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Türck-Prozess: Die verlorene Glaubwürdigkeit der Katharina B.

Im Vergewaltigungsprozess gegen den Ex-TV-Talker Andreas Türck tauchen immer mehr Zweifel an dem Unwillen des mutmaßlichen Opfers auf. Gutachter stellten bei der Frau eine "Wahrnehmungsverzerrung" fest.

Zwei Gutachter haben im Vergewaltigungsprozess gegen Ex-Fernsehmoderator Andreas Türck die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers Katharina B. bezweifelt. Der Berliner Psychologieprofessor Max Steller sagte vor dem Landgericht Frankfurt, die 29 Jahre alte Bankkauffrau habe eine Neigung, Spekulationen aufzustellen. Der Realitätsgehalt ihrer Aussagen zu der angeblichen Vergewaltigung sei nicht nachvollziehbar.

Steller sprach, wie die erste Gutachterin Edda Gräfe, vom potentiellen Opfer als einer "emotional instabilen Persönlichkeit". Es könne sein, dass der Oralsex mit Türck mit ihrem Einverständnis geschehen sei. Darüber habe es vermutlich bei ihr später eine "Wahrnehmungsverzerrung" gegeben.

In dem Prozess vor der 27. Großen Strafkammer wird dem ehemaligen Fernsehmoderator zur Last gelegt, die Bankkauffrau im August 2002 nach einem Kneipenbesuch auf einer Brücke am Frankfurter Osthafen misshandelt und zum Oralsex gezwungen zu haben.

Erst Widersprüche, dann Erklärungen

Steller verwies in seinem Gutachten auf Widersprüche in den Aussagen der Frau, wobei sie "sehr schnell Erklärungen für die Widersprüche parat hatte". Nach dem Gutachten schloss die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock die Beweisaufnahme. Am Dienstag sind die Plädoyers der Staatsanwaltschaft vorgesehen.

Beim Abschluss der Vernehmung der ersten Gutachterin Gräfe war es zu Spannungen zwischen ihr und der Staatsanwaltschaft gekommen. Staatsanwältin Nadja Niesen hielt der Psychologin das Ergebnis einer Statistik vor, wonach die ihr prognostizierte "unbewusste Falschaussage" der 29-Jährigen in der Praxis so gut wie nicht vorkomme. Einzelheiten zu der Statistik konnte Niesen jedoch nicht nennen. Darüber hinaus zweifelten die beiden Anklagevertreter an der Neutralität des Gutachtens. Gräfe hatte bei der Befragung erneut erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers geäußert und festgestellt, dass die "Konstanz der Angaben der Zeugin nicht hinreichend erfüllt" sei.

DPA / DPA