HOME

Was macht eigentlich ...: ... Ken Kercheval?

Im Straßenfeger Dallas, weltweit die erfolgreichste TV-Serie der Achtziger, spielte er 13 Jahre lang Cliff Barnes, den nicht minder intriganten Widerpart des Ölbarons J. R. Ewing.

Ihnen wurden 1993 Teile der Lunge entfernt. Lungenkrebs. Trotzdem rauchen Sie wie ein Schlot ...

Drei Schachteln pro Tag. Ich hab nie behauptet, dass ich alle Tassen im Schrank habe.

Selbst der militante Nichtraucher Larry Hagman konnte Sie nicht bekehren?

Nein! Ich habe ja auch nichts gesagt, wenn er pro Tag seine Kiste Champagner getrunken hat.

Sie selbst wurden vor zwei Jahren wegen Trunkenheit am Steuer eingebuchtet ...

Ich hatte mit Kumpeln in meiner Heimatstadt Clinton gebechert und wurde angehalten - der junge Cop wusste nicht, wer ich war. Die ganze Stadt war am nächsten Tag stinksauer, selbst der Polizeichef besuchte mich und rauchte Zigaretten mit mir auf dem Hof. Seitdem bin ich wieder trocken.

Arbeiten Sie noch viel?

In England stand ich die letzten beiden Weihnachten in "White Christmas" auf der Bühne und hoffe, auch dieses Jahr wieder dort zu spielen. Manchmal werde ich auch noch als "Cliff Barnes" eingeladen, zu Firmenjubiläen oder so. Und ich engagiere mich für einen deutschen Tierschutzverein, der Pferde vorm Schlachthof rettet. Gerne würde ich dort in der Nähe, in Garmisch, leben.

Was hält Sie davon ab?

Die Scheidung von meiner letzten Frau, die läuft seit sechs Jahren. Dauernd wechselt sie die Anwälte. Sie ist böse. Sobald die Scheidung durch ist, möchte ich nach Europa ziehen. Meine Freundin Petra lebt in Holland. Vielleicht heirate ich sogar ein viertes Mal.

Sie leidet an MS, richtig?

Ja. Aber seit wir zusammen sind, musste sie den Rollstuhl kaum benutzen. Wir tun einander gut. Auch wenn ich mich frage, was eine 37-Jährige mit so einem alten Knacker will. Ich bete, bevor wir gemeinsam ins Bett gehen ...

Seit Kurzem wohnt Ihre 15-jährige Tochter Madison bei Ihnen: Wie lebt es sich mit einem Teenager unter einem Dach?

Ich genieße es. Maddy schläft die meiste Zeit, und wenn sie wach ist, muss ich sie ins Kino oder zum Shoppen fahren - typisch Teenager. Aber sie ist ein tolles Mädel. Ich habe mich schon nach Schulen für sie in Holland umgehört.

Sie haben sich als Schauspielschüler in New York mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen ...

Ich habe alles verkauft, von Grabstätten bis hin zu Töpfen und Pfannen. Und arbeitete als Fotograf, machte die ersten Porträts von Gene Hackman, Dustin Hoffman und Robert Duvall.

Die allesamt Weltstars wurden: neidisch?

Nein, wir waren Freunde. Ich hatte dann ja auch großen Erfolg mit "Dallas", verdiente pro Jahr mehr als eine Million Dollar.

Was ist davon übrig?

Scheidungen sind teuer! Vieles ist weg, auch mein Packard Coupé von 1939. Aber wenn ich meine jüngsten Kinder aufs College schicke, verkaufe ich eben ein altes Gemälde oder eine Antiquität. Ein paar gute Stücke habe ich noch.

Cliff Barnes war eine der meistbelächelten Figuren im TV. Nervte das nie?

Nein. Egal, wie oft Cliff auf die Schnauze fiel, er stand immer wieder auf. Nur mein Sohn Caleb litt: Er wurde am College immerzu "Loser" gerufen. Die deutschen Fans aber liebten mich, 80 Prozent der Fanpost kamen von ihnen.

Es gibt bei uns eine Band, Cliff Barnes and the Fear of Winning. Kennen Sie die?

Nein. Aber ich trete sofort mit denen auf. Ich wollte immer Sänger werden.

"Cliff Barnes" schaffte es in der letzten Folge immerhin zum US-Präsidenten.

Aber Cliff wäre kein guter Präsident geworden. Der hätte sich sofort betrunken.

Interview: Severin Mevissen / print