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"heute wichtig" Politische Filter & verbotene Interviews – wie der NDR seine Glaubwürdigkeit verspielt

NDR Kiel heute wichtig
NDR in Kiel: Nur lückenlose Aufklärung kann die Glaubwürdigkeit des Senders wiederherstellen.
© Axel Heimken / DPA
"Politische Filter", gekürzte Interviews, untersagte Gespräche. Beim NDR Kiel herrscht Fassungslosigkeit über die Dimension der Vorwürfe, die der stern aufgedeckt hat. Investigativ-Journalist Markus Frenzel hat den Skandal ins Rollen gebracht.

Die Mitarbeiter:innen des Landesfunkhauses Kiel hatten in dieser Woche überlegt, ob sie überhaupt senden wollen, so fassungslos ist man dort. Der Direktor des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holsteins, Volker Thormählen ist nun für einen Monat im unbezahlten Urlaub, um sich den Vorwurf nicht gefallen lassen zu müssen, er würde die Aufklärung behindern. Denn mit dem NDR steht auch für die gesamte ARD das wohl größte Gut auf dem Spiel, die Glaubwürdigkeit.

NDR wirbt mit Investigation

Gerade der NDR präsentiert sich gerne als unbequem, äußerst kritisch, wirbt mit seinem investigativen Journalismus. Der Investigativjournalist von RTL Deutschland, Markus Frenzel hat die Missstände recherchiert. Im Gegensatz zum rbb-Skandal, bei dem es um abgerechnete Spesen, Dienstwagen und dem Ausbau der Intendantinnen-Etage ging, ist der NDR-Fall ein ganz anderer: "Bei Geld kann man sagen: Das geht jetzt nicht mehr, jetzt ist Schluss, nur wie kann ich nachweisen, dass ich politisch objektiv in Zukunft berichten werde, dass ich nicht voreingenommen bin, dass ich keine Filter habe? Das sieht ja der Zuschauer an sich ja erst mal nicht", sagt er in der 353. Ausgabe des Podcasts "heute wichtig".  

Konkret geht es zum Beispiel um die Alkohol-Fahrt eines hochrangigen Politikers: "Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, einer der engsten Vertrauten des Ministerpräsidenten Daniel Günther, ist unter Alkoholeinfluss Auto gefahren, vom Parlament zu seinem Hotel, wo er immer während der Sitzungswoche genächtigt hat. Er hat dann dort auf dem Parkplatz mehrere Autos gerammt, ist dann in das Hotel gegangen, hat dann gesagt, ich habe jetzt hier Autos gerammt, bitte rufen Sie die Polizei und ist dann zur Bar und hat weitergetrunken. Der Vorgang wurde dann publik und so gut wie alle Zeitungen im Land haben dann darüber berichtet – aber nicht der NDR. Dazu muss man wissen, dass es eine Besuchergruppe bei diesem Abgeordneten gab an dem Tag davor, wo dann auch Alkohol getrunken wurde, und da war der stellvertretende Politikchef vom NDR dabei. Und da muss die Frage erlaubt sein: Gibt's da einen Zusammenhang?", so Markus Frenzel.  

Zu viel Nähe muss kein Problem sein  

Dabei ist die Nähe zwischen Politik und Jornalist:innen erst mal kein Problem, so Markus Frenzel: "Ich bin investigativer Journalist und dafür muss man eigentlich sehr, sehr nah rankommen. Nur darf Nähe nicht zu einem Problem werden, dass ich, je näher ich rankomme, dann irgendwo die Position der Struktur, der Person, der Partei, übernehme. Ich muss versuchen meinen kritischen Blick immer zu wahren, egal, wie nah ich da dran bin. Und Nähe heißt an sich ja nicht Kumpanei, das wäre das Schlimmste, was es gibt im Journalismus."

Der NDR bemüht sich nun um Aufklärung, Intendant Joachim Knuth war im Landesfunkhaus Kiel und hat den Mitarbeiter:innen versprochen, mit viel Transparenz den Skandal aufzuklären. Investigativjournalist Frenzel arbeitet aktuell noch weiter an dem Fall und bestimmt wird es noch Einiges geben, was in den nächsten Wochen ans Tageslicht kommen wird. Eine lückenlose Aufklärung kann auch nur im Sinne des NDR sein, um die Glaubwürdigkeit der Zuschauer:innen wieder herzustellen.

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

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nik

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