Tanztrend Hotten, hüpfen, springen

Berlin, London, Amsterdam: Überall in Europa feiern Jugendliche einen neuen Tanztrend: den Jumpstyle. Scooter eroberten mit dem passenden Soundtrack die UK-Charts, auf YouTube messen sich "Jumper" in Videos, selbst Tanzschulen bieten Kurse an. Der Guru der Bewegung ist mittlerweile eine Superstar.
Von Ann Kathrin Kleist und Jenny Stümer

Nico springt in die Luft, stößt dabei die Beine entweder nach vorne oder nach hinten. Teilweise zweimal in die gleiche Richtung. Aber immer auf den Beat genau. Nie sind zwei Füße gleichzeitig auf dem Boden. Der 19-Jährige ist "Jumpstyler". Am liebsten tanzt er mit seinen Freunden am Berliner Alexanderplatz oder vor dem Brandenburger Tor.

Erste deutsche Meisterschaft

Jumpstyle – das ist zunächst eine Musikrichtung. Hervorgegangen ist sie aus dem amerikanischen Hardhouse. Heute feiert sie riesige Erfolge: Erst kürzlich fegten Scooter mit ihrem Song "Jump All Around The World" Madonna aus den britischen Charts. Der Jumpstyle ist aber auch ein Tanzstil, eine merkwürdige Mischung aus Cancan, Breakdance und Square-Dance. Er bringt ganze Clubs zum Hüpfen. Jugendliche aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Österreich, Großbritannien und Deutschland sind ihm bereits erlegen. Im Februar nahmen 160 Jumper an der ersten deutschen Meisterschaft teil.

Ursprünglich kommt der Jumpstyle aus Chicago. Dort tanzten Jugendliche zu amerikanischen Hard-House-Beats. In abgwandelter Form hat er sich schließlich über das Internet verbreitet. Der 19-jährige Patrick Manizz, alias Patrick Jump, lud im Jahr 2006 ein Video hoch, auf dem er im elterlichen Hinterhof jumpte und die Tanzschritte erklärte. Über 20 Millionen Mal ist die Aufnahme des Niederländers schon aufgerufen worden. Seine DVD "Jump, How To" machte ihn 2007 zu einem Superstar.

Jumpstyle auf dem Lehrplan

Heute ist der Jumpstyle vom Szenetrend zur Massenkultur geworden: In einer belgischen Grundschule steht er bereits auf dem Lehrplan. Und auch die Tanzschulen wollen dem Trend folgen: In der Tanzschule Keller in Berlin hat man aufgrund der hohen Nachfrage bereits einen Kurs eingerichtet. Tanzlehrer Matthias Hartman hat sich zur Freude seiner Schüler das Jumpen schnell angeeignet. Der 26-Jährige und seine Schüler legen jetzt nicht mehr nur den perfekten Walzer, Tango oder Foxtrott aufs Parkett: Sie werfen mittlerweile genauso schwungvoll die Beine in die Luft wie ihre Vorbilder auf Youtube. Statt "Drehung links und um Sie herum" heißt es nun: "Sprung vor, Sprung links und – könnt ihr noch?"


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