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"Santa Pauli": Eierpunsch und Dildos

Hier glüht nicht nur der Wein. Gespickt mit erotischen Spielereien wartet auf dem Hamburger Spielbudenplatz ein Weihnachtsmarkt der anderen Art auf schamlose und neugierige Besucher - zwischen Tannenbäumen und Eierpunsch.

Von Monique Berends

Der Spielbudenplatz auf der Hamburger Reeperbahn wird während der Weihnachtszeit zur Spielwiese. Auf "Santa Pauli" kann man sich neben Glühwein und Feuerzangenbowle auch mit Ständertrunk und Liebeswahn aufwärmen - wenn denn der Anblick der Gummipuppen mit diversen Öffnungen nicht ausreicht. Mit Rum und Wodka verbessert wird eben jeder Glühwein zum Liebestrunk.

Schon am Eingang des "geilsten Weihnachtsmarkts Hamburgs" wird man mit Phallussymbolen bombardiert. Ein bärtiger Typ in Lederkluft verkauft einen halben Meter Fleisch am Spieß, nebenan wendet eine noch etwas gelangweilte brünette Dame pralle Maiskolben, gut gebuttert. Es riecht noch nicht wirklich weihnachtlich - eher verbrannt. Da ist der Spieß wohl zu heiß geworden.

Batteriebetriebene Vibrationsbeule

Eher desinteressiert passieren die Leute Crêpes-Stand und Kerzenverkauf. Wegen solcher Kinkerlitzchen ist man schließlich nicht hergekommen. Die gemütlich aussehende Bude "Kleine Freiheit" reizt da schon viel eher. Auf einem roten Samtkissen ordentlich drapiert verwirren die fast schon niedlichen Dildos aus farbigem Sicherheitsglas die männliche Kundschaft. "Ist das jetzt auch ein Kaleidoskop?" hört man den älteren Herren von nebenan flüstern. Seine Frau zieht ihren Göttergatten laut lachend weg. Jetzt erst mal einen Eierpunsch.

Um die neugiereigen Damen zu fesseln, öffnet die Inhaberin der "Kleinen Freiheit" einige Tiegel mit essbarem Körperpuder. "Guck mal Mama, das hab ich auch." Auf Hamburgs Partymeile gibt es keine Scham, egal ob Weihnachten oder nicht. Für die ganz interessierten wird noch ein äußerst flexibler Cockring herausgekramt - und zwar mit einer batteriebetriebenen Vibrationsbeule. Die Damen sollen schließlich auch etwas davon haben.

Vorgezogene Bescherung

Auf dem Weg zur obligatorischen Bratwurst kreuzen ein paar sexy Weihnachtsfrauen den Weg. Für das publikumswirksame Panoramabild sollen die hoch gestiefelten Mädels sich ein wenig herunterbeugen. "Geht nicht, ich hab nichts drunter. Dann fallen ja meine Titten raus", schallt es fröhlich aus dem weihnachtlich gerockten Geschöpf. Was soll man sagen, wir sind hier schließlich auf St. Pauli.

Erst wenn es richtig dunkel wird, kann man im Erotikwald ab 18 Jahren, ein flotter Weihnachtsmann mit Rute kontrolliert das Alter, ein weihnachtlich angehauchtes Programm genießen. Mit dem Gospelchor wird eingestiegen, das 3D-Erotikkino am späten Abend ist der antialkoholische Rausschmeißer. Noch schnell einen Snack im Kartoffelpuff herunterschlingen und ab nach Hause. Husch husch ins Körbchen - die Bescherung wird nach dem Besuch dieses Weihnachtmarktes um ein paar Tage vorgezogen.

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