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Tatjana Gsell: Rummel um das Luxusweib im Untersuchungsknast

Society-Lady Tatjana Gsell sitzt wegen Verdachts der Anstiftung zum Mord an ihrem Ehemann in Untersuchungshaft. Der 76-jährige Schönheitschirurg Franz Gsell war von zwei Unbekannten in seiner Villa überfallen worden.

Bernhard Wankel kann sich nur noch wundern. Das starke Medieninteresse im Fall "Tatjana Gsell" hat selbst den erfahrenen Nürnberger Justizpressesprecher überrascht. "Ich habe mir zwar gedacht, dass jetzt was kommt, aber über einen solchen Rummel war ich schon erstaunt", erzählt der 48-Jährige. Seit die 31-jährige Tatjana Gsell Ende April wegen der Verdachts der Anstiftung zum Mord an ihrem Ehemann in Untersuchungshaft sitzt, steht das Telefon in Wankels Büro nicht mehr still.

Festnahme am 24.April

Der 76-jährige Schönheitschirurg Franz Gsell war am 5. Januar von zwei Unbekannten in seiner Villa im vornehmen Nürnberger Stadtteil Erlenstegen überfallen und brutal niedergeschlagen worden. Am 26. März erlag er seinen Verletzungen. Tatjana Gsell, mit der er in zweiter Ehe seit 1991 verheiratet war, wurde am 24. April festgenommen.

Medieninteresse an Zellenausstattung

Gleich am Morgen nach der Inhaftierung habe ihn der erste Journalist um 6.30 Uhr auf seinem Diensthandy angerufen. "Da hatte ich noch nicht einmal gefrühstückt", schildert Wankel. Ob der "Daily Telegraph" in England, die "Weltwoche" in der Schweiz oder zahlreiche Tageszeitungen aus Österreich und dem gesamten Bundesgebiet: Sie alle wollen wissen, wie die 31-jährige "Luxusfrau" in ihrer knapp zwölf Quadratmeter großen Zelle in der Untersuchungshaft lebt, welche Speisen sie serviert bekommt und welchen Besuch sie erhält.

Persönlichkeitsschutz für Frau Gsell

Doch die meisten Fragen kann Bernhard Wankel wegen des Persönlichkeitsschutzes überhaupt nicht beantworten. "Viele wollen auch wissen, wieso die Polizei darauf gekommen ist, dass Frau Gsell etwas mit dem Tod ihres Mannes zu tun haben könnte", schildert der Justizsprecher. Auch hier müsse er die Journalisten vertrösten - aus ermittlungstaktischen Gründen.

Voyeurismus und Schadenfreude

Warum das Interesse der Medien in aller Welt plötzlich auf die Witwe eines reichen Schönheitschirurgen aus Nürnberg gerichtet ist, lässt sich nur erahnen. "Sicher spielen hier Voyeurismus und Schadenfreude eine Rolle", erklärt Soziologie-Professor Siegfried Lamnek von der Universität Eichstätt-Ingolstadt. "Vor allem, weil in diesem Fall alles zusammenkommt, was irgendwie außergewöhnlich ist." So war die mutmaßliche Täterin - eine ehemalige Arzthelferin aus der oberfränkischen Provinz - nicht nur mit einem 45 Jahre älteren Mann verheiratet, sondern stellte ihren neu gewonnenen Reichtum auch noch allzu gerne in der Öffentlichkeit zur Schau.

Unterwäsche für 15 000 Euro

In immer neuen Beiträgen breiten Boulevardblätter das einst so verschwenderische und luxuriöse Leben der jungen Witwe aus und berichten über ausgiebige Shopping-Touren, etwa nach Paris, um sich Unterwäsche für 15 000 Euro anfertigen zu lassen. Dazu werden gerne Fotos von der jungen Frau gezeigt, wie sie sich in der luxuriös ausgestatteten Villa ihres Ehemannes räkelt oder vor Sportwagen in aufreizenden Minikleidern posiert. Auch aus ihren Schönheitsoperationen wird kein Hehl gemacht. Ihr Ehemann habe sie "innerlich wie äußerlich" verändert, heißt es.

50 000 Euro Taschengeld

Nun, da die "Society-Lady" im Gefängnis sitzt, versäumen es die Medien auch nicht, immer wieder aufs Neue darauf hinzuweisen, wie verschwenderisch die junge Ehefrau doch mit dem hartverdienten Geld ihres Mannes umgegangen sei, weil sie es fertig gebracht habe, monatlich 50 000 Euro als Taschengeld auszugeben.

Medien schaffen Interesse

"Die Medien bringen solche Geschichten gerne, weil sich der Leser dann selber auf die Brust klopfen und sagen kann: Schaut her, die ist schlecht, aber wir sind die Guten", erklärt Lamnek. Doch die Öffentlichkeit, da ist sich Lamnek sicher, sei nicht unbedingt von sich aus an jedem mitunter auch noch peinlichen Detail einer Geschichte interessiert. "Die Medien schaffen dieses Interesse, indem sie über solche Einzelheiten berichten und sie ausführen", kritisiert Lamnek. "Durch dieses Angebot produzieren sie aber erst die Nachfrage."

Wie sehr das Angebot bis zum möglichen Prozessbeginn gegen Tatjana Gsell noch ausgeweitet wird, bleibt nur zu vermuten. Justizsprecher Wankel jedenfalls graut schon vor dem Tag "X": Ich befürchte, dass wird dann mindestens nochmal so einen Aufruhr geben."

Von Brigitte Caspary