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Sonja Gerhardt: Sie setzt sich für mehr Zivilcourage ein

Sonja Gerhardt erzählt im Interview, warum sie mit ihrem neuen TV-Film "Ein ganz normaler Tag" zu mehr Empathie auffordern will.

Sonja Gerhardt als Staatsanwältin Jessica Maurer

Sonja Gerhardt als Staatsanwältin Jessica Maurer

Eine Provokation in der Trambahn eskaliert und resultiert in einer blutigen Schlägerei. Sonja Gerhardt (30, "Deutschland 83") kämpft als Staatsanwältin Jessica Maurer dafür, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Warum der Film "Ein ganz normaler Tag", der heute um 20:15 Uhr in Sat.1 gezeigt wird, ein Herzensprojekt ist und was sie für ihre eigene Zivilcourage gelernt hat, erzählt die Schauspielerin im Interview mit spot on news.

Im Film geht es um eine Schlägerei in einer Trambahn und Zeugen, die sich plötzlich an nichts mehr erinnern wollen. Glauben Sie, das kommt in der Realität oft vor?

Sonja Gerhardt: Leider gibt es sehr viele solcher Ereignisse. Erst vor kurzem wurde ein homosexuelles Paar in einer Berliner Straßenbahn verbal attackiert, aber andere Fahrgäste griffen zum Glück schützend ein. Ich verstehe nicht, warum manche Menschen anderen so etwas antun. Denn jeder kann sein Leben so führen wie er es möchte. Und deshalb ist es mir auch so wichtig, den Leuten zu zeigen, wie man in einer solchen Situation am besten reagiert.

Zivilcourage ist ein großes Wort. Wie kann man "sozialen Mut" Ihrer Meinung nach im Alltag tatsächlich umsetzen?

Gerhardt: Einfach die Augen offen halten und nicht wegschauen. Wir sollten wieder empathischer werden und mehr auf unsere Mitmenschen achten. Jeder von uns hat ein Handy dabei und kann schnell die 110 verständigen. Man sollte schon in der Schule mehr aufgeklärt werden. Kinder müssen wissen, dass es selbstverständlich ist, aufeinander aufzupassen und nicht wegzusehen, wenn es jemandem schlecht geht.

Waren Sie schon einmal in einer Situation, in der Sie selbst eingegriffen haben?

Gerhardt: Als ich das Drehbuch von "Ein ganz normaler Tag" gelesen habe, habe ich reflektiert, ob es so etwas Ähnliches wie die Szene in der Tram schon mal in meinem Leben gegeben hat. Zum Glück habe ich bisher noch keine derart eskalierende Situation persönlich miterlebt, ansonsten hätte ich natürlich Zivilcourage gezeigt.

Haben Sie durch die Dreharbeiten für etwaige Situationen etwas dazugelernt?

Gerhardt: Auf jeden Fall. Ich weiß jetzt für mich, wie ich mich in solch einer Situation verhalten kann. Und zwar Menschen in der Umgebung ansprechen, die Polizei rufen und wenn ich die Situation so einschätzen kann, dass ich nicht selber zum Opfer werde, auch eingreifen.

Der Film gehört zur Reihe unter dem Titel "Wir zeigen Haltung", in der es auch um Stalking und sexuellen Missbrauch geht. Glauben Sie, dass Fernsehfilme tatsächlich wachrütteln können?

Gerhardt: Dass diese Themen-Filme gedreht wurden und damit die breite Masse erreicht werden kann, finde ich toll! Wachrütteln und dabei auch aufklären. Ich finde es wichtig, dass solche Filme gedreht werden und wir uns mit solch wichtigen Themen auseinandersetzen. Wir sollten alle für mehr Empathie kämpfen.

Ihre Rolle Jessica Maurer kämpft als Staatsanwältin für Gerechtigkeit. Könnten Sie sich selbst einen juristischen Beruf vorstellen?

Gerhardt: In Vorbereitung auf die Dreharbeiten war ich im Amtsgericht und habe mir zwei Verhandlungen angeguckt. Die Fälle, die dort behandelt werden, können ganz schön nahegehen, aber so konnte ich mich optimal auf meine Rolle vorbereiten. Ich habe großen Respekt vor diesem Beruf.

Sie spielten in den letzten Jahren gerne historische TV-Rollen. War das Zufall?

Gerhardt: Ja. Aber trotzdem macht es unheimlich viel Spaß historische Rollen zu spielen. Ich konnte mit den Filmen in die Zeit zurückreisen und dadurch andere Epochen kennenlernen. Mich hat die "Ku'damm"-Reihe nachhaltig geprägt. Die beiden Filme thematisieren die Umstände der frühen Nachkriegsjahre und die damalige Rolle der Frau in der Gesellschaft. Durch die Dreharbeiten habe ich unglaublich viel über diese Zeit und die Frauen, die damals den Kampf für die Emanzipation auf sich genommen und für mehr Gleichberechtigung gekämpft haben, gelernt.

Wo werden Ihre Fans Sie 2019 noch zu sehen bekommen?

Gerhardt: Mein nächstes Projekt wird mich im Frühjahr nach Südafrika, nach Kapstadt, führen. Da war ich noch nie und ich freue mich schon riesig darauf. Am 19. September 2019 kommt außerdem die Literaturverfilmung "Die Wolf-Gäng" in die Kinos, in der ich neben Kollegen wie Rick Kavanian, Axel Stein und Christian Berkel die wandelbare Hexe Frau Circemeyer verkörpere.

SpotOnNews