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Schwedisches Königshaus: Carl Gustaf und die leichten Mädchen

Nach der Veröffentlichung der Skandalbiografie "Der widerwillige Monarch" kommen immer mehr Details über die angeblich wilde Vergangenheit des schwedischen Königs ans Licht. Nun behauptet ein Clubbesitzer, er habe Carl Gustaf beim Sex mit Prostituierten gefilmt.

Von Julia Mäurer

Die Affäre um den schwedischen König Carl XVI. Gustaf hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Mille Markovic, vorbestrafter Inhaber des zwielichtigen Stockholmer "Club Power", droht Videoaufnahmen zu veröffentlichen, die den Monarchen beim Sex mit Prostituierten zeigen sollen. Carl Gustaf als Gast in einem Bordell, das von einem Kriminellen geführt wird? Die Empörung im Königreich ist groß. Prostitution ist in Schweden verboten. Carl Gustafs vermeintliche Eskapaden schwächen das Ansehen der Monarchie. Und das in einer Zeit, wo sich ohnehin nur noch die Hälfte der Schweden für ein Königshaus ausspricht. Vor zehn Jahren war es noch rund 80 Prozent.

Dass die Zustimmung für die schwedischen Royals weiter schwindet, dafür könnte Thomas Sjöberg sorgen. Der 52-Jährige veröffentlichte mit zwei Co-Autoren die Biografie "Den motvillige monarken" ("Der widerwillige Monarch") und stürzte damit die Monarchie in eine schwere Imagekrise. Nicht nur in Skandinavien, in ganz Europa wird das Skandalbuch mittlerweile diskutiert. "Der Berlusconi des Nordens", titelte der französische "Figaro", vom "Swinger-König" sprach die britische "Sunday Times". Was ist der Grund für die Aufregung?

Sjöberg, der als Journalist bei der angesehenen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" arbeitet und bereits eine Biografie über Ikea-Gründer Ingvar Kamprad veröffentlichte, schildert König Carl XVI. Gustaf in seiner Biografie als unersättlichen Schürzenjäger, der zwielichtige Etablissements besuchte und Drogen konsumierte. Zudem ist von einer Affäre mit der Popsängerin Camilla Henemark die Rede, die Carl Gustav Ende der Neunziger kennengelernt und über zwei Jahre heimlich getroffen haben soll. "Wir waren wohl so eine Art Spielkameraden. Das bedeutet ja nicht, dass ich seine Geliebte war", sagte Henemark in einem Interview mit dem Boulevardblatt "Expressen". Gleichzeitig kündigte die 46-Jährige an, ihre Sicht der Dinge schildern und ein Buch über ihr Verhältnis zu Carl Gustaf veröffentlichen zu wollen.

Carl Gustaf war noch nie ein Kind von Traurigkeit

Doch mit der Affäre allein lässt sich der Skandal noch nicht begründen. Mitte der Neunziger, so ist es in Sjöbergs Werk zu lesen, soll sich Carl Gustaf gemeinsam mit drei Freunden in diversen Stockholmer Nachtclubs und Edelpuffs vergnügt haben. Dass das heutige schwedische Staatsoberhaupt kein Kind von Traurigkeit ist, ist nicht neu. Bereits in den Siebzigern soll der junge Carl Gustaf die Frauen gewechselt haben wie andere die Unterwäsche. Dies änderte sich erst, als Carl Gustav 1972 die deutsche Olympiahostess Sylvia Sommerlath kennenlernte, die er 1976 zu seiner Frau und damit zur schwedischen Königin machte.

Trotz der Ehe mit Sylvia habe Carl Gustaf nicht auf seine ausschweifenden Männerabende verzichten wollen, behauptet Sjöberg. Als Beweis lässt er in seinem Buch den serbischen Boxer Mille Markovic zu Wort kommen. Der gilt als Mitglied der Balkan-Mafia und saß 1995 wegen Erpressung im Gefängnis. Markovic betreibt in Stockholm den "Club Power". Eben jenes Etablissement soll Carl Gustaf gemeinsam mit seinen Freunden in den Neunzigern regelmäßig aufgesucht haben. Als Hostessen getarnte Prostituierte sollen für das Wohl der Männer gesorgt haben. "Sie richteten den Whirlpool her, zündeten Kerzen an, schenkten Wein nach. Dann setzten sie sich auf den Schoß der Männer, streichelten sie und zogen sich langsam aus. Wer Sex haben wollte, ging einfach ins Solarium oder in den Nebenraum mit dem Whirlpool. Auch Amphetamine und Kokain machten die Runde", schreibt Sjöberg.

Carl Gustaf selbst hat sich bisher nur vage zu den Veröffentlichungen geäußert. Er habe noch keine Zeit gehabt, das Buch zu lesen, sagte der 64-Jährige am Rande seiner traditionellen Elchjagd in Hunneberg. Kurz darauf ließ er verkünden, das sei alles so lange her, dass er gemeinsam mit Ehefrau Silvia beschlossen habe, nach vorn zu schauen. Ein Dementi klingt anders. Bisher hat das Königshaus keine rechtlichen Schritte gegen das Buch eingereicht, das bereits am Erscheinungstag ausverkauft war und nun in einer Auflage von 30.000 Exemplaren nachgedruckt werden soll. "Dass der Hof nicht klagen will, sehen wir als Bestätigung, dass alles wahr ist", sagten die Autoren in schwedischen Medien.

Bei Ärger fliehen die Königshausmitglieder ins Ausland

Dass sich Carl Gustaf nicht weiter zu den Vorwürfen äußerte, wird ihm in seiner Heimat als Arroganz ausgelegt. Die Boulevardzeitung "Aftonbladet" fand, dass auch ein gekröntes Staatsoberhaupt heutzutage nicht mehr so locker Fragen abweisen sollte, die "das ganze Land bewegen". Der Monarch entzog sich vorerst weiteren Diskussionen und reiste überraschend nach China, um dort seine Tochter Madeleine zu treffen. Die Flucht ins Ausland ist ein altbewährtes Mittel der schwedischen Königsfamilie, um unangenehmen Schlagzeilen in der Heimat zu entgehen. Kronprinzessin Victoria reiste in die USA, als sie Ende der Neunziger an Magersucht erkrankte. Ihre jüngere Schwester Madeleine suchte ebenfalls in den Vereinigten Staaten Ablenkung von der geplatzten Verlobung mit Jonas Bergström. Lange wird sich Carl Gustaf allerdings nicht mehr verstecken können. Ende der Woche soll der Monarch von seiner Chinareise zurückkommen. Bis dahin werden die Schweden das Skandalbuch sicher nicht vergessen haben.