Staatsbesuch Queen bleibt auf dem Teppich

Die britische Königin Elizabeth II. hat viele Fans in Berlin und Potsdam enttäuscht: Anders als erwartet verzichtete die Queen auf ein Bad in der Menge, schüttelte keine Hände und winkte auch nur sehr zurückhaltend.

Viele Schaulustige hatten auf einen direkteren Kontakt mit Königin Elizabeth II. bei ihrem Besuch am Mittwoch in Potsdam und Berlin gehofft. Die Britische Botschaft wies eigens auf Gelegenheiten für einen "hautnahen" Kontakt etwa vor dem Hotel Adlon oder dem Schloss Cecilienhof hin. Doch daraus wurde leider nichts. So schnell wie die Queen in ihrem dunkelblauen Bentley vorfuhr, so schnell war sie auch meist wieder verschwunden.

Für Experten ist die große Distanz der Königin zum Volk jedoch keine Überraschung. Grund für die Zurückhaltung sind nach ihrer Ansicht die Sicherheitsvorkehrungen und das strenge Protokoll. "Auf das Bad in der Menge hat sie verzichten müssen, weil sie ein Objekt für einen Anschlag ist und damit Abstand wahren muss", erklärt der Direktor des Großbritannien-Zentrums an der Humboldt-Universität Berlin, Jürgen Schlaeger.

Starres Korsett des Protokolls

Der Experte warnt davor, die Zurückhaltung überzubewerten. Die Fans dürften das nicht persönlich nehmen. Er vermute, dass Sicherheitskräfte der Queen empfohlen hätten, sich von Menschenmengen fern zu halten. Auch die über dem Hotel Adlon und der Museumsinsel kreisenden Hubschrauber sowie die auf Dächern postierten Scharfschützen deuteten auf eine angespannte Sicherheitslage hin. Im Grunde sei Elizabeth II. eine Frau, die mit dem Volk spreche, wenn sie die Möglichkeit dazu sehe.

Dies ist jedoch auch aus organisatorischen Gründen oft schwierig. Das "feste Korsett" des Programms erlaube keine Zeitüberziehungen, sagt Schlaeger. Beim vierten Staatsbesuch der Queen sei offensichtlich keine Zeit für Gespräche mit dem Volk eingeplant worden. Zudem sei die Königin 78 Jahre und müsse sich ihre Kraft einteilen.

"Das ist ja so enttäuschend"

Zahlreiche Schaulustige hatten am Dienstag stundenlang vor dem Berliner Hotel Adlon, der Museumsinsel oder dem Schloss Cecilienhof in Potsdam auf die Queen gewartet. Die Zurückhaltung der Monarchin löste bei vielen Kopfschütteln aus. "Das ist ja so enttäuschend", fasste Martha Beil, die seit 08.30 Uhr vor dem Hotel Adlon gewartet hatte, die Stimmung zusammen. "Die hat ja noch nicht einmal gewunken."

Holger Mehlig / AP AP

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