Was macht eigentlich... ...Klaus Voormann?


Der Bassist und Beatles-Freund spielte als einziger Deutscher in der ersten Liga des Rock 'n' Roll - und bekam zwei Grammys, einen als Grafiker.

Sie haben mit Manfred Mann, John Lennon, George Harrison und Eric Clapton auf der Bühne gestanden. Trotzdem blieben Sie immer bescheiden im Hintergrund. Warum?

Ich bin eben so. Ganz nach vorn zu gehen ist mir eher peinlich.

Als Student hörten Sie im Hamburger Kaiserkeller 1960 erstmals die Beatles...

...und es schlug bei mir ein wie ein Blitz. Ohne sie hätte es meinen Weg durch all die Bands und Studios nicht gegeben. Sie wurden sogar Freunde und wohnten bei George und Ringo in London.

Was war das für ein Gefühl?

Schon was Besonderes, klar. Ich habe einen Grafiker-Job gesucht und bei den beiden in der Green Street gewohnt. Vor der Tür standen fast immer 150 Fans, ich war jedes Mal froh, da heil durchzukommen.

Zeichenstifte und Pinsel haben Sie schnell gegen die Bassgitarre getauscht. Wieso?

Ich wollte auf der Bühne stehen, mit einer Band spielen. Das war der Kick. Als mein Freund Gibson Kemp aus Hamburg fragte, ob ich bei ihm einsteige, passierte es.

Der internationale Durchbruch kam mit Manfred Mann - "Fox On The Run" und "Ha! Ha! Said The Clown" spielen die Radiostationen bis heute. Ihre beste Zeit?

Oh nein. Das war eine berühmte Gruppe, und es hat Spaß gemacht, aber die Höhepunkte waren die Arbeit mit John Lennons "Plastic Ono Band" oder mit George Harrison beim Konzert für Bangladesch.

Dafür gab's einen Grammy.

Meinen zweiten. Den ersten bekam ich für das Cover der Beatles-LP "Revolver". Ich hatte alle Freiheiten. Das war wunderbar.

Und das Honorar?

War mir nicht so wichtig. Übrigens: 50 Pfund.

Sie spielten auf Lennons Album "Imagine" mit. War bei den Aufnahmen klar, das da etwas Außergewöhnliches passiert?

Als John uns "Imagine" auf dem Klavier vorspielte, bekam ich eine Gänsehaut. Ich wusste sofort: ein ganz wichtiges Lied.

Wann haben Sie sich gesagt: "Das war's jetzt"?

In Los Angeles. Ich spielte bei Dr. John - meinen Göttern. Plötzlich ging mir durch den Kopf: Die spielen toll, aber mehr läuft da nicht. Da war's vorbei.

Nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland 1979 haben Sie als Talentscout gearbeitet und nebenbei Trio entdeckt.

Von denen war ich voll begeistert. Tolle Band. Ihr Hit "Dadada" kam später. Mit dem Artwork für die "Beatles Anthology" meldeten Sie sich 1995 als Grafiker weltweit zurück. Wer machte das Angebot?

Der Chef der Firma Apple fragte, ob ich eine Idee hätte, die die zehn Beatles-Jahre zusammenfasst. Ich habe dann eine Art Plakatwand entworfen, an der ihre alten Poster kleben - abgefetzt und abgefleddert. Und ich bekam den Job.

Und weitere.

Zum Beispiel habe ich ein Cover der norwegischen Deathpunk-Combo "Turbonegro" gestaltet. Jetzt arbeite ich gerade an einem neuen Projekt - entwerfe Logo, Plakat und Eintrittskarten für eine Show.

Vor zwei Jahren haben Sie Ihre Erinnerungen "Warum spielst du 'Imagine' nicht auf dem weißen Klavier, John" veröffentlicht. War die Rückschau quälend, heiter oder wehmütig?

Quälend, bevor ich angefangen hatte. George Harrison drängelte, ich solle die alten Geschichten doch mal aufschreiben. Es wurde eine wundervolle Erfahrung.

Beim Gedenkkonzert für George Harrison 2002 haben Sie noch einmal mit vielen Rockgiganten gespielt. Was wird bleiben?

Mit Paul auf der Bühne zu stehen. Da war dieser Flashback - der Kaiserkeller und Paul jetzt. Die ganzen Jahre dazwischen waren wie weggeblasen.

Interview: Dieter Krause

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