Vergewaltigungs-Prozess Türcks bester Freund muss aussagen


Es steht Aussage gegen Aussage, wenn heute der Vergewaltigungs-Prozess gegen TV-Moderator Andreas Türck beginnt. Mit Spannung werden vor allem die Zeugen-Aussagen erwartet, darunter die seines besten Freundes.

Wegen Vergewaltigung und Körperverletzung muss sich der ehemalige TV-Star Andreas Türck ab heute vor Gericht verantworten. Das Landgericht Frankfurt am Main muss darüber entscheiden, ob der 36-Jährige vor drei Jahren eine damals 26-jährige Frau vergewaltigt und ihren Kopf gegen ein Brückengeländer geschlagen hat. Bei dem Fall steht Aussage gegen Aussage, bei einer Verurteilung drohen Türck mindestens zwei Jahre Gefängnis.

Seit Bekanntwerden der Ermittlungen im März 2004 hat sich der ehemalige TV-Star komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In seinem einzigen Statement hatte er erklärt, "an der Sache ist nichts dran", er habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Laut Medienberichten räumte Türck zwar ein, dass es zu Oralverkehr gekommen sei, dies sei aber in gegenseitigem Einverständnis geschehen.

Der Vorwurf

Am 25. August 2002 soll der damals 33-Jährige nach einem Discobesuch in Frankfurt die damals 26-jährige Frau auf einer Brücke vergewaltigt und mindestens einmal ihren Kopf gegen das Brückengeländer geschlagen haben. In seinem Auto nahm er laut Staatsanwaltschaft neben der 26-Jährigen eine weitere Frau und einen Mann mit. Auf der Brücke seien alle ausgestiegen, und Türck habe zu der jungen Frau gesagt: "Ich will dir mal eben das tolle Hochhaus-Panorama zeigen." Er habe sie dann gegen das Geländer geschlagen und vergewaltigt. Das Verbrechen habe sich einige Meter von den Begleitern entfernt abgespielt, die als Zeugen vorgeladen sind. Darunter der beste Freund von Andreas Türck, dem während des Prozesses eine Schlüsselrolle zukommen könnte. Sagt er gegen Türck aus, könnte dies entscheidend für das Urteil sein.

Das Besondere an diesem Fall ist die Tatsache, dass die Frau sich nicht an die Polizei und erst recht nicht an die Presse wandte. Deswegen könne sie nicht in die "Promi-Luder-Ecke" gestellt werden, sagt ihre Anwältin Friederike Vilmar. Die Ermittlungen gegen Türck kamen ins Rollen, nachdem sich die Frau telefonisch einem Bekannten anvertraut hatte, dessen Telefon überwacht wurde.

Ein Gutachten attestiert dem Opfer "Wahnvorstellungen"

Die Staatsanwaltschaft ermittelte und erhob schließlich Anklage wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung. Voraussichtlich bis zum 8. September verhandelt nun die 27. Große Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz der Richterin Bärbel Stock.

Türcks Anwälte erklärten, beide Zeugen hätten übereinstimmend ausgesagt, dass sie keine Gewalteinwirkung, keine Schreie, Hilferufe oder Abwehr bemerkt hätten. Ein Gutachten attestiere die Möglichkeit von Wahnvorstellungen bei der Frau, zudem habe ein anderes Gutachten den Nachweis erbracht, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt "erheblich alkoholisiert" gewesen sei. Die Verteidigung gehe davon aus, "dass die Aussage der Zeugin im Wesentlichen durch eine psychische Erkrankung zu erklären ist".

Kurzer Abriss über Andreas Türck

Andreas Türck ist seither komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden. Er hatte nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann ein Publizistik-Studium in Mainz begonnen und 1993 seinen ersten Moderationsjob bei Radio Salü in Saarbrücken übernommen. Erste Bekanntheit brachte ihm 1995 die Moderation von "Dalli Dalli" beim ZDF. Im Februar 1998 ging Türck bei ProSieben mit seiner täglichen Talk-Show "Andreas Türck" auf Sendung.

Bei Bekanntwerden der Vorwürfe hatte Türck gerade mit der Moderation der "Chart Show" bei ProSieben begonnen. Der Sender beurlaubte ihn zunächst bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe. Zur weiteren Zukunft sagt Sprecher Nico Wirtz der AP, Türck habe sich "ganz bewusst dafür entschieden, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, das respektieren wir". Zur Frage, ob ProSieben bei entsprechender Bereitschaft Türcks wieder mit diesem zusammen arbeiten werde, wollte der Sender keine Stellung nehmen.

AP AP

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