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Tochter für Victoria und Daniel: Schweden feiert das No-Name-Baby

Schweden ist aus dem Häuschen: Kronprinzessin Victoria hat eine Tochter zur Welt gebracht. Die Skandinavier skandieren "Hurra", essen Prinzessinentorte und feiern eine Art Geburtskarneval.

Von Swantje Dake

Ein Baby erblickt das Licht der Welt - und ein Land dreht durch. In der Nacht gebar Kronprinzessin Viktoria von Schweden ihr erstes Kind. Prinz Daniel trat um 7 Uhr im Karolinska Krankenhaus vor die versammelte Presse des Landes und verkündete, sichtlich bewegt: "Heute Morgen, um 4.26 Uhr, wurde eine 51 Zentimeter große und 3280 Gramm schwere sehr süße, kleine Prinzessin geboren", Mutter und Kind sind wohl auf. Der Prinz hat eigenhändig die Nabelschnur durchtrennt. Jauchzer und Jubel von den Journalisten. Was für eine Nachricht zum Frühstück!

Ein namenloses Geschöpf verzückt

Seitdem drehen die Medien des Landes auf: Livesendungen, Diskussionsrunden, mittags gab es Extraausgaben der Zeitungen, Schalten vors Krankenhaus und vor das Schloss im Zentrum Stockholms. Der Arzt wird interviewt ("das Ganze ging recht flott"), Freunde der jungen Eltern gratulieren, Wildfremde tragen sich in Gratulationsseiten im Internet ein. In Ocklebo, dem Heimatort Daniels, fahren Autos mit Flaggen durch die Innenstadt. Die Stimmung wird als "karnevalsartig" beschrieben. Der Auftritt von Prinz Daniel wird gefeiert, bei Twitter etablierte sich der Hashtag #prinsdaniel. Seine Aussage: "Meine Gefühle sind 'all over the place'" könnte in Schweden Kult werden. Wie auch schon sein emotionaler Auftritt bei der Hochzeit für Aufsehen gesorgte hatte.

Noch ist das erste Enkelkind von König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia offiziell ohne Namen. Daniel und Victoria haben sich bereits auf einen geeinigt. Aber erst am morgigen Freitag wird, wenn der König das Parlament darüber informiert hat, verkündet, wie die Kleine heißen wird. Ulrika, Sophia, Astrid, Margareta, Désirée, Alice und Christina stehen hoch im Kurs. Hofexperte Roger Lundgren wagte den Tipp: "Ich glaube, das Kind wird vier Namen bekommen."

Torte, Windeln und Versicherungen

Dem Onkel, Prinz Carl Philip, wurden in aller Herrgottsfrühe Mikrofone unter die Nase gehalten ("ich bin sehr glücklich"). In Fernsehsendungen wird über die Paten spekuliert (vermutlich das norwegische oder das dänische Kronprinzenpaar). Auch der Pastor, der die Taufe übernehmen wird, hat schon verkündet, dass die Psalme für die Taufe gemeinsam mit den Eltern ausgesucht werden. Und vor dem Krankenhaus warten Fotografen und Kameraleute darauf, dass das königliche Trio die Klinik verlässt.

In den Büros wird unterdessen "Princesstårta", eine mehrschichtige Biskuittorte mit Erdbeercreme, Sahne und grüner Marzipanschicht, angeschnitten. Meldungen zur Folge wird die traditionell zum Geburtstag verspeiste Süßspeise bereits Mangelware in Bäckereien und Supermärkten. Nebenbei wird diskutiert, dass auch das königliche Elternpaar Kindergeld bekommt, aber nur Prinz Daniel ein Anrecht auf das Elterngeld hat, da nur er sein Einkommen versteuern muss. Unter der Voraussetzung, dass er sein Fitnessstudio weiter betreibt, kann er pro Tag 935 Kronen (circa 90 Euro) erhalten. Ein Windelhersteller lobt doppelte Bonuspunkte beim heutigen Einkauf im Onlineshop aus. Eine Versicherung wirbt mit ihren Angeboten für Kinderversicherungen, mit dem kleinen Hinweis, dass sie zu gern auch den Thronfolger versichern würde.

Massenauflauf und Skepsis

Punkt 12 Uhr wurden vor dem Stockholmer Schloss 42 Salutschüsse zu Ehren der Thronfolgerin abgegeben. Bei blauem Himmel und Sonnenschein pilgerten Hunderte in ihrer Mittagspause zum Schloss. Am morgigen Freitag werden in mehreren Städten Salutschüsse abgefeuert.

Die Aufregung und der Jubel verwundern ein wenig. Denn das Königshaus ist in Schweden nicht unumstritten. Immer wieder wird im Königreich diskutiert, dass die Monarchie enorme Summen an Steuergeldern verschlingt. Zudem hat das Image der Familie besonders im vergangenen Jahr gelitten. Eine nichtautorisierte Biografie enthüllte, dass der König beste Kontakte im Rotlichtmilieu haben soll. Zudem hatte Königin Silvia die geschäftlichen und politischen Aktivitäten ihres Vaters während der Nazizeit verteidigt. Victoria und Daniel werden hingegen als modernes Paar wahrgenommen, die die angestaubte Monarchie verändern könnten. Die beiden lernten sich 2002 kennen, als Daniel Fitnesstrainer der Kronprinzessin wurde. Lange hatten Victorias Eltern gegen die Beziehung gekämpft und den bürgerlichen Schwiegersohn dann doch akzeptiert. Märchenhaft - das fasziniert selbst die bodenständigen, realistischen Schweden.

In einem Kommentar der konservativen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" wird die Beständigkeit der Monarchie in dieser schnelllebigen Zeit bejubelt. "Das kleine Mädchen wird eines Tages alle Schweden repräsentieren und ein Symbol für das Land werden." Nach dem amtierenden König Carl Gustaf wird Kornprinzessin Victoria den Thron besteigen. 1980, also nach der Geburt von Victorias Bruders Carl Philip, wurde in Schweden die Thronfolge-Regelung geändert, um zu garantieren, dass Erstgeborene unabhängig vom Geschlecht Anspruch auf die Krone haben. Nach Victoria steht dann die Neugeborene in der Thronfolge. Regierungschef Fredrik Reinfeldt freute sich bereits an ihrem Geburtstag auf die neue Ära der Königinnen für Schweden.