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Was macht eigentlich...: Anke Kasper

Die Supermarkt-Besitzerin aus Hannovers Zoo-Viertel protestierte, als Gerhard Schröder 2002 gegenüber einzog und die Parkplätze vor ihrem Laden gesperrt wurden

Zur Person:

Die 39-Jährige wohnt mit ihrem Lebensgefährten in Hannover-List. Nach einer Lehre zur Einzelhandelskauffrau arbeitete sie 13 Jahre im "Frischmarkt Kasper", ehe sie den Laden 2000 von ihrem Vater Alois übernahm. Im Februar vergangenen Jahres zog Gerhard Schröder mit seiner Familie in ein Reihenhaus schräg gegenüber. Aus Sicherheitsgründen wurden die Parkplätze gesperrt, Kasper schaltete einen Rechtsanwalt ein und erreichte, dass statt 22 nur 17 Parkplätze wegfielen

Frau Kasper, die Parkplatzsuche vor Ihrem Laden ist weniger schwierig als erwartet.

Es sind dann doch ein paar Parkplätze übrig geblieben - so ganz ohne geht das vor einem Geschäft ja auch nicht.

Sie sind sozusagen die Jeanne d´Arc der Plathnerstraße: Als der Kanzler hierher zog, gingen Sie auf die Barrikaden, weil plötzlich aus Sicherheitsgründen überall Halteverbot herrschte.

Das weitete sich immer mehr aus - und da haben wir uns eben ein bisschen beschwert. Man kann sich nicht nur nach einer Person richten, man sollte auch die anderen berücksichtigen. Und wir waren nicht erst seit kurzem hier: Mein Vater hat den Laden vor 49 Jahren aufgemacht, ich habe ihn 2000 übernommen. Ich habe mich mit unserem Anwalt unterhalten, wie man sich einigen könnte. Und dann haben wir uns zusammengesetzt.

Der Kanzler und Sie?

Nein, nicht der Kanzler. Aber wer sonst noch so dazugehört: die Stadt, die Polizei und wir. Wir haben einen Kompromiss gefunden: Es wurde nicht ganz so viel gesperrt wie geplant, und ich habe vor dem Laden schräge Parkplätze bekommen.

Sogar Harald Schmidt rief damals bei Ihnen an. Er nannte Sie die "absolute Kracher-Besitzerin von dem geilen Edeka-Laden" und kürte Sie zum Liebling des Monats.

Den hab ich beim ersten Telefonat ganz dumm abgekanzelt. Ich hatte Kundschaft und keine Zeit. Und auch gar nicht realisiert, dass er das war - Harald Schmidt kann ja jeder heißen. Dann hat er sich am nächsten Tag noch mal gemeldet und gefragt, was der Kanzler auf der anderen Seite jetzt machen würde und solche Sachen.

Und, was macht der Kanzler auf der anderen Seite?

Ich glaube, dem geht´s gut. Der hat ja gerade schöne Ferien gehabt.

Seine Gattin wurde vergangene Woche 40. Hat er zur Feier des Tages morgens die Brötchen geholt?

Die Frau Schröder hatte Geburtstag? Ich bin nicht so bewandert mit solchen Dingen. Und ob Herr Schröder Brötchen holt oder nicht - das ist Privatsache. Dazu hören Sie von mir kein Sterbenswörtchen. Der möchte auch mal nett essen oder bummeln gehen können und hat hier seine Ruhe. Anfangs war das ein bisschen ungewohnt: Oh, der Kanzler wohnt jetzt hier! Aber das hat sich längst gelegt.

"Zu Hause ist es doch am schönsten", sagt der Kanzler. Was ist denn so toll an diesem Viertel hier?

Es geht in unserer Ecke alles familiärer zu. Und wir haben hier die Eilenriede, unseren Stadtwald. Der ist dicht dran und riesengroß. Ich war da Sonntag gerade unterwegs, morgens mit dem Rad, nachmittags mit den Inlineskates. Dann haben wir noch den Zoo, die Stadthalle und Hannover 96 - ich gehe auch manchmal ins Stadion.

Und wo verbringen Sie Ihren Urlaub?

In diesem Jahr vielleicht noch in der Türkei. Aber die Ferien müssen erst mal vorbei sein. Im September dann.

Sie verkaufen neuerdings T-Shirts mit der Aufschrift "Kanzlerstadt". Sieht das nicht seltsam aus zwischen Leberwurst und Dosenravioli?

Die Idee stammt nicht von mir, aber ich verkaufe auch welche, weil das für einen guten Zweck ist: Ein Euro pro T-Shirt geht an "Step Kids", die Stiftung von Doris Schröder-Köpf zugunsten drogenabhängiger Kinder. Die ersten 20 Stück gingen weg wie warme Semmeln. Jetzt warte ich händeringend auf die nächste Ladung - ich hab schon 50 Vorbestellungen.

Haben Sie auch eins?

Na klar.

Interview: Ulrike von Bülow