Was macht eigentlich... ...Moritz Hunzinger?


Der umstrittene Frankfurter PR-Berater brachte Wirtschaftsführer und Politiker zusammen. Seine finanziellen Zuwendungen kosteten manche die Karriere.

Herr Hunzinger, vor drei Jahren stürzte Verteidigungsminister Scharping nach einem stern-Bericht über seine Kontakte zu Ihnen.

Unsinn! Rudolf Scharping kenne ich seit meinem 18. Lebensjahr. Schröder wollte den damals als Minister entsorgen. Ich habe nur deshalb eine mit verbraten bekommen, weil ich gerade zufällig auch auf der Bildfläche war.

Sie empfehlen sich gerne als Vorbild in Sachen effiziente und geräuschlose PR... Leiden Sie unter Realitätsverlust?

Aber im Gegenteil! Ich habe in 25 Jahren ein paar tausend Kunden glücklich gemacht, rund 15000 Geschäftsvorgänge betreut, für 500 Millionen Euro Rechnungen geschrieben und bezahlt bekommen.

Dann kamen Scharpings 50000-Mark-Klamottenkauf und Cem Özdemirs Kredit.

Der Özdemir hatte mich innigst um ein privates Darlehen gebeten, da hätt er halt hinterher net drüber schwätzen sollen. Und dass ich dem künftigen Verteidigungsminister empfohlen habe, dass wir mal gucken, wie seine Amtskollegen in Paris und London so rumlaufen - das kann ich mir nicht zum Vorwurf machen. Das macht ja noch nicht mal der Betroffene mir zum Vorwurf.

Die Politiker meiden Sie also nicht?

Der Einzige, der feige war, war der Friedrich Merz. Ansonsten kann ich das nicht feststellen. Ich bin aber auch nicht mehr so oft gesellschaftlich unterwegs. Nach einem Vierteljahrhundert im Beruf ist ein gewisser Sättigungsgrad erreicht. Es gibt ja noch mehr, als nachts mit Politikern an der Theke zu stehen. Ich wohne zum Beispiel sehr schön.

... und sitzen an einem normalen Vormittag im Eiscafé.

Nicht den ganzen Vormittag! Aber ich bin entspannter und ganz relaxt, habe mir eine Auszeit genommen, kann durchatmen, auch mal ein Buch lesen, bin gereift.

Sie sind 46!

Eben. Da fangen andere erst an. Ich habe in 25 Jahren kaum Urlaub gemacht, war morgens um sechs da und bin abends vielleicht um ein Uhr nach Hause gekommen. Das hat dem Familienleben alles nicht gut getan. Ich bin wundervoll verheiratet, leider leben wir nicht mehr zusammen. Das bedauere ich sehr.

Heute widmen Sie sich Ihrem Hobby: Stühle sammeln...

Ich hatte immer ein Faible für Stühle. Inzwischen besitze ich eine Sammlung von etwa 75 sehr schönen Exponaten. Die katalogisiere ich gerade.

Ihre Kollegen werden sich freuen, das zu hören. Dann bringen Sie wenigstens nicht mehr die ganze Branche in Verruf ...

Die Kollegen, die mir das vorgeworfen haben, haben mir im Mai 2004 die silberne Ehrennadel des Berufsverbandes verliehen. Guten Tach!

Die Kritik ...

... muss man verstehen. Meine Firma hatte so gut wie keine Ausschreibung verloren. Dass da Futterneid aufkommt, ist klar. Es ist doch so: Ich kenne keinen, der jemals mehr Geld in dem Beruf verdient hat als ich. Bei uns hatte selbst der Prokurist einen Fahrer mit 7er BMW.

Sie haben mal gesagt, die PR-Szene schrumpfe sich gesund: "Wir haben jetzt die arschlochfreie Zone erreicht. Unter denen, die übrig sind, gibt es keine Quatschköpfe mehr!" - Herr Hunzinger, sind Sie übrig geblieben?

Das ist mir, ehrlich gesagt, alles gleichgültig. Ich bin seit einem Jahr aus dem Beruf raus, alle Rechnungen sind beglichen, ich muss mich noch nicht mal über mich selbst ärgern. Alles ist gut. Es ist Sommer.

Christoph Wirtz print

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