Was macht eigentlich... Shirley Jones


Die amerikanische Oscar-Preisträgerin spielte in den siebziger Jahren die Mutter der Partridge Familie. Die gleichnamige US-Serie war auch in Deutschland ein Hit

Zur Person

Die 69-Jährige lebt in Encino bei Los Angeles mit ihrem Mann, dem Komiker Marty Ingels. Sie hat drei Kinder aus erster Ehe, ihr Stiefsohn David Cassidy zählte in den Siebzigern zu den größten Teenie-Idolen. Jones wurde mit 18 bei einem Vorsingen in New York entdeckt und 1955 als Hauptdarstellerin für das Broadway-Musical "Oklahoma!" besetzt. Mit dessen Verfilmung begann ihre Kino-Karriere, die 32 Filme umfasst und bereits 1961 mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin in "Elmer Gantry" gekrönt wurde. Ab 1970 spielte sie mit David Cassidy in der erfolgreichen TV-Serie "Die Partridge Familie", die sie in Amerika zu einem der populärsten Fernsehstars machte. Die gleichnamige US-Serie war auch in Deutschland ein Hit. Für ihr Lebenswerk wird Shirley Jones im Juni den "Outstanding Achievement in Entertainment Award" erhalten.

Das Interview mit Shirley Jones führte Andreas Renner

Sie haben 1961 einen Oscar als beste Nebendarstellerin für "Elmer Gantry" gewonnen. Wo in Ihrem Haus steht er denn?

O je, da haben Sie mich auf dem falschen Fuß erwischt. Eigentlich sollte ein Oscar ja einen Ehrenplatz haben, aber bei uns steht er fast unbemerkt in einem Regal zwischen jeder Menge kitschiger Plastikfiguren, weil wir erst vor einigen Monaten umgezogen sind. Ich gelobe Besserung.

Schauen Sie sich die Oscar-Verleihung an?

Na klar, ich sitze jedes Jahr vor dem Fernseher. Die Oscars haben nach wie vor eine ganz besondere Faszination, trotz allen Tamtams, das mittlerweile darum veranstaltet wird. Bei mir damals gab es noch keine Showeinlagen, und die Zeremonie fand in einem kleinen Theater vor ein paar hundert Zuschauern statt. Anschließend gab es ein Gala-Dinner mit allen geladenen Gästen, was heute schon organisatorisch nicht mehr machbar wäre.

Burt Lancaster, Ihr Partner in "Elmer Gantry", galt als Ladykiller. Hat er auch Ihnen Avancen gemacht?

Als ich Burt 1960 bei den Dreharbeiten kennen lernte, war ich schon mit Jack Cassidy verheiratet und hatte Kinder. Sonst hätte er mir vielleicht gefährlich werden können. Er war ein Traum von einem Mann, ich kann verstehen, dass ihm die Frauen reihenweise zu Füßen lagen.

Ihre TV-Serie "Die Partridge Familie" war ein Hit in den frühen 70er Jahren, hat aber zugleich Ihre Filmkarriere so gut wie beendet. Waren Sie darüber enttäuscht?

Nein, denn ich hatte drei kleine Kinder, die mich gebraucht haben. Und da kam es mir ganz recht, nicht mehr so viel reisen zu müssen. Zudem war die Rolle der Shirley Partridge spannend. Ich habe eine fünffache Mutter gegeben, die nebenbei auch noch arbeitete. Das war für damalige Verhältnisse ungewöhnlich und hat einige Diskussionen entfacht. Außerdem spielte mein Stiefsohn David Cassidy mit, zu dem ich während seiner Kindheit keinen richtigen Draht hatte. Durch die gemeinsame Zeit konnten wir endlich eine engere Beziehung zueinander aufbauen.

1990 haben Sie in Ihrem Buch "Shirley & Marty: An Unlikely Love Story" Interna aus Ihrer chaotischen Ehe mit dem Komiker Marty Ingels veröffentlicht. Warum?

Als ich Marty 1977 heiratete, haben mich alle für verrückt gehalten. Bis heute kann sich niemand vorstellen, wie eine Beziehung zwischen einem abgedrehten jüdischen Komiker aus Brooklyn und einem abgeklärten Mädchen vom Lande funktionieren soll. Die Antwort ist einfach: Marty bringt mich auch nach 27 Jahren Ehe noch zum Lachen. Sicher, wir hatten auch Probleme, und waren vor drei Jahren drauf und dran aufzugeben. Wir haben einen Eheberater aufgesucht, der uns geraten hat, uns für ein Jahr zu trennen - und zwar konsequent ohne persönlichen Kontakt, keine Anrufe, keine Briefe. Nach zehn Monaten haben wir wieder zusammengefunden.

Ende März feiern Sie Ihren 70. Geburtstag, arbeiten Sie noch als Schauspielerin?

Ja, und auch als Sängerin. Ich gebe monatlich zwei bis drei Konzerte in allen Teilen der USA. Kürzlich habe ich sogar ein Angebot bekommen, wieder am Broadway zu singen, in dem Musical "42nd Street". Aber ich weiß nicht, ob ich mir den Stress noch mal antun will. Da drehe ich lieber mal einen Low-Budget-Film oder verbringe mehr Zeit mit meinen vier Enkelkindern, faulenze in meiner Hütte in den kalifornischen Bergen oder laufe Ski. Ich arbeite nur noch, wenn ich Lust dazu habe. Das ist der Luxus des Alters.

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker