Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer Clever & Bart


Kurz vor seinem 50. Geburtstag kommt das Leben des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer gehörig in Fahrt. Soeben hat er der Weltöffentlichkeit die Schauspielerin Veronica Ferres als neue Liebe vorgestellt. Jetzt kriegt der umstrittene Finanzberater auch noch einen noblen Posten in der Schweiz. Wie macht der Mann das nur?!
Von Ulrike Posche

Als der Wirt des "Gallo Nero" ihm das Graupenrisotto serviert, sagt Carsten Maschmeyer: "Grazie." Nach dem Essen ordert er das "Conto per favore". Der Mann aus Hildesheim- Drispenstedt will jetzt keine Fehler mehr machen. Er will bescheiden wirken, gewandt sein und fein. Maschmeyer trägt einen gediegen taillierten Anzug, eine Armbanduhr von gebotener Größe. Die Nägel sind perfekt gefeilt, er trinkt morgens Karottensaft statt Kaffee. Vor jeder Antwort atmet er einmal tief ein und aus. Bloß kein Risiko eingehen, an die Zukunft denken, nichts Unüberlegtes sagen! Deshalb die Graupen, das Italienische und die Atempausen.

In sechs Wochen wird Carsten Maschmeyer in seinem Bemühen, ein Finanz-Tycoon zu werden, ein entscheidendes Stück vorangekommen sein. Wenn alles gut geht und die Generalversammlung ihn wählt, zieht der Gründer des größten europäischen Finanzdienstleisters AWD dann in den Verwaltungsrat des Schweizer Versicherungskonzerns "Swiss Life Holding AG". Aber das ist noch lange nicht alles!

Gerade nämlich hat er der Weltöffentlichkeit Veronica Ferres als neue Freundin präsentiert. Er spielt jetzt in - sagen wir es doch -, in der Sarkozy-Bruni-Class. Und seine Freunde staunen: Ausgerechnet der Maschi! Einer, der sich so gut wie nichts im Fernsehen anguckt, ist nun mit der Frau vom Checkpoint Charlie, dem Superweib des deutschen Fernsehens, der Bundes-Blondine Ferres liiert!

Er blüht jetzt nicht nur im Glück, sondern auch noch im Glanz.

Wie in Hollywood

Als sich die beiden vor zwei Wochen offiziell und öffentlich bei einem Museumsdinner in Wolfsburg zu erkennen gaben, hat er schon einmal versucht, alles richtig zu machen. Anfangs funktionierte das wie in Hollywood. Sie kam mit dem Flieger, er stand mit der Limo am Flughafen, dann Fahrt ins Hotel "The Ritz", Anstecken eines Mehrkaräters. Strahlen beiderseits.

Vroni und Maschi. Es ist eine triftige Verbindung: Die erfolgreiche Schauspielerin hatte schon immer Männer mit komischen Bärten. Jetzt hat sie einen mit Bart und eigenem Geld. "Wir sind auf Augenhöhe", sagt der Berufsvertriebler. Veronica ist 1,82 ohne Schuhe, Carsten sieben Zentimeter länger. Zwei große Ungeliebte haben sich gefunden. Zwei, die sich nie mit einem "K" im Namen begnügten.

Dann wurde es furchtbar. Sein lila Schlips passte nicht zum roten Teppich, Fotografen, schiefes Lächeln, RTL-Interviews. "Es knistert", notierten die Boulevard-Journalisten. Dabei hat es eigentlich mehr gebammelt. Manchmal versuchte er, ihre Hand zu nehmen, doch da war schon die Clutch-Bag. "Ich mache Wirtschaft und Finanzen, und Veronica macht ihren Beruf ", sprach er tapfer in die Mikrofone. "Carsten Maschmeyer und ich, wir werden uns jetzt erst einmal besser kennenlernen", sagte sie. Große Romanzen hören sich anders an.

Glücksmeyer im Medienrummel

"Wie nennen wir ihn denn?", fragte ein Chefredakteur den AWD-Sprecher. "Maschi!", antwortete der. "Das reicht nicht, das müssen wir paraphrasieren", erklärte der Chefjournalist da. The Beauty and the Schnauz, Glücksmeyer, Veronicas Lenz ist da - so was in der Art! Da schien der Glücksmeyer allerdings schon reichlich genervt zwischen dem "virtuellen Sushi", das es an jenem Abend gab, und den Fotobildern des Meisterkünstlers Andreas Gursky. Sie hatte ihm gesagt, dass es schlimm würde. Aber so schlimm?

Es ist nicht so, als habe Maschmeyer in den vergangenen Jahren nicht an seiner Parkettfestigkeit gearbeitet. Die Zeiten, in denen er eine Tafelrunde um den Hinweis bereicherte, er habe sich einen hartnäckigen Magenbazillus eingefangen, sind lange vorbei. Das war noch in einer Werkshalle der Georgsmarienhütte, als Kanzlerkandidatin Merkel sich westfälischen Unternehmern vorstellte. Nachdem die dann Kanzlerin war, wurde Schröders Regierungssprecher Béla Anda frei und wechselte zu Maschmeyer. Dann wurden die Gespräche besser und auch die Bilder.

Auf einmal gab es Fotos von Carsten M. in seinem Anwesen, wie er mit dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan parlierte. Fotos, wie er Bill Clinton auf seinem "Erfolgskongress" interviewt. Er mit Gottschalk, Pink und Geri Halliwell.

Er interessiert sich für Kunst, weil er gern "schöne, ästhetische Dinge" anschaut. Und weil Bilder nicht reden. Wenn er berichtet, dass einer seiner beiden Söhne gut zeichnen kann, sagt er: "Der hat einen guten Strich." Das hat Allure. Maschmeyer liest Biografien und Thriller, weil man da "Argwohn und Sensibilität" lernen könne. Einladungen flattern wie Kranichschwärme auf seinen Schreibtisch. Er genießt, wie ihm langsam jene Anerkennung und Aufmerksamkeit zuwachsen, um die er so lange gekämpft hat. Jetzt ist auf einmal beides da: Der berufliche Aufstieg in die Champions League - und die Ferres! Manchmal sieht man ihm direkt an, wie viel Mühe es ihn kostet, vor Stolz nicht auszuflippen.

Erste Begegnungen

Gekannt haben sich die blonde Hünin und er schon länger. Ministerpräsident Wulff hatte die beiden 2007 in Berlin zusammengebracht. Dann hat Maschmeyer sie zu seiner AWD-Jubiläumsfeier eingeladen, sie trafen sich beim Scorpions-Sänger Klaus Meine, bei ihrer "Power-Child"-Gala, deren Sponsor er zufällig war. Und immer war Vronis Mann dabei. Erst irgendwo in Afrika hat es neulich "intensiver" gefunkt. Frau Ferres sei "nicht nur eine sehr reizvolle", sondern auch eine sehr moralische Frau, sagt Maschmeyer. Getrennt, einsam, neu verliebt. So gehe bei ihr die Reihenfolge. Vor vier Monaten trennte sie sich von ihrem Mann, vor fünf Wochen wurde er von seiner Frau, von der er bereits seit sechs Jahren getrennt lebt, geschieden. Der Weg war offen.

Was sie machte, wusste er ja inzwischen. Auch, weil er sich eilig mit DVDs auf Stand gebracht hatte. Sie dagegen hatte mehr Bedarf, zu erfahren, was ihr Neuer so tat.

Maschmeyer hat den ehrwürdigen Schweizern im August 2008 sein letztes AWD-Aktienpaket überlassen und sich anschließend mit dem Erlös ins große Ganze rückgekauft. Er hatte schon immer ein Gespür für den richtigen Moment. Mit bald zehn Prozent ist er nun Hauptaktionär am Limmat. Vom 8. Mai an, dem Tag seines 50. Geburtstags, wird er dort zudem "Teil am Haben und Sagen" haben, wie es sein Kanzler-Freund Schröder früher hübsch formulierte. Manche Schweizer schäumen inzwischen, der Typ habe die Swiss-Leute über den Tisch gezogen, als er 350 Millionen Euro kassierte. AWD sei heute keine Spitzmorchel mehr wert, und keinen Frauentäubling.

Um 12,5 Prozent sank der Umsatz im vergangenen Jahr. Geschäfte im Ausland rutschten in die roten Zahlen, Klagen enttäuschter Anleger vermiesten die Bilanz. "Man handelt Kaufpreise in dem Moment aus, in dem man das Geschäft macht", sagt Maschmeyer cool, "und nicht voraus- oder rückwirkend." Er ist überzeugt davon, dass sich gerade in der Krise die Großen verbünden müssten. Die Swiss-Oberen sind es auch. Im Grunde läuft alles nach Plan.

Der Überzeuger

Er werde künftig "der Trüffelsucher sein", beschreibt Carsten Maschmeyer seinen neuen Job. Zuständig für "Strategie und Internationales" will er über neue "Investitionsprodukte mit Garantie" nachdenken. Darüber, wie man leichtlebige Menschen davon überzeugt, "ein Stück der Liquidität vom März 2009 in den März 2039 zu verlegen", obwohl "Prada" gerade im März die schönsten Schuhe im Regal hat. Private Altersvorsorge ist eines seiner Lieblingsthemen. Wenn Maschmeyer "Riesterrente" sagt, sieht man sich bereits im Schaukelstuhl mit schnurrender Katze auf dem Schoß. Und wenn man nicht aufpasst, hat man sie am Bein - die Rente.

"Ich wollte immer ein unabhängiger Finanz-Arzt sein - und nicht der Pharmavertreter", erklärt er, "sag mir, wo es wehtut, und ich suche dir das richtige Medikament." Riester, Rürup, Aktienfonds, heile, heile Gänschen.

Carsten Maschmeyer kommt unehelich auf die Welt. Den Vater lernt er nie kennen. "Die Mama ist eine tapfere Kämpferin", sagt er. Klein-Carsten wächst in einem Bremer Mutter-Kind-Heim auf. Er glaubt, dass es "das Ehrgeiz-Gen" fördere, wenn in der Kindheit "nicht alles so behütet ist". Man wolle dann nie wieder zurück auf Los. Später, in Drispenstedt, wohnen sie dann in einer Siedlung. Carsten findet Anerkennung als Leichtathlet. Sein Hals wird breiter, die Haare länger. "Wie ein Hippie!", barmt die Mutter. Auf der Oberlippe wächst erster Flaum, das Abitur gelingt ihm mit Note 1,8. Er wird Gefreiter in der Sanitätskompanie. Schießen, wandern, buddeln. Dann kommt das Medizinstudium. Er will Sportarzt werden. Mama ist stolz.

Zeit der Umorientierung

Im St. Bernward Krankenhaus Hildesheim wäscht er als Praktikant Patienten den Rücken, leert Urinflaschen und Bettpfannen. "Ich wollte helfen", erzählt er im "Gallo Nero". Die Graupen sind inzwischen kalt.

Seine Semesterferien verbringt der Student Maschmeyer im Billigsupermarkt an der Kasse. Er trainiert Läufer und macht für die, die ausdauernder rennen, den "Hasen". So verdient er sich einen Pauschalurlaub auf der Insel Djerba. Ein Vermögensberater der OVB erzählt ihm am Strand, dass er mehr Geld verdienen könne, wenn er neben dem Studium Lebensversicherungen und Bausparverträge verkaufte. Sofort tauscht er Kasse und Hase gegen Ordner und Police. Gleichaltrige, Studenten, Soldaten sind nun seine Kunden. Haarig wird es, wenn deren Eltern mit am Tisch sitzen und bestimmen wollen, was der Sohn unterschreibt. Bis ihn eines Tages ein Vater fragt: "Das ist aber jetzt nur was für junge Leute, oder?" Da merkt er: Ich krieg ja auch die Alten! Und auf geht's. Er redet gern und verkauft mit Hochdruck. Es gibt ein paar Menschen, die über Maschmeyer sagen, er sei für seinen Vorteil über Leichen gegangen. Aber auch sie tun das mit gezogenem Hut.

Die Erfolgsleistung des vaterlosen Aufsteigers folgt, wenn man so will, einem Drehbuch der 80er Jahre. Mit Dallas-Auffahrt, mit Drei-Engel-für-Charlie-Schulterpolstern und Thomas-Magnum-Schnauz. Sogar die Spitzen seines Gartenzauns seien vergoldet, raunt man. Der Kristallleuchter in der Eingangshalle seiner Villa vier Meter hoch, mindestens. Die Rotweinflasche, die der großzügige Halbmilliardär Freunden zu runden Geburtstagen schenke - 7800 Euro! Das Boot vor Cap d'Antibes: elf Mann Besatzung! Es war in der Vergangenheit oft ein bisschen dicke, wenn der Carsten Erfolg und Macht zeigen wollte. Aber wie hätte er anders auch sein sollen?

Schmuddelkind der Branche?

Mit 24 hat er die erste D-Mark-Million auf dem Konto, das Haus solide finanziert, den weißen Mercedes mit Heckspoiler vor der Tür. Mit 28 gründet er seine Firma: AWD - Allgemeiner Wirtschaftsdienst. Sieben Mitarbeiter in zwei Zimmern am Heidering, Hannover. Er heiratet die Arzttochter Bettina, zwei Söhne. Später verwirklicht sich ein Architekt mit einem Büroglasbau in Bergkristallform. Maschmeyers Stammsitz mit Betriebskindergarten im Parterre liegt nun am AWD-Platz mit Blick auf die AWD-Arena. Irgendwann hat die börsennotierte Firma 5700 Mitarbeiter quer durch Europa und einen Jahresumsatz aus Provisionen von 762 Millionen. Schöne Bilanz eigentlich.

Doch sein Beratergeschäft gilt weiterhin als anrüchig. Die Verkaufsmaschinerie des AWD erinnert Verbraucherschützer an eine Pyramide: Während Tausende von Beratern unten Verträge an Land zögen, kassierten die Aufgestiegenen oben den Großteil der Provision. Manche nennen den Finanzoptimierer deshalb "König der Klinkenputzer". Schmuddelkind der Branche. Bis, ja bis die Sparkassen und Banken selbst mit der Finanzberatung beginnen und ahnungslosen Rentnern zu Lehman- Zertifikaten raten. Im September 2008 fallen sie alle auf die Nase. Schmuddelkinder, wohin man schaut. Nun wähnt Maschmeyer den Triumph auf seiner Seite.

Das Leben ist schön! Die Mama ist stolz. Ende Februar wurde sie 85. Er hat ihr einen Chor bestellt, der das Ostpreußenlied sang: "Land der dunklen Wälder …" Frau Ferres dreht als Nächstes in München. Neulich haben sie dort nach einem Haus für sie gesucht. Paparazzi haben sie dabei verfolgt. RTL hat exklusiv berichtet. Und jetzt diese Graupen - herrlich!

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