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Stalking: Blumen, Telefonterror und Gewalt

Stalking-Opfer, so schien es, sind reich, berühmt und schön. Eine Studie zeigt nun, dass bereits zwölf Prozent der Deutschen unliebsame Erfahrung mit Menschen im Liebeswahn gemacht haben.

Stalking, die systematische Verfolgung von Personen im Liebeswahn, kommt häufiger vor, als bislang bekannt. Das berichtet der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Davon kann auch Anja Charlet offenbar einen Blues davon singen. Die ZDF-"heute"-Moderatorin ist seit fünf Jahren Opfer eines Stalkers. Der Mann schickte ihr anfänglich Blumen, mittlerweile bombardiert er Chalet mit Tausenden von obszönen Anrufen, lauert ihr vor der Wohnung auf. Ihrem Mann droht er sogar mit Mord, wie die "Bild"-Zeitung in ihrer Samstagsausgabe berichtet.

Laut "Spiegel" haben Wissenschaftler des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in der ersten deutschen Studie zu dieser Form systematischer Belästigung und Verfolgung festgestellt, dass zwölf Prozent der Bundesbürger in ihrem Leben schon einmal Opfer von Nachstellungen, beispielsweise durch Telefonterror oder permanentes Auflauern waren. Jedes vierte Opfer wurde länger als ein Jahr drangsaliert, fast jedes dritte vom Täter persönlich angegriffen oder gar verprügelt.

Fast die Hälfte der Verfolgten litt der Studie zufolge unter Angst und Schlafstörungen. Jeder vierte Betroffene suchte einen Arzt oder Therapeuten auf, 18 Prozent ließen sich sogar krankschreiben. Aber obwohl das Verhalten der Stalker nach Angaben von Studienleiter Harald Dreßing häufig eindeutig Straftatbestände wie Nötigung oder Bedrohung erfüllte ging nur jedes fünfte Opfer zur Polizei.

"Offensichtlich fehlt das Vertrauen in Behörden und Justiz", sagte Dreßing laut "Spiegel": "Wir brauchen auf der juristischen Ebene Verbesserung." Einen Vorschlag gibt es bereits: Hessen brachte am Freitag in den Bundesrat einen Gesetzentwurf ein, der vorsieht, "unzumutbare Belästigung" als Straftat zu werten.

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