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Schauspieler auf Abwegen: Die Immobilienhaie von Hollywood

Weil die Gagen schrumpfen, haben viele Hollywoodstars das Geschäft mit Immobilien für sich entdeckt - und verdienen damit Millionen. Selbst Oscar-Gewinnerin Diane Keaton ist unter die Immobilienhaie gegangen. Einen besonders dicken Deal will Dennis Quaid landen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Ganz offiziell heißt es, Dennis Quaid wolle von seiner Villa mit Meerblick in Los Angeles ins heimatliche Austin im US-Bundesstaat Texas umsiedeln, weil ihn "das Heimweh treibt". Aber der pfiffige Texaner weiß auch, dass er mit dem Verkauf seines Hauses in den Pacific Palisades ein kleines Vermögen verdienen kann. Geld, das in Zeiten der Gagenrezession in Hollywood auch einer wie Quaid nur ungern ausschlägt.

Für 13,9 Millionen Dollar wird das Farmhaus mit Pferdeställen und Swimmingpool angeboten. Selbst die Zeitung "Los Angeles Times" hat das Häuschen auf ihrer Immobilien-Seite vorgestellt. Gekauft hat der Schauspieler das Grundstück 1999 für 1,8 Million Dollar. "Das dürfte ihm einen Reingewinn nach Abzug von Maklerprovision und anderen Gebühren von rund zehn Millionen Dollar einbringen", sagt Hugh Robertson, der als Anwalt für Immobilienrecht in Beverly Hills arbeitet. Eine stattliche Summe. Vor allem "wenn man bedenkt, dass der Immobilienmarkt in den USA auch in diesem Jahr bisher mindestens zehn bis 20 Prozent unter Wert liegt", wie Finanzberater Craig Steinhauer anmerkt.

So wie Quaid handeln viele Stars und Sternchen dieser Tage. Denn die Zeiten, in denen Schauspieler locker zweistellige Millionenbeträge mit einem zwei bis dreimonatigen Filmengagement verdienen, "sind langsam aber sicher vorbei", sagt Produzent Joel Silver. "Hat ein Superstar vor der Wirtschaftskrise im Jahre 2008 noch 20 Millionen Dollar Gage kassiert, so muss er sich heute oftmals mit weniger als der Hälfte zufrieden geben", sagt Silver. Nicht zuletzt deshalb versuchen viele Schauspieler derzeit als Immobilienspekulanten ihr Glück.

Diane Keaton in bester Gesellschaft

Diane Keaton kauft seit Jahren Häuser, die sie dann umbaut, renoviert und meist mit gutem Profit weiterverkauft. "Ich liebe die Restaurierung von alten Gemäuern", sagt die Oscar-Gewinnerin, die derzeit ein Haus, das von Star-Designer Lloyd Wright gebaut wurde, für 10,75 Millionen Dollar anbietet. Gekauft hat Keaton das Mehrfamilienhaus vor dreieinhalb Jahren für rund neun Millionen Dollar.

Keaton befindet sich damit in bester Gesellschaft. Weitere Immobilienspekulanten aus dem Filmgeschäft sind:
- Winona Ryder, die ihr Hollywood-Heim, das sie im März 1998 für 2,6 Millionen Dollar erstanden hatte, für 3,6 Millionen Dollar verkaufen möchte.

- Ashton Kutcher, der sein Heim in der Greenvalley Road in Los Angeles für 2,5 Millionen Dollar auf den Markt geworfen hat. Gekauft hatte er das Haus mit vier Schlafzimmern und vier Badezimmern 2004 für eine Million Dollar. Ein stattlicher Gewinn für den neuen "Two and a Half Men"-Star.

- Und auch Charlize Theron spekuliert mit. Ihr Haus am berühmten Pacific Coast Highway ist für 6,5 Millionen Dollar zu bekommen. Selbst hatte sie für ihr Heim am Strand vor fünf Jahren gerade mal 3,4 Millionen bezahlt.

"Die Promis wissen ganz genau, dass ihr Name im Zusammenhang mit dem Verkauf noch einige hunderttausend Dollar mehr wert sein kann", sagt Jade Mills von der Immobilienfirma Coldwell Banker. In Zeiten, da die Gagen in den Hollywood-Studios immer kleiner werden, kommt es vielen Stars und Sternchen gerade recht, dass sich eine neue Einnahmequelle auftut.

Viele Schauspieler spekulieren unter Decknamen

"Ich handle gerne mit Immobilien, warum auch nicht, es ist ein lukratives Geschäft", sagt Courtney Cox, die in ihrem prominenten Freundeskreis bekannt dafür ist, dass sie in Malibu am Wochenende gerne mal auf Schnäppchenjagd nach Immobilien geht. Anderen Prominenten scheint es hingegen immer noch ein bisschen peinlich zu sein, wenn ihr großer Leinwand-Name im schnöden Immobiliengeschäft genannt wird. Deshalb verstecken sie ihre neueste Akquisition oftmals hinter Codenamen.

Als Jennifer Aniston unlängst ihr Haus in Beverly Hill, das sie einst mit Ex-Ehemann Brad Pitt bewohnte, für sage und schreibe 24 Millionen Dollar anbot, ließ sie das unter dem Decknamen "Ohana" (Hawaiianisch für Familie) laufen. Und auch für ihre Suche nach einem Penthouse in New York City verwendete Aniston nicht ihren eigenen Namen, sondern nannte den Interessenten den "Norman's Nest Trust". Norman war über fünf Jahre lang ihr treuer Wegbegleiter - ein Terrier-Corgi-Mix, der kürzlich verstorben war.

Ob nun mit Code- oder Klarnamen, das Immobiliengeschäft der Hollywood-Prominenz blüht. Und wenn die große Hollywood-Karriere von Mr. Quaid auch mehr oder weniger seinen Zenit überschritten hat, so kann sich der 57-Jährige derzeit als Immobilenspekulant eine goldene Nase verdienen.