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Was macht eigentlich ...: ... Martin H. Kolb?

Der Schweizer leitet seit März 2007 das Kempinski Grandhotel Heiligendamm - und war so im Sommer beim G-8-Gipfel Hausherr für Staatsgäste aus aller Welt.

Der G-8-Gipfel war das Ereignis des Sommers, Ihr Hotel Zentrum weltweiter Aufmerksamkeit.

In der Tat. Wenn ich heute irgendwo hingehe und erzähle, ich sei der Direktor vom Kempinski Grand Hotel Heiligendamm, sagen alle: "Wow. G-8!" Früher haben alle gefragt: "Wo soll das denn sein?"

Da, wo 5000 Tonnen Stahl, Beton und feinster Nato-Stacheldraht vor strahlend weißer Fassade 13 Kilometer mecklenburgischen Sand durchschnitten.

Der Zaun hat uns wehgetan. Aber im Vordergrund steht der Gipfel mit wunderschönen Fernsehbildern von Heiligendamm im Sonnenschein unter blauem Himmel. Wir haben seitdem einen enormen Boom bei Besuchen unserer Homepage.

Der war wohl auch bitter nötig. Ihr Hotel ist bislang ein einziges Finanzgrab.

Es gab vor dem Gipfel eine Spirale von schlechter Presse und schlechter Stimmung. Wir dachten, was immer wir machen, mehr als 38 Prozent Auslastung schaffen wir einfach nicht. Der G-8-Gipfel war wie eine Schubumkehr. Dieses Jahr haben wir 54 Prozent Auslastung, präsentieren erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis!

Soll noch mal einer sagen, solche Gipfel brächten nichts.

Wir haben 100 neue Arbeitsplätze schaffen können, sind jetzt 360 Leute insgesamt, davon 60 Auszubildende.

Dem schottischen Gleneagles scheint es fast peinlich, im Jahr 2005 G-8-Hotel gewesen zu sein. Die Hotelchronik verschweigt es ...

Das sind so Dinge, die ich nicht verstehe. Was ist daran peinlich? Der G-8-Gipfel hat ja nicht zufällig nicht im Novotel in Edinburgh stattgefunden. Und die Bundesregierung hat auch nicht zufällig bei uns statt im Gasthaus "Zum blutigen Handtuch" angefragt. Mit Protesten war zu rechnen. Wir haben tonnenweise Post bekommen: Shame on you! Wir wohnen nie mehr in einem Kempinski! Es gibt mehr Wahnsinnige, als man denkt.

Wohl wahr. Manche ziehen freiwillig von Dubai nach Mecklenburg-Vorpommern.

Viele Freunde haben geglaubt, ich sei verrückt geworden. Allerdings nur, bis sie gesehen haben, was das hier für ein Hotel ist. Und dann die Chance, den Gipfel ausrichten zu können - ein Angebot, nach dem man sich alle zehn Finger leckt.

Fontane schrieb über Heiligendamm: "Die Damen baden und schlafen, machen viermal Toilette, genießen die multrige Sumpfluft ..." Viel mehr ist immer noch nicht los.

Was sucht der moderne Mensch denn mehr als Ruhe? Auf das Meer hinausschauen. Die Einsamkeit. Die Mystik. Die Alleen. Die Leute wollen kein Rambazamba. Unsere Gäste stehen mit der Sonne auf, frühstücken auf der Terrasse, lesen, fahren mit der Kutsche aus.

Schön. Genug geplaudert. Womit hat sich Sarkozy besoffen?

Hatte der was getrunken? Ich weiß es nicht. Vielleicht war er einfach angeschlagen. Er hat damals ja immerhin auch noch ein privates Problem mit sich rumgeschleppt.

Geschenkt. Was hat die Bundesregierung für den G-8-Spaß eigentlich überwiesen?

Eine Ausfallentschädigung für 14 Tage reguläres Geschäft. Hochgerechnet auf prozentuale Auslastung mit durchschnittlichem Zimmerpreis.

In Höhe von?

Das entzieht sich leider meiner Kenntnis. Man rechnet noch … Außerdem haben wir ja nicht jeden Champagner oder jeden Café einzeln abgerechnet. Die Delegationen haben ihren Verzehr übrigens selbst bezahlt.

Ach, kommen Sie. Wenigstens eine kleine Indiskretion.

Die Russen haben die komplette Rechnung bar bezahlt. Aus dem Aktenkoffer. Cash in de Täsch.

Interview: Christoph Wirtz

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