Trauerfeier "Mosi - wir sagen leise Servus"


Bei dichtem Schneetreiben haben in München Tausende Menschen mit einer Gedenkfeier und einem Trauerzug Abschied von dem ermordeten Modeschöpfer und Paradiesvogel Rudolph Moshammer genommen.

Die Menschen haben Tränen in den Augen, viele kommen mit Blumen: Der Mord an dem Modeschöpfer Rudolph Moshammer bewegt München wie kaum ein anderer Todesfall. In einer mehrstündigen Zeremonie nahmen am Samstag Moshammers Freunde und Bekannte, aber auch tausende Münchner Bürger von dem 64-Jährigen Abschied. "Jetzt gibt es noch einen Münchner im Himmel", heißt es. Manche reisten eigens von weit her an - wie die Verkäuferin aus Köln, die mit ihrer Yorkshire-Hündin "Tapsi" eine Daisy-Doppelgängerin dabei hat. Die echte Daisy wohnt mit einer schwarzen Schleife auf dem Arm von Moshammers Chauffeur der Zeremonie bei.

Rund 15.000 säumen nach der Trauerfeier in der Allerheiligen- Hofkirche die Straßen, um durch die Scheiben des Leichenwagens einen Blick auf den mit weißen Lilien und Rosen sowie Büscheln roter Nelken geschmückten Sarg zu werfen. Mancher folgt dem Zug, jemand trägt ein Pappschild mit der Aufschrift: "Mosi - wir sagen leise Servus". Sogar im Rollstuhl rollt jemand den schwarzen Karossen hinterher. In dem Tross fehlt einzig Moshammers rot-silberner Rolls-Royce-Oldtimer - das Gefährt aus dem Jahr 1954 wollte am Morgen einfach nicht anspringen.

Tausende trotzen der Kälte

Schon am Morgen waren bei frostigen Temperaturen und Schneetreiben die Ersten zum Ostfriedhof gekommen, um sich dort einen guten Platz für die Beisetzungszeremonie zu sichern. Dutzende Grablichter brannten auf den Stufen des Mausoleums. Manche tragen Marien- und Jesusbilder, dazwischen prangen Grablichter mit "Mosi"-Konterfei.

Lange Schlangen bildeten sich zugleich an den Kondolenzbüchern am Brunnenhof der Residenz, wo die Trauerfeier auf einer Leinwand übertragen wurde. Manche kamen in skurrilen Barock-Gewändern, zeigten sich als Paradiesvögel wie Moshammer selbst es so sehr liebte. "Ich bin auch König-Ludwig-Fan", gibt ein herausgeputzter junger Mann in schwarzem Mantel und Rüschenhemd zu Protokoll - schnell ist er von TV-Teams und Fotografen umringt.

Ärger über den Rummel

Manchem stößt der Rummel um Moshammer und seine Beerdigung sauer auf. Politiker und Kirchenvertreter sprechen von einem "Spektakel", das schon an ein "Staatsbegräbnis" erinnere. Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) zeigte sich vor allem über die Trauerfeier in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz überhaupt "nicht erfreut". In den historischen Räumen dürften "nur würdige Veranstaltungen" stattfinden, sagte der Hausherr der Residenz der Münchner "Abendzeitung".

Die Menschen auf den Straßen sehen das anders. "Das war in seinem Sinne - es kann gar nicht pompös genug sein", meinte ein Schneider, der zusammen mit einem Freund in fantasievoller Barockkleidung eigens aus dem Rheinland angereist ist. "Wenn der Rudi heute selbst Regie geführt hätte, er hätte es nicht besser gemacht", sagt auch der ehemalige TSV 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser senior dem Fernsehsender N24. Eine Münchnerin sieht "Mosi" gar als "heimlichen König von München". Majestätisch sei der Modeschöpfer zuweilen aufgetreten, wie "ein kleiner Sonnenkönig".

100 Leute im Einsatz

Einen "gut fünfstelligen" Euro-Betrag habe die Trauerfeier gekostet, sagt Leibwächter Werner Wittek. "Jetzt heißt es, es sei des Guten zu viel", sagt er. "Aber der Bürger will es ja." Allein von Witteks Sicherheitsdienst PSD waren 100 Leute im Einsatz, um für einen geordneten Ablauf zu sorgen. Gewissenhaft weisen die Ordner die Menge an der Kirche in ihre Grenzen: "Hinter die Absperrung bitte", heißt es streng, obwohl gar keine Absperrung in der Nähe ist. Wortlos und sichtlich ergriffen verlassen Roberto Blanco, Ottfried Fischer und Patrick Lindner die Trauerfeier.

Hochbegehrt sind unterdessen die Sterbebildchen, die bei der Trauerfeier und auf dem Friedhof verteilt wurden und nur eine Auflage von 10.000 Stück haben. Fans bieten bereits im Internetauktionshaus Ebay mehr als 50 Euro für das Kärtchen. Auch Autogramme, Moshammer- Karnevalsperücken und Originalfotos sind derzeit hochbegehrt. "Moshammer war eine Kultfigur - nur logisch, dass es jetzt einen Kult um ihn gibt", meint eine Besucherin.

Jan Brinkhus und Sabine Dobel/DPA DPA

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