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Thomas Hitzlsperger: Verkehrsrowdy auf Jobsuche

Was für ein Abstieg: Einst ein Liebling des Bundestrainers, fährt Fußballer Thomas Hitzlsperger jetzt durch England, um sich einen Job zu suchen. Dabei hält sich der "Hammer" zwar nicht an Verkehrsregeln, darf seinen "Lappen" aber behalten.

Von Jens Maier

Er war Deutscher Meister und ein Musterschüler von Bundestrainer Jogi Löw. In England nannten sie ihn ob seiner Schusskraft nur "The Hammer". Doch von seiner ruhmreichen Vergangenheit ist Fußballer Thomas Hitzlsperger nicht viel geblieben. Zunächst verlor er in Stuttgart seinen Stammplatz, dann wechselte er zu Lazio Rom, flog vor der WM aus der Nationalmannschaft und ging nach England. Hier knüpfte er nie an alte Erfolge an, verletzte sich, spielte kaum, stieg ab. Mit nur 29 Jahren ist der 52-fache Nationalspieler jetzt am vorläufigen Tiefpunkt angekommen. Er fuhr satte 60 Stundenkilometer zu schnell, pochte aber dennoch erfolgreich auf seinen Führerschein. Begründung des inzwischen Arbeitslosen: Er brauche die Fahrerlaubnis zur Jobsuche.

In Deutschland würden Hitzlsperger ein Bußgeld von 240 Euro, vier Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot drohen. Auch die britischen Behörden wollten ihm deshalb den Führerschein abnehmen. Doch der Fußballprofi, zuletzt bei West Ham United unter Vertrag, hatte mit seiner Begründung Erfolg. Am 9. April war Hitzlsperger mit seinem Range Rover auf der Autobahn A14 in der Nähe von Suffolk unterwegs, berichtet die britische Tageszeitung "Daily Mail". Auf der Strecke, auf der nur 70 Meilen pro Stunde (zirka 112 Stundenkilometer) erlaubt sind, hatte es der ehemalige deutsche Nationalspieler offenbar ziemlich eilig. Dumm nur, dass er in eine Radarfalle tappte. Laut Lasermessung soll Hitzlsperger 107 Meilen pro Stunde (zirka 172 Stundenkilometer) schnell gefahren sein, und damit 37 mph mehr als erlaubt – genug, um ihm den Führerschein wegzunehmen. Der "Hammer" wird zum "Speedster".

Straßenrowdy kam mit Geldstrafe davon

Nach britischem Gesetz droht ab einer Geschwindigkeitsübertretung von mehr als 36 Meilen pro Stunde ein Fahrverbot zwischen einem und zwölf Monaten. Da Hitzlsperger seinen Wohnsitz in Großbritannien hat, wäre der Führerscheinentzug auch dort möglich gewesen. Doch dank der kuriosen Begründung kam der deutsche Straßenrowdy mit einer Geldstrafe von 850 Pfund (966 Euro) und sechs Punkten im britischen Verkehrsregister davon.

Hitzlsperger würde derzeit auf der Suche nach einem neuen Club durchs Land fahren, führte sein Verteidiger Craig Harris an. Er ist derzeit in der Tat auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber, nachdem sein Vertrag bei West Ham ausgelaufen ist. Doch die Entscheidung der Behörden, ihn wegen dieser Begründung mit einer Geldstrafe davonkommen zu lassen, erhitzt in Großbritannien die Gemüter.

"Es ist komplett irrelevant, dass er arbeitslos ist, denn er ist kein finanzieller Härtefall", sagte Julie Townsend von der Organisation "Brake", die sich für die Sicherheit auf britischen Straßen einsetzt. Dass Hitzlsperger weiterhin eine Fahrerlaubnis besitze, bezeichnete sie als "entsetzlich", da er mit seiner Fahrweise Menschenleben gefährde. "Jeder, der einen Verstoß in diesem Ausmaß begeht, gehört runter von der Straße", sagte sie der "Daily Mail".

"Er kann sich wohl einen Chauffeur leisten"

Auch viele Leser geben sich empört und sparen nicht mit hämischen Kommentaren auf der Website der Zeitung: "Eine Regel für die Armen, eine andere für die Reichen … und für die Fußballer", beschwert sich ein User über die Vorzugsbehandlung für Hitzlsperger. Ein anderer sagt: "Der kann doch Bus oder Bahn benutzen, wie andere Leute auch. Und als Millionär kann er sich wohl auch einen Chauffeur leisten." Die britischen Behörden haben ihre Entscheidung inzwischen verteidigt. "Hitzlsperger fährt seit sechs Jahren im Vereinigten Königreich Auto und ist nie im Straßenverkehr auffällig geworden", beschwichtigt Staatsanwältin Lesla Small. Außerdem habe sich der Deutsche einsichtig gezeigt.

Und so wird es im Vereinigten Königreich wohl weiterhin heißen: Freie Fahrt für Hitzlsperger. Ob der Absteiger mit seinem Jobmobil allerdings auch einen neuen Verein findet?