stets die erste Frage von Journalisten gewesen sei: "Sie haben ein Buch geschrieben. Sind Sie depressiv?" Sie habe in den Gesichtern der Journalisten "Mini-Erektionen" gesehen, in der Hoffnung sie sage "ja". Dann hätten sie schreiben können: "Die toughe, witzige MTV-Moderatorin leidet seit Jahren", so Kuttner. Das habe sie denen nicht gegönnt.

Depressionen

Dass sie es sich nun anders überlegt hat und sie sich nun zu dem autobiografischen Gehalt von "Mängelexemplar" bekennt, hat einen einfachen Grund. Beim Anschauen der Krömer-Sendung sei ihr aufgegangen, dass die Journalisten ja gar nicht wichtig seien. Die vielen Menschen, die zu Hause sitzen und sich für ihre Krankheit schämen, seien wichtiger. Deshalb die offenen Worte im Podcast, mit denen sie sehr vielen Menschen Mut gemacht haben dürfte.

Verwendete Quelle:"Das kleine Fernsehballett"

Haben Sie Fragen zu Depressionen? Suchen Sie Anlaufstellen in Ihrer Nähe? Wenden Sie sich an das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe unter der Telefonnummer: 0800 / 33 44 533.

che

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